Google bastelt sich neues Nachrichtenformat: Geschichten im Wandel

Google-Managerin Marissa Mayer findet, dass News im Web nicht zu kleinteilig sein sollten, sondern sich ständig wandeln müssten. Eine neue experimentelle Technik soll helfen.

Seit Dienstag kann "Google Living Stories" ausprobiert werden. Bild: ap

Als im letzten Mai vor einem Ausschuss des US-Senats darüber diskutiert wurde, wie es in Zukunft mit dem Journalismus weitergehen sollte, war auch Google-Managerin Marissa Mayer dabei.

Die Vizepräsidentin ist unter anderem für die äußerst wichtige Suchfunktion des Internet-Giganten verantwortlich, kümmert sich aber auch um zahllose andere Projekte. Vor den Politikern gab sie unter anderem zu Protokoll, dass die aktuelle Arbeitsweise von Web-Journalisten zu wenig Internet-like sei – so lieferten sie Artikel nach Artikel, böten aber noch zu wenig Einordnung in einen Gesamtkontext.

Dieses Problem soll nun mit einer neuen Funktion bei Google gelöst werden, die Geschichten auf eine einzige Seite einsortiert und es möglich macht, Nachrichten regelmäßig mit neuen Updates zu versehen und alle Beiträge zentral zusammenzufassen.

Im Rahmen der "Google Labs", der Web-Experimentierstube des Internet-Konzerns, wurde das Format mit Namen "Living Stories" nun erstmals umgesetzt und kann von Interessierten seit Dienstag ausprobiert werden.

Die aktuellen Beispielinhalte stammen von den renommierten Blättern "New York Times" und "Washington Post", die auch offizielle Projektpartner sind. Begutachtet werden können derzeit allerdings nur acht Themenblöcke, die vor allem US-nah sind: Der Kampf um Obamas Gesundheitsreform, die Diskussion um Managergehälter bei großen amerikanischen Konzernen, der Krieg in Afghanistan oder auch eine Lokalgeschichte, bei der es um Probleme im Schulsystem der US-Hauptstadt geht.

Wirklich übersichtlich sind die lebendigen Geschichten allerdings nicht. Während traditionelle Einzelartikel von jedem Nutzer sofort verstanden werden, gibt es hier viel zu klicken und zu entdecken. Eine Kurzeinführung samt Zeitleiste mit den wichtigsten Ereignissen bildet den Einstieg, dann folgen einzelne Beiträge, die man auf Wunsch in voller Länge aufrufen kann.

Außerdem lassen sich verschiedene Inhaltegattungen aktivieren – Zitate, beispielsweise, aber auch Bilder, Infografiken und Videos. Selbst eine Gewichtung lässt sich vornehmen: Ein Klick auf "Nur das Wichtigste" blendet Zusatzinformationen auf Wunsch aus. Außerdem merkt sich die Seite, was man bereits gelesen hat und graut diese Elemente dann aus. Das kann allerdings schnell dazu führen, dass man später nicht mehr findet, was man noch vor Stunden gelesen zu haben glaubte.

Damit die "Living Stories" funktionieren, muss eine Redaktion mit Google zusammenarbeiten. Der Internet-Konzern verspricht entsprechende Werkzeuge, zu einem entsprechenden Rollout, z.B. auch international, machte er bislang aber noch keine Angaben. Dazu müsste das neue Format auch erst einmal die Google-Labors verlassen. Derzeit tauchen die lebendigen Geschichten nicht in regulären Suchergebnissen auf.

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