Konstanz-Tatort im Ersten: Keine Dose Bohnen

Die Adaption eines wilden Westerns missglückt der ARD gründlich. Der Konstanzer Tatort besticht durch abstruse Handlungen und Kommunikationsdesaster. (So, 20.15 Uhr, ARD)

Waffenhändler Meiners (Michael Brandner) hofft auf seine Befreiung, doch stattdessen wird er beschossen. Bild: swr/peter hollenbach

Der Bandit sitzt siegesgewiss mit Handschellen auf der Rückbank. Bald werden ihn seine Kumpane, die den Gefangentransport verfolgen, befreit haben. Es geht über verschneite Pässe und durch unebenes Gelände. Hilfe für die überforderten Gesetzeshüter ist nicht in Sicht. Das Büro des nächsten Sheriffs befindet sich meilenweit entfernt und die Verfolger greifen zu äußerst brutalen Methoden, um ihren "partner in crime" den Händen des Gesetzes zu entreißen.

Nein, die Rede ist hier nicht von einer Gefangenen-Eskorte durch die Rockys im vorletzten Jahrhundert, sondern von der Überführung eines dingfest gemachten Waffenhändlers aus der Schweiz in die Bundesrepublik im Jahr 2010. Wie einen Western aber haben die Macher des "Tatorts“ aus Konstanz die Episode „Der Polizistinnenmörder“ (Regie: Florian Froschmeyer, Buch: Leo P. Ard) angelegt. Das heißt: Wo einst Gary Cooper, James Stewart oder Van Heflin unbeirrbar auf dem Kutschbock der Übermacht der Banditen trotzten, da trickst im trüben Nirgendwo nördlich des Bodensees Eva Mattes als Kommissarin Blum die Gangster aus.

Hier soll also ein von allen Schnörkeln befreiter, klassischer Eskort-Western in Stile von Delmer Daves‘ „3:10 to Yuma“ in die Jetztzeit transportiert werden. Die Sache hat nur einen Haken: Bei der Übersetzung der Handlung vom einsamen Colorado oder Louisiana ins nicht ganz so einsame deutsch-schweizerische Grenzgebiet ist die Plausibilität auf der Strecke geblieben. Denn kaum haben Blum und ihr freundlicher Thurgauer Kollege Reto Flückiger (Stefan Gubser) den Waffenhändler Meiners (Michael Brandner) auf den Rücksitz verladen, häufen sich vollkommen an den Haaren herbeigezogene Autopannen und Kommunikationsdesaster.

Statt strenger Reduktion, wie sie eben Genreperlen wie „3:10 to Yuma“ auszeichnet, gibt es hier nur wirre Emotion. Schon der Anfang ist eine Zumutung: Da klagt Ermittlerin Blum ihrem einfühlsamen Kollegen Flückiger gegenüber im Restaurant ihre Schuldgefühle, die sie wegen eines Mordes an einer jungen Polizistin hat – um danach fröhlich wie ein Scheunendrescher vor dem Erntedankfest über ihr Essen herzufallen.

Nein, auch das Schmausen ist beim Escort-Schocker im Wilden Westen verpönt. Entschuldigung Frau Kommissarin, aber mehr als ne Dose Bohnen ist bei dieser asketischsten aller Western-Spielarten einfach nicht drin.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de