"The Happening" mit Mark Wahlberg: Psychothriller als Paartherapie

In M. Night Shyamalan Thriller "The Happening" darf Mark Wahlberg als Wissenschaftler über eine weltweite Selbstmordwelle - und seine Angetraute grübeln.

Ratloser Gesichtsausdruck? Nein: wissenschaftlicher! Bild: 20 century fox

Wird hier "Wer hat Angst vorm Toten Mann" gespielt? Oder warum verharren die Spaziergänger im Central Park plötzlich regungslos und verziehen keine Miene mehr? Das Bild, das so bedrohlich gemeint ist, wirkt hier so spannungsarm, dass man sich tatsächlich an das Kinderspiel von einst erinnert fühlt. Doch wir befinden uns in einem Film von M. Night Shyamalan ("Der sechste Sinn", "Signs", "Das Mädchen aus dem Wasser"), dem Fachmann für übersinnliche und esoterische Phänomene. Also beginnen die eben noch erstarrten Menschen wie ferngesteuert merkwürdige Dinge zu tun.

Eine junge Frau zieht sich die Haarnadel aus dem Pferdeschwanz und jagt sie sich in die Halsschlagader (keine Angst, es wird dezent abgeblendet). Ein Polizist greift zur Dienstwaffe, setzt sie sich an die Stirn, den Schuss vernimmt man jedoch nur noch aus dem Off. Offenbar soll die Fantasie des Zuschauers ein wenig auf Trab gehalten werden. Was also treibt die Menschen ins Titel gebende "The Happening"? Politiker, Polizisten und Presse vermuten einen terroristischen Giftanschlag auf New York, der bei den Menschen einen Selbstzerstörungsimpuls aktiviert.

Währenddessen redet der von Mark Wahlberg gespielte Naturwissenschaftslehrer Elliot Moore über unerklärliche Naturphänomene. Etwa über die schwindende Bienenpopulation. Auch der plötzlich aufkommende Wind, der die Menschen in den Selbstmord treibt, gibt Elliot Rätsel auf. Das eigentliche Buch mit sieben Siegeln ist dem frisch Vermählten jedoch die eigene Frau. Sie entzieht sich ihm. Oder, um es mit den Worten seines besten Freundes zu sagen: "Alma ist eben noch nicht so weit."

Wieder einmal muss sich ein Psychothriller als Paartherapie aufspielen, und der arme Elliot wird durch eine im doppelten Sinne windige Verhaltenstherapie gejagt. Er trifft auf naseweise Halbwüchsige, die ihm mitten auf der Flucht vor einer neuen fatalen Windbö das Prinzip der Verantwortung in der Partnerschaft erläutern. Er wird mit verschiedenen Beziehungsmodellen konfrontiert und sich die Frage stellen, ob man wirklich als Ehepaar in der Hot-Dog-Idylle enden möchte. Da Elliot und seine Freundin auch die Tochter der besten Freunde retten müssen, bekommen sie Gelegenheit, sich als zukünftige Eltern auszuprobieren. Hin und wieder erinnert sich der Film seines Thrillerwesens, lässt den Wind wieder rauschen, versucht sich in originellen Selbstmordideen, wie Tod durch einen Rasenmäher. Doch schon nimmt "The Happening" alle Puste zusammen, bläst zum großen therapeutischen Showdown. Merke: Von allen unerklärlichen Kräften ist die Liebe die stärkste.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de