Australischer Weltjugendtag endet

Papst geißelt falsche Freiheit

Mit einer Messe beendet Benedikt XVI. am Sonntag den Weltjugendtag in Sydney. Seine Entschuldigung bei den Opfern von sexuellem Missbrauch durch Geistliche kritisieren Betroffene als unzureichend.

Das kommt ins Fotoalbum: Auch Bischöfe zückten beim Weltjugendtag in Sydney die Digicam. Bild: Reuters

SYDNEY taz Es war eine Zeremonie, die jeden Anwesenden zu Tränen rührte - selbst manchen Nichtgläubigen. Vor rund 350.000 Gläubigen beendete Papst Benedikt XVI. am Sonntag mit einer Messe auf einer Pferderennbahn in Sydney den 23. Weltjugendtag. Begleitet von Chören, Orchestern und in Anwesenheit von 420 Bischöfen, 26 Kardinälen und tausenden Priestern, Seminaristen, Mönchen und Nonnen, prangerte der Papst eine "falsch verstandene Freiheit" in der Welt an. "In so vielen unserer Gesellschaften breitet sich mit dem materiellen Wohlstand eine geistige Wüste aus, eine innere Leere, eine ungenannte Furcht, eine stille Ahnung der Hoffnungslosigkeit."

Das Oberhaupt rief Katholiken rund um den Globus auf, sich auf christliche Grundwerte zurückzubesinnen. Der Glaube sei ein Mittel, um sein Leben auf einem festen Fundament aufzubauen. "Sprecht mit anderen über eure Hoffnungen und Ideale, und sprecht von Gott und mit Gott. Glücklich ist der Mensch, der in der Liebe Gottes und in der Liebe zum Nächsten lebt."

Etwa 200.000 Menschen hatten in der Nacht zum Sonntag nach einer Abendandacht trotz Kälte auf der Rennbahn übernachtet. Am Morgen flog der Papst im Hubschrauber über das Gelände, bevor er im Papamobil zur Messe fuhr. Wie bereits in der vergangenen Woche, so gab es auch hier Beschwerden darüber, dass das gepanzerte Hochleistungsautomobil zu schnell gefahren sei. Viele Pilger hätten den Papst nicht sehen können. Der nächste Weltjugendtag wird 2011 in Madrid stattfinden.

Vom Papstbesuch enttäuscht waren am Sonntag die meisten australischen Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche - obwohl der Heilige Vater das Leid der Betroffenen am Samstag anerkannt hatte. "An diesem Punkt möchte ich innehalten, um die Scham einzugestehen, die wir alle empfunden haben aufgrund des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen durch einige Kleriker und Ordensleute in diesem Land. Diese Vergehen, die einen so schweren Vertrauensbruch darstellen, verdienen eine eindeutige Verurteilung", meinte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Opferverbände kritisierten die Aussage als ungenügend. "Eine Entschuldigung ist nicht genug. Opfer wollen Taten, keine Worte", erklärte eine Sprecherin der Gruppe Broken Rites.

Betroffene werfen der katholischen Kirche in Australien vor, sich mit allen Mitteln gegen die Verantwortung zu wehren und so eine wirkliche Wiedergutmachung zu verhindern. Sie fordern andauernde psychologische Unterstützung und eine substanzielle finanzielle Abfindung. Tausende von Kindern, aber auch Erwachsene sind in den zweihundert Jahren seit der europäischen Besiedlung Australiens Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester und katholische Lehrkräfte geworden. Nur 107 Täter wurden verurteilt.

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