Film "Männer, die auf Ziegen starren": Frieden schaffen ohne Waffen

Vietnamveteranen, Jedi-Soldaten und parapsychologische Tricks - Wenn Krieg ein New-Age-Abenteuer ist, ist der Film "Männer, die auf Ziegen starren" seine logische Folge.

Lyn Cassady (George Clooney, li.) und Kleinstadt-Reporter Bob Wilton (Ewan McGregor, re.). Bild: kinowelt

Ein fensterloser Raum. Drei Männer in Uniform. Eine Ziege. Einer der Männer starrt das Tier an, Schweißperlen treten auf seine Stirn. Die Ziege fällt tot um. Eine Kamera zeichnet das Ereignis auf. Schließlich geht es bei all dem um nichts weniger als die Zukunft der modernen Kriegsführung.

Das erste Opfer des Krieges, heißt es, ist die Wahrheit. Wer das Buch "Männer, die auf Ziegen starren" des britischen Journalisten Ron Jonson gelesen hat, kann ergänzen: die Wahrheit und der gesunde Menschenverstand. In seiner 2004 erschienenen Enthüllungsstory beschreibt Jonson detailliert, wie das US-Militär in den 1970er-Jahren damit begann, Soldaten einer Spezialausbildung zu unterziehen, die zum Ziel hatte, gewöhnliche Rekruten in "Kampf-Mönche" zu verwandeln. Oder, wie sie sich selbst nannten: in Jedi-Ritter. So wie im Film. Nur eben in echt.

Kein Scherz. Oder einer, der so grotesk ist, dass es schon die Armee braucht, um draufzukommen. In geheimen Ausbildungszentren sollten altgediente Vietnamveteranen parapsychologische Tricks zur Stärkung der Kampfkraft erlernen. Jedi-Soldaten, so die Hoffnung, sollten durch Wände gehen können. Den Gegner telepathisch ausspionieren. Unsichtbar werden. Den Feind unschädlich machen, ohne ein Gewehr in die Hand zu nehmen. Frieden schaffen ohne Waffen - näher ist das Militär dem Glaubensbekenntnis des Pazifismus wohl nie gekommen. Nur, dass es dabei den Sinn dieses Credos gründlich missverstanden hat.

Regisseur Grant Heslov hat aus Ronsons Buch einen Spielfilm gemacht. Darin begeben sich ein frustrierter Kleinstadtreporter (Ewan McGregor) und ein ausgemusterter Exsoldat (George Clooney), der behauptet, Teil einer paranormalen Elitetruppe gewesen zu sein, auf eine Odyssee durch die Wirren des Irakkrieges. Wonach genau sie auf der Suche sind, ist weder ihnen noch dem Zuschauer so recht klar. Aber wie man in jedem New-Age-Seminar erfahren kann: Der Weg ist das Ziel. In seinem Bemühen, die abstruse Vorlage in eine bissige Satire auf den Krieg zu verwandeln, überzeichnet Heslov seine Figuren und Situationen bis zur Karikatur. Der Film wird zur Nummernrevue, in der eine spaßige Situation die nächste jagt. Richtig bösartig wird es nie. Die Chance, die paradoxe Begegnung von militaristischem mit esoterischem Gedankengut konsequent durchzuspielen, wird verschenkt: Der postfordistische Supersoldat von heute, der sein volles Potential in selbstorganisierenden Schwärmen entfaltet und die "Revolution in Military Affairs", die Netzwerkphilosophie, flache Hierarchien und ganzheitliche Rhetoriken verbindet. In Heslovs Film bleibt stattdessen alles auf der Ebene eines elaborierten Witzes.

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