Qualifikation zum Afrika-Cup: "Wichtiger als die WM"

16 Mannschaften spielen ab Sonntag um die Afrikameisterschaft. Mehr als die Hälfte sehen sich selbst als Titelanwärter. Für die Elfenbeinküste wird es knapp.

Didier Drogba von der Elfenbeinküste beim Sieg gegen Guinea im Viertelfinale. Bild: dpa

KÖLN taz In Afrika gibt es stets besonders viele Verlierer. Diese Erkenntnis lässt sich auch auf sportliche Wettbewerbe ausweiten. Schon jetzt ist sicher: Der Afrika-Cup, der am Sonntag mit der Partie zwischen Gastgeber Angola und Malawi beginnt (20 Uhr, live auf Eurosport), wird zahlreiche Nationen in einen Zustand der Fußballdepression stürzen. Mindestens die Hälfte der 16 Teilnehmer tritt mit dem Ziel an, das Turnier zu gewinnen. Regierungen forcieren diese Hoffnungen, die Erwartungen in den Ländern sind enorm. "Vom Kind bis zu jedem Opa und jeder Opa erwarten die Leute von uns einen großen Erfolg", sagt etwa der Algerier Karim Matmour, der für Borussia Mönchengladbach spielt. Bei den stark besetzten Maliern, den Fußballgiganten Kamerun, Ghana, Nigeria, Ägypten und Tunesien wurde dasselbe Ziele formuliert, und natürlich liebäugelt auch Gastgeber Angola mit dem Titel.

Ganz besonders unter Druck stehen allerdings die brillant besetzten Ivorer. "Mit dieser Generation nichts zu gewinnen, wäre eine wirkliche Verschwendung", sagt Routinier Didier Zokora. Immer noch schmerzen die Erlebnisse der Afrikameisterschaften von 2006 und 2008. In beiden Turnieren avancierte die Elfenbeinküste zum Titelanwärter, schied dann aber gegen den späteren Sieger Ägypten aus. "Diesmal ist das Ziel völlig klar: Wir wollen den Afrika-Cup gewinnen", erklärt Guy Demel vom Hamburger SV. Didier Drogba behauptet gar, für ihn sei "der Afrika-Cup bedeutsamer als eine Weltmeisterschaft". Der Superstar von FC Chelsea hat angekündigt, künftig keine Kontinentalmeisterschaften mehr zu spielen, nach der WM im Sommer steht die wohl beste afrikanische Mannschaft aller Zeiten vor einem personellen Umbruch. Ohne Titel will die goldene Generation sich aber keinesfalls verabschieden.

Allerdings haben die Ivorer eine Gruppe erwischt, von der es nach der Auslosung schnell hieß, es sei die schwerste, die es je bei einem Afrika-Cup gegeben habe. Mit Togo, Ghana und der Elfenbeinküste treffen hier gleich drei der fünf afrikanischen WM-Teilnehmer von 2006 aufeinander. Togo ist allerdings stark abhängig von Emanuel Adebayor, dem Superstar, der bei Manchester City unter Vertrag steht. Und Ghana wird von heftigen Verletzungssorgen geplagt.

Hans Sarpei, der ghanaische Routinier aus Leverkusen, sagt deshalb: "Ich kann die Stärke unserer Mannschaft überhaupt nicht einschätzen, viele Spieler kenne ich gar nicht." Die Stammspieler Stephen Appiah (FC Bologna), Laryea Kingston (Heart of Midlothian), John Mensah (FC Sunderland), Prince Tagoe (TSG Hoffenheim), Sulley Muntari (Inter Mailand), John Paintsil (FC Fulham) fehlen dem deutschen WM-Gegner, "dafür werden einige Jungs dabei sein, die im Herbst mit der U20 Weltmeister geworden sind, das wird auch interessant", sagt Anthony Baffoe, Ghanas Teammanager. Doch sowohl an der Elfenbeinküste als auch in Ghana ist die Gefahr groß, dass ein Misserfolg beim Afrika-Cup die Stimmung vor der WM empfindlich eintrübt.

Wie immer droht nach dem Turnier eine Welle von Trainerentlassungen. "Natürlich wäre es traurig, wenn wir das Turnier nicht gewinnen", sagt Demel, "aber ich hoffe sehr, dass dann nicht gleich der Trainer entlassen wird, das wäre ziemlich chaotisch, man kann nicht ein paar Monate vor der WM alles umwerfen." Für die fünf WM-Teilnehmer (Südafrika hat die Qualifikation fürs Kontinentalturnier verpasst) geht es also auch darum, eine gute Grundlage für die WM zu erarbeiten. Nach dem Afrika-Cup wird sich zeigen, ob die Nationalverbände und die Sportminister des Kontinents etwas professioneller agieren als in der Vergangenheit.

Sehr wahrscheinlich ist das aber nicht. So werden in Nigeria schon jetzt allerlei Namen für eine Nachfolge von Trainer Shuaibu Amodu diskutiert. Im Herbst soll der Verband bei Roberto Mancini angefragt haben, derzeit kursiert das Gerücht, der Türke Fatih Akim werde die Super Eagles übernehmen. Dass Amodu mit seiner eher mäßig besetzten Mannschaft den gewaltigen Erwartungen im eigenen Land gerecht werden kann, ist ziemlich unwahrscheinlich. Auch in Nigeria "wollen die Leute nichts anderes, als dass wir dieses Turnier endlich wieder gewinnen", sagt Obafemi Martins vom VfL Wolfsburg.

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