Champions-League: Sie bejübelen die Mannschaft

Nach der Champions-League-Niederlage gegen Inter Mailand feiert der unterlegene Finalist Bayern München trotzdem begeistert sich selbst – und das Bleiben von Franck Ribéry.

"Wir aben gestern verloren, aber egal": Franck Ribéry bei seiner Rede vom Münchener Rathausbalkon. Bild: dpa

MADRID/MÜNCHEN taz | Arjen Robben schläft mit offenem Mund, neben ihm schnarcht Giovane Elber, dass es kracht. Mehmet Scholl hat sich an ihn rangekuschelt, nur Alexander Zickler ist schon wach, schaut aber noch sparsam durch die Gegend. Am Morgen danach sieht der FC Bayern nicht gut aus. Zumindest nicht die Fans in den Trikots ihrer Lieblingshelden, die die 0:2-Nacht auf dem harten Boden des Madrider Flughafens verbracht haben. Auch ihre Idole hatten eine mäßig lustige Nacht hinter sich. "Ich dachte, dass ich heute Morgen tot wäre", beschrieb Bayern-Coach Louis van Gaal seinen Aggregatzustand nach der Finalniederlage gegen Inter Mailand. Ein paar Stunden später sah die Welt schon wieder besser aus. "Wir leben wieder", verkündete van Gaal vom Balkon des Münchner Rathauses herab, "durch unsere Fans! Die besten Fans der Welt!"

Der FC Bayern hat das Champions-League-Finale verloren, aber schon wieder Sympathien gewonnen. Mehrere zehntausend Anhänger begleiteten den Autokorso des Teams durch die Münchner Innenstadt und jubelten den Verlierern schließlich auf dem Marienplatz zu. Unzählige Male gab es dieses Prozedere schon, doch selten war es dermaßen gefühlsduselig. Was schon wieder vor allem an van Gaal lag: Am liebsten hätte er die gesamte Veranstaltung abgesagt, wollte dieses Ergebnis nicht feiern. Aber er musste erkennen, dass dieser Klub anders funktioniert. "Diesen Tag werde ich nicht mehr vergessen", sagte der Holländer, "es ist eigentlich schöner als das Meisterfest, weil es so überraschend ist." Und den Fans rief er zu: "Sie waren mental stärker als ich."

Dann kam er zur Abteilung "warmer Mantel". Im wunderbarsten Holländischdeutsch rief er: "Sie bejübelen die Mannschaft - zu Recht. Sie bejübelen mich - zu Recht. Aber Sie müssen auch bejübelen unseren Reha-Trainer! Sie kennen seinen Namen nicht: Darcy Norman!" Und so sprach der noch aus dem Klinsmann-Team stammende Kanadier ein paar Abschiedsworte vom Rathaus-Balkon: "Mia san meine Familie."

Zuvor hatte ein anderer Wandervogel sein fünfjähriges Bleiben verkündet: Franck Ribéry. In Madrid hatte der gesperrte Rotsünder nach der Partie auf dem Rasen mit den Kollegen gelitten, nun hielt er auf dem Balkon seine bislang längste Rede auf Deutsch: "Wir aben gestern verloren, aber egal. Isch abe gemacht fünf Jahre mehr. Isch liebe alle Fans in Bayern Münschen." Später sprach er vom "großen Herz" dieses Klubs, der "wie eine Familie" sei. Zu allem Überfluss spielte der DJ auch noch "Youll never walk alone" - bislang ungehört beim FC Bayern.

Sichtlich beeindruckt versprach Karl-Heinz Rummenigge: "Wir werden alles tun, dass die Mannschaft besser wird und wir in den nächsten Jahren wieder in einem Finale stehen und dann den Pokal auch mitbringen." Schon beim Bankett im Madrider Mannschaftshotel hatte Rummenigge an die Spieler appelliert: "Lasst es uns so machen wie 1999", erinnerte der Vorstandschef an das tränenreiche Finale gegen Manchester, dem zwei Jahre später der Triumph gegen Valencia folgte. "Die Spieler lagen damals auf der Erde, waren verzweifelt. Sie sind dann sofort nach dem Urlaub wieder aufgestanden und haben von Neuem angefangen." 2011 steht das Champions-League-Endspiel in London an, 2012 in der heimischen Allianz Arena. "Ich wünsche uns, dass wir dann noch mal im Finale stehen - und es dann packen", meinte Rummenigge.

Das Vertrauen der Chefs in die aktuelle Mannschaft ist groß; der mit dem Prozesstrainer van Gaal eingeschlagene Weg hat sich als der richtige erwiesen. Doch um dem erklärten Ziel - dauerhaft in der europäischen Spitze mitzuspielen - nahe zu kommen, muss wohl noch nachgebessert werden. Die beiden Milito-Tore ließen die nicht zum ersten Mal düpierte Innenverteidigung schlecht aussehen, und in der Offensive gelang es eigentlich nur Arjen Robben, die Mailänder Deckung in Verlegenheit zu bringen. Dass trotz der angeblichen Rückkehr von Edson Braafheid ein hochkarätiger Außenverteidiger benötigt wird, darüber besteht Einigkeit. Doch wie und wo van Gaal den von Bayer Leverkusen heimgeholten Spielmacher Toni Kroos einbaut, wird ebenso spannend zu beobachten sein wie die Situation im Sturm, wo sich die deutschen Nationalstürmer Gomez und Klose wohl nicht dauerhaft mit Bankplätzen zufriedengeben werden.

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