Fussball-Bundesliga

In Hannover ist die Hoffnung zurück

Hannover 96 schlägt den Tabellenzweiten Schalke 04 mit 4:2 und schöpft vor den Spielen gegen Bayern und Bayer neue Hoffnung auf den Klassenerhalt.

Das Jubeln haben sie in Hannover noch nicht verlernt. Bild: dpa

Das Lächeln in Martin Kinds Gesicht war verdächtig. Denn es war in den vergangenen Monaten so gut wie nicht vorgekommen, dass der Präsident von Hannover 96 sich unmittelbar nach einem Bundesligaspiel seiner Mannschaft blicken ließ. Er zog sich lieber zurück, ging den unangenehmen Fragen erst einmal aus dem Weg. Niederlagen im Sport verdaut der überaus erfolgreiche Unternehmer aus Großburgwedel besonders schwer. Und davon gab es zuletzt bedrohlich viele. Aber an diesem Samstagnachmittag war alles anders. "Wenn wir diese Leistung in den letzten Spielen bestätigen, haben wir die Möglichkeit, den Klassenerhalt direkt zu schaffen", sagte Kind nach einem aufregenden 4:2 (2:0) des Abstiegskandidaten gegen den erschreckend schwachen FC Schalke 04. Es waren Worte, die nach Zuversicht klangen.

Das galt nicht nur für den Präsidenten, auch den Spielern war die große Erleichterung nach dem überraschenden Sieg vor 49.000 Zuschauern im alten Niedersachsenstadion deutlich anzumerken. "So ausgelassen konnten wir schon lange nicht mehr feiern. Das tut gut", meinte etwa Innenverteidiger Mario Eggimann, der Kevin Kuranyi zuvor neunzig Minuten lang nicht zur Entfaltung hatte kommen lassen. "Die Hoffnung ist da", sagte Linksverteidiger Christian Schulz auf die Frage, was der Erfolg neben den drei Punkten noch bedeute. Es war ebendieses Gefühl, die Zugehörigkeit zur Bundesliga aus eigener Kraft erhalten zu können, das ihnen in der jungen Vergangenheit irgendwie abhanden gekommen war und das sie nun, rechtzeitig vor den schwierigen kommenden Wochen, zurückgewonnen haben.

Das wiederum hatte aber nicht ausschließlich mit dem erfrischenden Auftritt der Gastgeber zu tun. Denn die Abwehrleistung der Gäste hatte mit dem, was man gemeinhin unter diesem Begriff versteht, rein gar nichts gemeinsam. Nach dem Eigentor von Heiko Westermann (17.) war es Nationaltorhüter Manuel Neuer, der nicht nur bei dem nächsten Gegentreffer von Didier Ya Konan (29.) eine ausgesprochen unglückliche Figur machte und maßgeblich dazu beitrug, dass Schalke eine große Möglichkeit leichtfertig vergab. "Wir haben von Beginn an zu wenig gegeben", sagte Felix Magath, der Schalker Trainer, seine Spieler hätten "keinen Siegeswillen auf den Platz gebracht". Eine vernichtende Aussage für eine Mannschaft, die sich nach wie vor berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen kann, der nach zwei Niederlagen in Folge aber wie in den letzten Jahren am Ende die Luft auszugehen droht.

Nur nach dem Seitenwechsel, als Edu (46.) und Ivan Rakitic (52., Elfmeter) zum Ausgleich trafen und die mehr als zehntausend Gäste-Anhänger für einen kurzen Augenblick auf ein gutes Ende hoffen konnten, fand Schalke zu seinem Spiel. "Danach", so Magath, "waren wir aber zu zufrieden."

So eine Bescheidenheit konnte sich die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka, die durch die sehenswerte Direktabnahme von Hanno Balitsch (80.) und einen weiteren Treffer von Ya Konan in der Nachspielzeit zur verdienten Entscheidung kam, nicht leisten. "Wir sind alle froh über die drei Punkte", sagte Slomka. "Aber es reicht noch nicht, um am Ende auch die Klasse zu halten." Denn in den nächsten beiden Spielen geht es hintereinander in München und Leverkusen um die nächsten Schritte. Die Situation ist also auch nach dem viel versprechenden Sieg gegen Schalke ausgesprochen gefährlich. Das weiß keiner besser als Martin Kind, der behauptet: "Emotionen im Fußball habe ich mir aus Selbstschutz abgewöhnt."

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