Uruguay zieht ins Halbfinale: Afrika ist ausgeschieden

Trotz spielerischer Überlegenheit der Uruguayer rettet sich Ghana in eine spannende und tragische Verlängerung. Doch alles umsonst. Im Elfmeterschießen platzt der afrikanische Traum.

Er kann`s nicht fassen. Das Halbfinale war so gut wie sicher: Kevin-Prince Boateng. Bild: ap

JOHANNESBURG/BERLIN dpa/taz | Das Achtelfinale der Ghanaer gegen die „Celeste“ aus Uruguay war das wohl dramatischste Spiel dieser Weltmeisterschaft - obwohl es lange eigentlich ziemlich langweilig war. Es war der Beweis, dass sich Dramatik im Fußball aus einer einzigen Szene speisen kann.

Es ist die 120. Minute, die Uruguayer sind stehend k.o., warten nur noch auf den erlösenden Schlusspfiff - und Ghana bekommt einen Elfmeter zugesprochen, weil Suárez auf der Linie nach einem ghanaischen Kopfball mit der Hand klärt und dafür folgerichtig die rote Karte bekommt. Asamoah Gyan tritt an, hat den angeblichen panafrikanischen Traum auf dem Fuß und scheitert an der Querlatte.

Was dann kommt, ist eine ghanaische Tragödie, Mensah und Adiyiah verschießen ihre Elfmeter, Ghana ist draußen. Uruguay ist weiter und erreicht erstmals seit 40 Jahren wieder ein WM-Halbfinale.

Uruguay - Ghana 4:2 i.E. (1:1,1:1,0:1)

Uruguay: Muslera - Maxi Pereira, Lugano (38. Scotti), Victorino, Fucile - Arévalo - Pérez, Álvaro Fernández (46. Lodeiro) - Forlán - Cavani (76. Abreu), Suárez

Ghana: Kingson - Pantsil, Vorsah, John Mensah, Sarpei - Annan - Inkoom (74. Appiah), Asamoah, Kevin-Prince Boateng, Muntari (88. Adiyiah) - Gyan

Schiedsrichter: Benquerença (Portugal)

Zuschauer: 84.017

Tore: 0:1 Muntari (45.+2), 1:1 Forlán (55.)

Elfmeterschießen: 1:0 Forlán, 1:1 Gyan, 2:1 Victorino, 2:2 Appiah, 3:2 Scotti, John Mensah gehalten, Maxi Pereira verschossen, Adiyiah gehalten, 4:2 Abreu

Besonderes Vorkommnis: Gyan (Ghana) verschießt Handelfmeter (120.+2)

Gelbe Karten: Arévalo, Fucile, Pérez / John Mensah, Pantsil, Sarpei

Rote Karten: Suárez (120./Handspiel)

Während die "Himmelblauen" ihre Renaissance auf der Weltbühne des Fußballs fortsetzen, scheidet Ghana als letzter Teilnehmer des Gastgeber-Kontinents aus. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden. Auf das erste Team in einem WM-Semifinale muss Afrika damit weiter warten. Uruguay trifft im Halbfinale am kommenden Dienstag auf die Niederlande.

Ghana fand nur schwer ins Spiel. Das lag zum Teil auch an Kevin-Prince Boateng, der in der Startphase noch etwas gehemmt wirkte. Nach seiner im USA-Spiel erlittenen Oberschenkelverletzung konnte er aber zur Erleichterung seiner Mitspieler von Beginn an auflaufen.

Dank der besseren Spielanlage und größeren Ballsicherheit kontrollierte Uruguay die Partie zunächst und erarbeitete sich einige gute Möglichkeiten. Luis Suarez (11.) prüfte Ghanas Schlussmann Richard Kingson, der wenig später bei einer Freistoß-Flanke von Forlan Unsicherheit zeigte. Der Keeper vom englischen Premier-League-Club Wigan Athletic bewahrte sein Team danach aber zweimal vor einem Rückstand. Zunächst verhinderte er mit einem Reflex ein Eigentor von John Mensah (18.), dann lenkte der 27-Jährige einen Schuss von Suarez über den Querbalken.

Von Ghana war eine halbe Stunde lang nichts zu sehen, doch plötzlich waren die "Black Stars" da. Nach einer Ecke verfehlte Abwehrspieler Isaac Vorsah vom Bundesligisten 1899 Hoffenheim per Kopf nur um Haaresbreite das 1:0. Eine Minute später strich ein Schuss von Asamoah Gyan nach Vorarbeit des sich von Minute zu Minute steigernden Boateng ähnlich knapp am Pfosten vorbei.

Die von den Vuvuzelas lautstark nach vorn getriebenen Ghanaer beherrschten nun das Spiel und kamen durch einen Kopfball von Muntari (39.) zur nächsten Möglichkeit. Kurz zuvor hatte Uruguay seinen Kapitän und Abwehrchef Diego Lugano verloren. Der Profi von Fenerbahce Istanbul musste seinen Platz wegen einer Knieverletzung für Andres Scotti räumen. Da Diego Godin (Muskelbeschwerden) gar nicht erst auflaufen konnte, war der Ausfall doppelt schmerzhaft.

Den "Urus" war die Verunsicherung anzumerken, in der Defensive ging es beim Weltmeister von 1930 und 1950 nun drunter und drüber. In der 45. Minute verpasste Boateng, der wieder Denker und Lenker im Spiel seiner Mannschaft war, mit einem spektakulären Fallrückzieher die Führung.

Für den längst fälligen Jubel sorgte dann Muntari in der Nachspielzeit der ersten Hälfte. Der Mittelfeldspieler vom Champions-League-Sieger Inter Mailand, der im Turnierverlauf wegen heftiger Trainer-Schelte kurz vor dem Rausschmiss und erstmals in der Startelf stand, überwand Uruguays Torwart Fernando Muslera mit einem Schuss aus 30 Metern.

Nach dem Wechsel brachte Forlan Uruguay mit seinem Freistoßtor (55.) aus 20 Metern, bei dem Kingson eine unglückliche Figur abgab, ins Spiel zurück. Ghana wirkte jedoch keineswegs geschockt und hätte durch Gyan (58.) erneut in Führung gehen können. Muslera fischte den Flachschuss aus dem unteren Eck. Auf der Gegenseite hatte Suarez nach Vorarbeit von Forlan seinen vierten WM-Treffer auf dem Fuß, verfehlte das Gehäuse per Direktabnahme aber knapp.

20 Minuten vor Ende der regulären Spielzeit scheiterte der Torjäger von Ajax Amsterdam am dieses Mal glänzend reagierenden Kingson. Auch bei einem Kopfball des Stürmers (78.) rettete Ghanas Keeper seine Mannschaft bravourös in die Verlängerung.

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