Disney-Zeichner Olli Johnston gestorben: Der den Balu tanzte

Bambi, Bär Balu und der böse Smee aus "Kapitän Hook": Olli Johnston schuf große Comic-Figuren. Nun starb der letzte große Disney-Zeichner - und Erfinder des Balu-Tanzes.

"Probiers mal mit Gemütlichkeit". Bild: dpa

Die Schultern hochgezogen, das Kinn nach oben gestreckt, in den Knien wippend - so führte der schon hochbetagte Ollie Johnston den Tanz von Balu vor, dem Bären aus dem "Dschungelbuch", dessen "Probiers mal mit Gemütlichkeit" eine der wunderbarsten Hymnen auf den Hedonismus darstellt. Walt Disney hatte die Entwürfe von Johnston gesehen und sofort die Qualitäten der Figur erkannt. Nahezu unverändert taucht der Bär im fertigen Film auf, ungewöhnlich im Disney-Studio, in dem oft jahrelang an der Optimierung der Figuren gefeilt wurde.

Oliver Martin Johnston wurde am 31. Oktober 1912 im kalifornischen Palo Alto geboren. Sein Vater, Romanistikprofessor in Stanford, förderte die Zeichenbegabung des Jungen nicht aus Angst, er könne damit nie genug Geld verdienen. Erst 1931, er hatte sich zum Journalistikstudium eingeschrieben, begann Ollie Johnston ernsthaft, sich mit dem Zeichnen zu beschäftigen. Und jetzt bezahlte der Vater einen Zeichenkurs. 1935 dann heuerte Johnston bei Disney an. Das Studio suchte neue Talente für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm: "Schneewittchen und die sieben Zwerge". Durch die Empfehlung seiner Kollegen wurde er schnell vom Reinzeichner zum Animator befördert, also zu einem, der durch Bewegung die Figuren zum Leben erweckt. Sein erster großer Auftrag war Pinocchio - und nie wieder gab es ein schöneres Bild für den Zauber des Zeichentrickfilms als jene Szene, in der der lebendige Pinocchio sich inmitten der hölzernen Marionetten bewegt.

Von nun an gehörte Johnston dem engsten Kreis der Animatoren an, jenen legendären nine old men, die über fast vier Jahrzehnte den Stil des Studios prägten. Er animierte die Szene zwischen Klopfer und Bambi, in der das Kaninchen dem Kitz verschwörerisch erklärt, welcher Teil des Klees am besten schmecke. Und er war verantwortlich für Smee, Kapitän Hooks töffeligen Handlanger in "Peter Pan". Für Zeichentrickfilmkenner bis heute nicht übertroffene Szenen.

Rückschauend sagt er über seine 42 Jahre bei Disney: "Ich wünschte, ich hätte mehr an einigen von den Sachen gearbeitet." Dieser Satz ist das offene Geheimnis der nine old men. Sie standen im Wettstreit miteinander, sie waren neidisch aufeinander und feuerten sich mit dem Satz an: "Das kannst du besser." Es war Walt Disney, der diesen Männern ihre Ticks erlaubte und ihrem Perfektionsdrang Zeit einräumte (die bekanntlich Geld kostet). Mit Disneys Tod setzte der Niedergang ein, wie Ward Kimbell, der Satiriker unter den neun alten Männern, bitter beklagte. 1978 ging Johnston in Rente - und gab freizügig sein Wissen weiter, im Lehrbuch "The Illusion of Life" und auf seiner Homepage. Am Montag starb mit Ollie Johnston die letzte der großen Disneyschen Zeichnerlegenden.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de