Fusion auf dem Biermarkt: "Viele Biere sind austauschbar geworden"

Anders als bei den Großkonzernen schmeckt das Bier von Pinkus nicht immer gleich, sagt Brauingenieur Friedhelm Langfeld. Soll es auch nicht.

Alles eine Plörre Bild: dpa

taz: Herr Langfeld, muss man größer werden, um zu überleben?

Friedhelm Langfeld: Das würde ich infrage stellen. Pinkus ist immer klein gewesen. Wir sind ein Familienbetrieb mit 18 Angestellten - Verwaltung, Produktion, Abfüllung, Fahrer - und zufrieden damit, wie es ist.

FRIEDHELM LANGFELD, 38, arbeitet als Brauingenieur bei Pinkus Müller, wo seine Frau Barbara Kogeschäftsführerin ist.

Sorgen Sie sich denn, dass es nicht so bleibt?

Wir sind nicht die Werbeprofis. Aber wir sind uns darüber im Klaren, dass man die Marke ausbauen könnte - mit Kapitaleinsatz. Damit begibt man sich aber in gefährliches Fahrwasser. So versuchen wir das, was der Markt fordert, mengenmäßig zu bedienen - so wie wir aufgestellt sind.

Was fordert der Markt?

Bio boomt. Pinkus Müller hat schon vor drei Jahrzehnten auf diese damalige Nische gesetzt. Wir wollten Qualität und Nutzen für die Umwelt, nicht schnelles Geld. Jetzt merken wir, dass richtig Bedarf da ist, und solange der besteht, sind wir gut ausgelastet.

Die großen Brauereien steigen in den Markt ein. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Natürlich bedeutet der Bioboom auch, dass andere Brauereien auf den Zug aufspringen. Nur die Kleinen allein könnten die Nachfrage derzeit nicht bedienen. Die Frage ist ja, wo die Glaubwürdigkeit bleibt - besonders wenn "Neuzugänge" nicht die gesamte Produktion auf Bio umstellen. Wir hoffen, dass uns unsere Stammtrinker treu bleiben.

Wer trinkt denn Ihr Bier?

Ein Teil unserer Stammkunden, 50, 60 plus, hat unser Bier schon getrunken, als es noch nicht Bio war. Dann gibt es die Touristen in Münster. Die Hälfte unserer Kunden sind aber sicher Leute, die bewusst Biobier kaufen.

An welchem Geschmack orientiert sich Ihre Brauerei?

Was uns als Familie schmeckt, wird ja dem ein oder anderen auch schmecken. Von unseren Mitbewerbern sind wir weniger beeinflusst als von den Verbrauchern. Wenn etwas nicht mehr im Trend liegt, hören wir deshalb auch nicht damit auf - denn es gibt sicher Verbraucher, die genau das vermissen würden.

Hat sich der Geschmack in den letzten Jahren geändert?

Ja. Viele Biere sind austauschbar geworden. Echte, eigenständige Geschmacksbilder - wie früher ein wirklich herbes Pils - findet man heute kaum. Die Biere wurden aneinander angeglichen. Ein Teil in der Bevölkerung mag aber das Herbe und vermisst es. Unser Bier unterscheidet sich, und schmeckt nicht immer gleich.

Wie das?

Bei unseren Mengen können wir auch die Zutaten nicht so verschneiden, dass immer der gleiche Geschmack rauskommen könnte, so wie das bei den Großen ist. Das Getreide, der Hopfen unterscheiden sich Jahr für Jahr. Das ist wie mit einem Apfel am Baum, da schmeckt auch nicht jede Frucht gleich. Ich sage immer: Das Bier muss nicht immer gleich sein, aber es muss immer gut sein.

Warum ist von den Dutzenden Altbierbrauereien in Münster nur Ihre übrig geblieben?

Dafür gibt es viele Gründe. Die eine hatte vielleicht keinen Nachfolger, die andere wurde verkauft, weil man lieber schnell die Taschen voll Geld hatte. Jeder Fall liegt anders, und vieles ist auch historisch bedingt.

Sie haben nie an eine Kooperation oder einen Verkauf gedacht?

Nee, nee, nee, niemals. Aus unserer Sicht ist das der Anfang vom Ende. Denn wir sind nicht die starke Marke. Beim Kauf von kleinen Brauereien ging es ja meist nicht um Hektoliter und nicht um die Marke, sondern um die Immobilie.

INTERVIEW: CHRISTINE ZEINER

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben