Designierter Bahn-Chef Grube: Gewerkschaften stellen Signal auf grün

Mehr Service, kein Börsengang, Aufklärung allüberall: Womit Noch-Daimler-Manager Rüdiger Grube die Arbeitnehmervertreter für sich gewann.

Rüdiger Grube zieht sich erst mal warm an, bevor er sich den Gewerkschaften stellt. Bild: dpa

BERLIN taz Noch etwas unsicher drängelte sich der designierte Bahnchef Rüdiger Grube durch die Meute der wartenden Kameraleute. Sagen wollte der noch bei Daimler engagierte Manager nichts. "Die Gespräche sind sehr gut verlaufen", merkte der 57-Jährige dann wenigstens an und verschwand.

Zuvor hatte Grube zwei Stunden lang den beiden großen Bahngewerkschaften Transnet und GDBA Rede und Antwort gestanden. Die Arbeitnehmer machten ihre Zustimmung zur Berufung des neuen Vorstandschefs durch den Aufsichtsrat von diesem Gespräch abhängig. "Herr Grube hat die Bewerbung bestanden", stellte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel fest. Damit kann der gebürtige Hamburger im Mai wohl seine Arbeit im Bahntower aufnehmen.

Auch die künftige Geschäftspolitik der Bahn gewinnt Konturen. In einem Memorandum haben sich der Bund und die Gewerkschaften auf wesentliche Eckpunkte geeinigt, die Grube mittragen will. Der Service solle verbessert und die Kunden zufriedener werden, sagte der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner. Das bedeutet zwangsläufig, dass künftig wieder mehr in Deutschland investiert wird. International will der Konzern zwar weiter mitspielen. Mit der zuletzt forcierten Expansionsstrategie ist es aber wohl vorbei.

Auch private Investoren werden nicht mehr gesucht. "Der Börsengang in dieser Form wird nicht fortgeführt", stellte Kirchner fest. Grube sehe dies auch bestenfalls als eine Option für fernere Zeiten an.

Geklärt ist auch, dass der Konzern als Ganzes erhalten wird. Immer wieder wurden die Trennung von Netz und Betrieb oder der Verkauf der Logistiksparte diskutiert. Nun bekennt sich der Bund als Eigentümer zum integrierten Konzern. Für die Arbeitnehmer ist dies besonders wichtig, weil so der unternehmensinterne Arbeitsmarkt erhalten bleibt, ohne den es in Teilbereichen wohl zu Kündigungen kommen müsste.

Zunächst will Grube nach Angaben der Gewerkschaften die intern noch anstehenden Hausaufgaben lösen. "Er versucht, die Datenaffäre völlig aufzuklären", versicherte Kirchner. Die verdeckte Überprüfung von Mitarbeitern und Lieferanten sowie die Durchforstung von E-Mails nach verdächtigen Empfängern hatten den scheidenden Bahnchef Hartmut Mehdorn am Ende den Job gekostet. Bis Mitte Mai sollen die Schnüffelaktionen nun vollends aufgeklärt und die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

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