Rüttgers und die Landtagswahl: Stress bis zum Abwinken

Dubiose Parteienfinanzierung, hohe Arbeitslosigkeit – und jetzt macht Rüttgers auch noch die Griechenland-Krise zu schaffen. Keine guten Voraussetzungen für die Landtagswahl.

Liegt nur noch knapp vor seiner SPD-Herausfordererin: NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. Bild: reuters

KÖLN taz | Augen zu und durch. Keine Woche vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen herrscht Krisenstimmung im Düsseldorfer Regierungslager. Am 9. Mai gehe es um eine "Schicksalswahl", versucht NRW-CDU-Generalsekretär Andreas Krautscheid seine angesichts immer neuer Katastrophenmeldungen tief verunsicherte Parteibasis zu mobilisieren. "Werben Sie per Telefon, SMS, E-Mail bei Verwandten, Freunden und Bekannten", heißt es in seinem Brandbrief. Es gelte, "einen Linksblock aus SPD, Grünen und Linksextremen zu verhindern", sekundiert die FDP in ihrem am Wochenende beschlossenen Wahlaufruf. Koalitionen mit Grünen oder SPD kämen für sie "nicht in Frage".

Ob ihnen das noch etwas nützen wird? Die jüngste Parteienfinanzierungsaffäre der CDU hat die Aussichten auf eine Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition auf ein Minimum reduziert. Jetzt sorgt auch noch die FDP für schlechte Spendenschlagzeilen. Wie aus einer Mitteilung des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert an den Bundestag hervorgeht, erhielten die Freidemokraten im April als einzige Partei eine saftige Spende vom Verband der Metall- und Elektroindustrie NRW in Höhe von 60.000 Euro. "Der Vorgang erinnert an die Spenden kurz vor der Bundestagswahl im letzten Jahr aus Hotel- und Bankenkreisen", kritisiert Reiner Priggen, Vizefraktionschef der grünen Landtagsfraktion. Es sei zu vermuten, dass angesichts der anhaltend schlechten Umfragewerte der Arbeitgeberverband die FDP "mit einer finanziellen Nothilfe im finalen Wahlkampf noch zu unterstützen versucht, während die CDU durch eine dubiose Sponsoring- und Spendenpraxis ins Straucheln gerät."

Hinzu kommen schlechte Meldungen vom Arbeitsmarkt. Laut den jetzt veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hinkt NRW im Vergleich der Bundesländer beim Abbau der Erwerbslosigkeit deutlich hinterher, ist unter den Flächenländern sogar Schlusslicht. Das Image von Jürgen Rüttgers als "Arbeiterführer" bröckelt.

Zu schaffen macht Schwarz-Gelb zudem noch die Griechenlandkrise. Wie aus Regierungskreisen verlautet, bangt das Land um mehr als zwei Milliarden Euro. Die Landesbank WestLB soll sich mit einer Milliarde Euro in Griechenlandanleihen engagiert haben, die NRW-Bank mit 700 Millionen Euro. Hinzu kämen noch 300 Millionen Euro, die Landesfinanzminister Helmut Linssen (CDU) aus dem NRW-Pensionsfonds in Griechenland investiert habe. Es läuft für die amtierende Koalition einfach nicht rund.

Inzwischen scheint es nicht einmal mehr sicher, ob es der CDU gelingt, am 9. Mai vor der SPD ins Ziel zu kommen. Nach der jüngsten Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Bild-Zeitung liegen die Sozialdemokraten mittlerweile mit 35 Prozent gleichauf mit der Union, die damit beinahe zehn Prozent gegenüber der Wahl von vor fünf Jahren verlöre. Auch die Forschungsgruppe Wahlen taxiert die CDU bei nur 35 Prozent. Allerdings liegt hier die SPD mit 33,5 Prozent noch knapp dahinter.

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