Wechselgerüchte in Bremen

Werders Wechsel

Gerüchte machen in Bremen die Runde: Geht Diego zu Juventus, und kommt Kuranyi als Ersatz für den Sperre-bedrohten Claudio Pizarro zu den Grün-Weißen?

Wird in Bremen nicht gerade sehnlich erwartet: Schalke-Stürmer Kuranyi. Bild: reuters

BREMEN taz "The Brain" hat es mal wieder gewusst. Hinter dem Pseudonym im Forum von Werder Bremen verbirgt sich jener gut informierte Insider, der seit Jahren via Internet die neuesten Personalspekulationen anheizt. Und der allwissende User ist offenbar vereinsintern mit so zuverlässigen Quellen vernetzt, dass die Trefferquote beachtlich ist. Sein neuester Coup: die Enthüllung des Bremer Interesses an Kevin Kuranyi. Auch der kicker will nun erfahren haben, dass der ausgebootete 52-malige Nationalspieler auf Werders Wunschliste für die neue Saison steht. Der 27-Jährige besitzt zwar auf Schalke noch einen bis 2010 datierten Vertrag, steht aber zum Verkauf: Angeln sich die Grün-Weißen nach Boenisch und Özil den dritten Schalker? An der Weser wird darüber leidenschaftlich debattiert. Mehr als 23.000 Einträge gab es bis gestern dazu auf der Vereinshomepage - viele lehnen diesen Deal ab.

Die Vereinsführung der Hanseaten tat vor dem Uefa-Cup-Viertelfinale gegen Udinese Calcio (20.45 Uhr) das Übliche: "Kein Kommentar", hieß es aus der Pressestelle. Dafür redete Kuranyi-Berater Roger Wittmann: Vom Interesse Werders habe er gehört, halte den Wechsel aber für wenig wahrscheinlich. Doch Bremens Vorstandschef Klaus Allofs ist mitunter für eigenwillige Personalentscheidungen bekannt, der Kauf Özils wurde einst harsch kritisiert, heute ist der Ex-Gelsenkirchener ein Hoffnungsträger. Und erster Anwärter auf die Diego-Nachfolge.

Denn eines ist klar: Der Coup mit Kuranyi würde nur klappen, wenn wie erwartet Spielmacher Diego am Saisonende für großes Geld veräußert würde. Sowohl Ablöse und Gehalt für Kuranyi würden in der Summe wohl mehr als 10 Millionen Euro kosten. Sich um einen Stürmer zu bemühen ist sinnvoll, weil keiner weiß, was aus Claudio Pizarro wird. Dem 30-Jährigen, Bremens besten Torschützen, droht wegen der Finanzaffäre seines Beraters Carlos Delgado eine Fifa-Sperre. Seine Weiterverpflichtung gilt - auch wegen immenser Gehaltsforderungen - intern als genauso unwahrscheinlich wie ein Verbleib Diegos, sollte Werder das internationale Geschäft verpassen.

Diego, der in 30 Pflichtspielen schon wieder 14 Tore und 9 Vorlagen beisteuerte, hat ja auch längst seine Sprachregelung den neuen Gegebenheiten angepasst. Redete Diego, 24, lange Zeit davon, den bis 2011 laufenden Vertrag erfüllen zu wollen, ist der Duktus nun verändert. Am Saisonende, so Diego kürzlich, gebe es beide Möglichkeiten: "Entweder ich bleibe oder ich gehe. Jetzt ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu reden." Dem Vernehmen nach hat Allofs mit Diego und seinem beratenden Papa Djair da Cunha ein Stillhalteabkommen geschlossen - alle Wechselgelüste sollen erst nach Saisonende artikuliert werden. Doch verhindern lässt sich nicht, dass der brasilianische Genius immer häufiger mit Juventus Turin in Verbindung gebracht wird. Dass Diego die Serie A als attraktives Ziel ausgelotet hat, ist bekannt. Zumal einige italienische Ahnen im Familienstammbaum zu finden sind. Die Turiner fahnden nach einem jungen Nachfolger für den Strategen Pavel Nedved, 36. "Dafür kalkulieren wir mit mindestens 20 Millionen Euro", sagt Juve-Manager Jean-Claude Blanc. Es ist genau die Summe, die an der Weser als Schmerzgrenze gilt.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de