Junge Flüchtlinge in Bremen: Familie statt Drogenhandel

Bremen will die Lage von minderjährigen Flüchtlingen verbessern. Die Politik erhofft sich davon auch, dass weniger von ihnen in den Drogenhandel einsteigen.

Angekommen im Nirgendwo: minderjähriger Flüchtling in einer Unterkunft in Bremen-Lesum. Bild: Michael Jungblut

Bremen will die Lebensbedingungen und Versorgung von Flüchtlingen verbessern, die alleine als Kinder oder Jugendliche nach Deutschland gekommen sind. Das hat vergangene Woche die Bremische Bürgerschaft auf Antrag der Fraktionen von SPD und Grünen beschlossen.

So sollen die so genannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die zum Teil schwer traumatisiert sind, möglichst nicht in Wohnheimen, sondern in Pflegefamilien untergebracht werden, um die Integration zu erleichtern. Vor allem die Sprache lernen viele auf diese Weise besser, da in den Wohnheimen oft die Jugendlichen eines Herkunftslandes oder einer Sprachgruppe untereinander bleiben.

Neu ist diese Idee allerdings nicht. Das Bremer Jugendamt bemüht sich bereits seit ein paar Jahren darum, diese Forderung des Bremer Flüchtlingsrats zu erfüllen und plant die Einrichtung von fünf Pflegestellen bei eigens für diese Zielgruppe ausgesuchten und geschulten Eltern. Dass bisher nur wenige einen Platz in einer Familie bekamen, liege auch daran, dass sich zu wenig Pflegefamilien die Betreuung zutrauen, sagt Britta Ratsch-Menke vom Flüchtlingsrat.

Wichtig sei in jedem Fall, dass die Jugendlichen sofort, wenn sie hier ankommen, einen persönlichen Ansprechpartner haben, sagt Matthias Westerholt von der Bremer Organisation Fluchtraum. Zum einen könnten damit Fehler in Asylverfahren vermieden werden, sagt Westerholt - und die Chancen steigen, dass die Flüchtlinge nach Erreichen der Volljährigkeit nicht abgeschoben werden. Zum anderen könne so verhindert werden, dass sie ins Drogengeschäft einsteigen. "Immer wieder", so heißt es in einem Bericht für die am Donnerstag tagende Innendeputation des Parlaments, würden "minderjährige Schwarzafrikaner, die vorwiegend in öffentlichen Unterkünften in staatlicher Obhut leben, als Tatverdächtige beim (Straßen-)Handel mit Betäubungsmitteln" auffallen.

Westerholt wundert dies nicht. "Die sind hier völlig fremd, sprechen die Sprache nicht, haben kein Geld, sind durcheinander, weil sie zum Teil wilde Geschichten hinter sich haben - und dann sind sie froh, wenn sie jemand aus ihrer Community treffen, der weiß, wo es lang geht." Der nach seinen Worten "katastrophale Personalschlüssel" in den Unterkünften begünstige eine solche Entwicklung. "Da fehlt einfach jemand, der sie an die Hand nimmt." Diese Ansicht teilt offenbar die Sozialbehörde. "Die soziale Betreuung soll verbessert werden", heißt es in dem Bericht für die Innendeputation.

Positiv beeinflussen könnte eine intensivere Betreuung auch die Schulleistungen. Udo Casper, Sozialarbeiter in der Berufsschule, die fast alle unbegleiteten Flüchtlinge besuchen, räumt ein, dass es für diese Gruppe "unglaublich schwer" ist, sich durch das Schulsystem zu beißen. "Die müssen hier in drei Jahren das schaffen, wofür andere zehn Jahre Zeit haben", sagt er. Und dass nicht alle nach ihren Möglichkeiten gefördert werden könnten. Als Entschuldigung dafür, mit Drogen zu dealen, mag er dies aber nicht gelten lassen. "Manche nutzen einfach nicht die Möglichkeiten, die sie haben."

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