Skispringer hoffen auf gute WM: Seriöse Hupfer

Wolfgang Schuster soll die deutschen Skispringer an die Weltspitze zurückführen. Zumindest den Glauben, dass das Tal durchschritten ist, gibt er ihnen zur heute beginnenden WM mit.

Mal wieder der Hoffnungsträger: Skispringer Martin Schmitt. Bild: reuters

Ziel seiner Bemühungen in diesem ersten Jahr als Cheftrainer der deutschen Skispringer sei es, "bei der WM seriös um eine Medaille mitspringen zu können", hat Werner Schuster stets versichert. Mit dem Adverb "seriös" wollte er beschreiben, dass er die Hoffnung auf eine Medaille nicht formulierte, um überzogene Erwartungen heraufzubeschwören oder sich als überaus selbstbewusster Heilsbringer-Trainer zu profilieren. Schuster wollte sagen: Wenn alles passt, ist eine Medaille drin, weil die Mannschaft und er auf dieses Ziel hinarbeiten. Mehr zu fordern, wäre vermessen. Denn er hat im April vergangenen Jahres ein verunsichertes Häuflein Springer übernommen. Deutschland, einst Maß aller Dinge im Sprungsport, soll wieder eine große Nummer werden, lautet Schusters Aufgabe, die sich nicht in wenigen Monaten erfüllen lässt. Immerhin: "Wir haben die Talsohle hoffentlich durchschritten", sagt Thomas Pfüller, Generalsekretär des Deutschen Skiverbandes (DSV).

Die Weltmeisterschaften im Skilanglauf, Skispringen und in der Nordischen Kombination finden vom 19. Februar bis zum 1. März im tschechischen Wintersportort Liberec statt. Zum ersten Mal in der Geschichte des nordischen Wintersports springen auch Frauen um einen Weltmeistertitel. Die Titelkämpfe beginnen am Donnerstag mit dem Langlaufwettbewerb der Frauen über 10 Kilometer (klassisch). Nicht dabei sein darf dabei die Schwedin Britta Norgren. Am Mittwoch wurde sie wegen zu hoher Hämoglobinwerte mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt.

2005 gab es bei der WM in Oberstdorf mit Team-Silber von der Normalschanze den bislang letzten Erfolg bei einem Großereignis zu feiern. Und auch diese Medaille trug irgendwie den Geist des glücklichen Zufalls in sich. Die deutschen Skispringer waren jahrelang schwach unterwegs. Und als Michael Uhrmann sich vor zwei Jahren vor der WM in Sapporo einer glänzenden Form annäherte mit einem Weltcupsieg und Podestplätzen, stürzte er als Mitfavorit beim Training in Sapporo so schwer, dass er mit einer kapitalen Fußverletzung die Rückreise antreten musste.

Jetzt, im Jahr 2009, haben Schuster und seine Schützlinge schon ein paar Achtungserfolge gefeiert. Martin Schmitt ist Fünfter im Gesamtweltcup, drei dritte Plätze hat er schon errungen. Nach Jahren im Mittelmaß sind das schöne Resultate für ihn. Aber springt er gut genug, um auf Normal- oder Großschanze unter die ersten drei zu gelangen? Zu stark scheinen die Österreicher um Seriensieger Gregor Schlierenzauer und Vierschanzentourneesieger Wolfgang Loitzl zu sein, auch der Schweizer Simon Ammann zählt zum Favoritenkreis. Dazu die rechtzeitig zur WM erstarkten Norweger und Finnen - auch im Mannschaftswettbewerb werden es Schmitt und seine Kollegen schwer haben.

Zwar versichert Schuster: "Wir sind stark genug, aus eigener Kraft Edelmetall gewinnen zu können", aber man hat wenig erfreuliche Tage hinter sich. Die Teamtour, die eine Woche lang von Willingen nach Klingenthal und schließlich nach Oberstdorf führte, verlief durchwachsen, vor allem beim abschließenden Skifliegen wünschte man Schmitt und Kollegen eher einen geruhsamen Erholungsurlaub als eine anstrengende WM, so mäßig waren die Ergebnisse - wenn auch freilich der Wind gehörig mitmischte im nicht wirklich regulären Wettkampf. Aber Schuster fand sowieso viel wichtiger, dass Michael Uhrmann wieder fit ist und ohne gesundheitliche Beschwerden nach Liberec reisen kann. Neben Schmitt, Uhrmann, Michael Neumayer und Stephan Hocke hat Schuster auch den jungen Felix Schoft nominiert für die WM. Und da war ja auch noch Martin Schmitts vierter Platz von Klingenthal - deshalb sagt der 31-Jährige: "Ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten und freue mich, wenn es endlich mit den Weltmeisterschaften losgeht."

Diese Töne, hoffnungsvoll, mit der richtigen Mischung aus Selbstbewusstsein und Demut vor den großen Aufgaben, hat man aus dem deutschen Team auch bereits vor der Vierschanzentournee gehört - und Schmitt hat damals Wort gehalten und es zum Vierten der Gesamtwertung gebracht. Er wird auf seine Chance hoffen, bei dieser WM 2009, zehn Jahre nach jenen Titelkämpfen, die ihn zum ersten großen Star des Schanzensports machten: 1999 holte sich Schmitt in Bischofshofen den Einzeltitel von der Großschanze und zusammen mit den Kollegen auch noch Teamgold. Zwei Jahre später in Lahti gelang ihm die Wiederholung des Triumphs. Und jetzt, so viele Jahre nach diesen goldenen Momenten, nach den Enttäuschungen, als andere plötzlich weiter und besser sprangen als er und er trotzdem nicht aufgab und nun wieder einen Aufwärtstrend verspürt? Die Aussicht auf eine Teammedaille hält Schmitt jedenfalls für ziemlich "realistisch".

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