Die Buchmesse im digitalen Zeitalter: Coelho keine Angst vor dem Internet

Das Internet ist nicht der Feind von Autoren und Verlegern, so Paulo Coelho. Der brasilianische Bestsellerautor stellt seine Bücher regelmäßig zum kostenlosen Download ins Netz.

Paulo Coelho auf myspace.com: Immer im Kontakt mit den Lesern bleiben. Bild: screenshot: myspace.com/paulocoelho

Schriftsteller und Verlage sollten das Internet nicht als ihren Feind betrachten, sagte Bestsellerautor Paulo Coelho in einer Rede zu Beginn der Frankfurter Buchmesse. Das Netz sei für Autoren keine Bedrohung, sondern eine globale Werbeplattform.

Coelho verglich die Situation heute mit den Anfangstagen des Buchdrucks im Zeitalter von Gutenberg. Auch damals habe eine neue Technologie die Zirkulation von Ideen befördert. Allerdings seien die Kosten zur Verbreitung von Inhalten weiterhin relativ hoch geblieben. Im Internet sieht Coelho nun eine Technologie, die die Kosten zur Produktion und Distribution kreativer Ideen praktisch auf Null senken kann. Die Folgen betreffen aber nicht nur den Geldbeutel der Produzenten, sondern auch das Verhältnis von Autor zu Publikum: "Die Leser sind keine rein passiven Empfänger mehr. Sie haben die Chance, eine aktivere Rolle zu spielen."

Coelho unterhält einen Weblog und hatte im vergangenen Jahr die Nutzer seiner Website aufgefordert, sein Buch "Die Hexe von Portobello" zum Film umzuarbeiten. Dabei kamen 14 Kurzfilme heraus. "Das Internet hat mich gelehrt, keine Angst davor zu haben, Ideen auszutauschen und andere dazu zu motivieren, ihre Ideen kundzutun."

Coelho berichtet, wie vor zehn Jahren seine schleppenden Verkäufe in Russland steil anstiegen, bis eine digitale Raubkopie von Der Alchimist im internet auftauchte. Daraufhin seien innerhalb kürzester Zeit die Verkaufszahlen in dieser Region explodiert. Bis heute habe er zehn Millionen Exemplare dort abgesetzt.

Die Buchbranche forderte er auf, nicht die selben Fehler wie die Musik- und Filmindustrie zu begehen, die sich anfangs gegen eine Öffnung zum Internet hin gewehrt haben. Mittlerweile habe man in diesen Branchen jedoch umgeschwenkt und Strategien entwickelt, das Internet zu seinem Vorteil zu nutzen.

Den anwesenden Branchenvertretern machte Coelho den provokanten Vorschlag, sämtliche digitale Inhalte zu verschenken. Entgegen dem, was der gesunde Menschenverstand einem rate, sei das vermutlich der profitablere Weg: "Je mehr man gibt, desto mehr gewinnt man." Und er ergänzte: Der gesunde Menschenverstand ist im Buchgeschäft ohnehin kein guter Ratgeber - ansonsten hätten Verleger, Buchhändler und Autoren sich vermutlich ohnehin einen einträglicheren Job ausgesucht.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de