Schwedischer Boykott wegen "Filmzensur": Dole gibt klein bei

Die Klage gegen eine konzernkritische Doku zieht der US-Konzern auf Verbraucherdruck zurück. In der beklagten Doku war über den Einsatz des verbotenen Pestizids DCBP berichtet worden.

Auf einer Dole-Plantage – nicht allen geht's da so gut wie diesem Papp-Kameraden. Bild: uzvards - Lizenz: CC-BY-SA

STOCKHOLM taz | Es begann mit einem einzelnen Kunden eines Hamburgerrestaurants in Malmö. Der wies einen Fruchtsalat von Dole mit der Begründung zurück, dass der US-Multi einen Dokumentarfilm zensieren wolle. Die Restaurantkette reagierte sofort und nahm Dole-Produkte aus dem Angebot. Medienberichte darüber veranlassten die größte schwedische Lebensmittelkette, "Gespräche" mit Dole anzukündigen. Nun gab der große Fruchtkonzern klein bei.

Vergangene Woche teilte Dole-Vizepräsident C. Michael Carter mit, der Konzern ziehe die Klage gegen den schwedischen Dokumentarfilmregisseur Fredrik Gertten und seinen Filmverleih zurück, die er im Sommer vor einem US-Gericht eingereicht hatte.

In der 55-seitigen Klageschrift hatte es geheißen, Gertten habe mit seinem Film "Bananas!" die Ehre der Dole Food Company und ihrer 75.000 Beschäftigten gekränkt und die Geschäfte beschädigt. "Bananas!" zeigt die Bananenindustrie in Nicaragua und den Kampf von Landarbeitern.

Diese klagen die Dole Food an, das seit einigen Jahren verbotene Schädlingsmittel DBCP angewandt zu haben - mit der Folge, dass sie steril geworden seien. Sechs Arbeiter gewannen 2007 einen Schadenersatzprozess. Allerdings wurde das Urteil von einem Berufungsgericht wieder aufgehoben.

Dole warf dem Regisseur nun vor, eine "falsche Geschichte" zu erzählen. "In meinem Film geht es nicht darum, wer gewinnt", sagt Gertten. "Ich wollte einen zwanzig Jahre langen Rechtsprozess dokumentieren."

Vor den Drohungen der Dole-Anwälte kuschten im Juli die Veranstalter eines Dokumentarfilmfestival in Los Angeles. Sie nahmen den Film aus dem Wettbewerb. In Schweden gingen die Dole-Attacken dagegen nach hinten los. Der Film ist gerade in den Kinos angelaufen - und als Demonstration für das Recht auf Meinungsfreiheit organisierte der Kulturausschuss des schwedischen Parlaments eine Vorabaufführung.

"Fantastisch", kommentiert Gertten Doles Rückzug: "Aber sie machen es nur wegen des aufgebauten Drucks." Der Verzicht auf die Klage wurde an dem Tag bekannt gegeben, als Dole-Vertreter in Stockholm Repräsentanten von schwedischen Lebensmittelketten und des Kultusministeriums treffen sollten.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de