Medienmogul erwägt Google-Boykott: Murdoch-Drohung bewegt das Web

Pressemogul Rupert Murdoch hat damit gedroht, seine Medien aus Googles Index zu nehmen. Im Netz wird darüber spekuliert, dass er sich Microsoft zuwenden könnte.

Bashing gegen das wilde Web: Rubert Murdoch. Bild: dpa

BERLIN taz | Als Rupert Murdoch, seines Zeichens mächtiger Boss des weltweiten Medienkonglomerats News Corporation, vor nicht ganz zwei Wochen in einem Interview mit dem zu 33,3 Prozent in seinem Besitz befindlichen Sender "Sky News Australia" über das Internet sprach, rieb sich die Netzwelt erstaunt die Augen.

Der 78-jährige Mogul setzte nicht nur zum üblichen Bashing auf das wilde Web an, das ihm und anderen traditionellen Medienunternehmen die Gewinne schmälert, sondern stieß auch eine ernsthafte Drohung aus: Es sei durchaus vorstellbar, sagte er, dass man seine Medien künftig aus dem Index von Suchmaschinen wie Google herausnehme. Als Beispiel nannte er das "Wall Street Journal", dessen wichtigste Inhalte hinter einer Bezahlmauer verschwänden. Internet-Konzerne müssten vom "Diebstahl" der von News Corp. "teuer produzierten Nachrichten" gehindert werden.

Im Netz sorgten Murdochs Aussagen überwiegend für Unverständnis. "Murdoch hat bis vor einem Jahr Google noch gar nicht genutzt", sagte etwa sein Biograf Michael Wolff. Für ihn steht fest, dass "Rupert damit seinen Krieg mit dem Internet fortsetzt". Tatsächlich machte die Netzstrategie des Australo-Amerikaners in den letzten Jahren wilde Sprünge: Zunächst freute er sich über den Kauf des sozialen Netzwerks MySpace im Juli 2005 für "ein Schnäppchen" von 580 Millionen Dollar, hält den Social Networking-Sektor nun aber für überbewertet.

Als Murdoch 2007 schließlich das Wall Street Journal kaufte, wollte er die dort seit Jahren erfolgreich funktionierende Paid-Content-Strategie aufbrechen und im Sinne des damaligen Web-2.0-"Alles muss frei sein"-Hypes komplett kostenlos und werbefinanziert anbieten. Inzwischen setzt er, wie andere kriselnde Medienkonzerne auch, wieder auf eine Bezahlstrategie.

Tatsächlich würde eine Herausnahme von Zeitungen wie dem Wall Street Journal, der New York Post oder der Times aus London aus Googles Ergebnislisten den Medien erst einmal massive Lesereinbrüche bescheren. So kommt beim Wall Street Journal laut Zahlen des Web-Statistikunternehmens Hitwise allein bis zu 25 Prozent des monatlichen Datenverkehrs von der Suchmaschine.

Macht Murdoch hier dicht, würde dies zu einem Einbruch bei den Werbeverkäufen führen, die aufgrund der Paid-Content-Strategie sowieso schon geringer sind als bei freien Medien. Kein Wunder, dass auch deutsche Verlage stets Google in Sonntagsreden als gefährlichen Schmarotzer bezeichnen, gleichzeitig aber niemals auf die Idee kommen würden, sich aus dem Angebot zu verabschieden - sie würden massiv Leser verlieren, die durch die Suchmaschine anrollen.

Es gibt aber auch Beobachter, die hinter Murdochs Ausbruch eine Strategie sehen. "Brillante Idee", schrieb etwa der Web 2.0-Unternehmer Jason Calacanis, der 2005 ein Weblog-Netzwerk an den Online-Dienst AOL verkaufte und heute eine redaktionell bearbeitete Suchmaschine ("Mahalo") betreibt. In einem viel beachteten Blogposting beschrieb der im Silicon Valley als Start-up-Promi geltende New Yorker einen Plan, "wie man Google töten" könnte.

Die Idee, die auch der viel gelesene Web 2.0-Blogger Michael Arrington für durchsetzbar hielt, sieht so aus: Die Verlage wenden sich von Google ab und gehen zu einem anderen großen Anbieter, der sie künftig exklusiv durchsuchen darf. "Das würde Google mindestens 10 Prozent Suchmaschinen-Datenverkehr kosten", so Calacanis. Als möglichen Interessenten hat der Unternehmer bereits Microsoft und dessen mit großem Tamtam eingeführte neue Suchmaschine Bing ausgemacht: Die könnte den Verlagen dann beispielsweise anbieten, einen hohen Anteil an den mit den Links zu Verlagsinhalten verdienten Werbeeinnahmen zu erhalten.

Jeff Jarvis, Medienberater, Web-2.0-Guru und bekennender Google-Fan, sieht die Strategie dagegen als nicht durchsetzbar an. Dazu nannte er Zahlen des Marktforschungsunternehmens The Reach Group, das kürzlich prüfte, was passieren würde, wenn die deutschen Verlage auf Murdochsche Ideen kämen. Immerhin fünf Prozent der Verlagsangebote tauchen demnach bei häufig vorkommenden Suchangaben direkt auf der ersten Google-Seite auf. Würden diese verschwinden, würde es enorm viel Traffic kosten.

Neben dem Disput um die von der Suchmaschine erfassten Inhalte streiten sich die großen Medienkonzerne derzeit noch auf einem anderen Gebiet mit Google: Bei den Buchrechten und der Buchsuchmaschine Google Books. Zumindest deutsche Titel sollen nun zu großen Teilen dort nicht aufgenommen werden.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben