DER RECHTE RANDWAS DAS INSTITUT FÜR STAATSPOLITIK IN BAD PYRMONT WILL

Geistiges Vakuum

Ein Groß-Thema erwartet die Gäste, wenn am Freitagnachmittag Karlheinz Weißmann die Winterakademie des Instituts für Staatspolitik (IFS) in Bad Pyrmont eröffnet. Bis zum Sonntagmittag setzt sich die selbsternannte „rebellische Elite“ mit dem Thema „Reaktion“ auseinander. Sie trifft sich im Ostheim, der Jugendbildungs- und Tagungsstätte der Landsmannschaft Ostpreußen.

Vor 13 Jahren gehörte Weißmann, der Geschichte und evangelische Theologie studierte, zu den Gründern des IFS, das seinen Sitz auf dem Rittergut Schnellroda in Sachsen-Anhalt hat. Als Referent und Autor setze sich der Mittfünfziger seit rund drei Jahrzehnten für die Wiederbelebung der Ideen der konservativen Revolution und des italienischen Faschismus ein.

Das IFS kämpft gegen die „dekadente Moderne“ und den anhaltenden „Demutskonservatismus“ unter dem „Bann von Auschwitz“. „Das geistige Vakuum“ der Unionsparteien, so Weißmann in der Jungen Freiheit 2001, verlange nach „Auffüllung“. Dort sagt er auch, was die Institutsgründer erreichen wollen: „Uns geht es um geistigen Einfluss, nicht die intellektuelle Lufthoheit über Stammtische, sondern über Hörsäle und Seminarräume interessiert uns.“ Der Gymnasiallehrer am Corvinianum in Northeim schiebt nach: „Es geht uns um die Köpfe und wenn die Köpfe auf den Schultern von Macht- und Mandatsträgern sitzen, um so besser.“

Erfolgreich konnte das IFS mit seiner Schriftenreihe die Sarrazin-Debatte befeuern. Die Broschüre „Der Fall Sarrazin. Verlauf einer gescheiterten Tabuisierung“ wurde jenseits der intellektuellen extremem Rechten wahrgenommen – wohlwollend. An der Bundeswehruniversität München forcierte einer der IFS-„Seminaristen“ als Chefredakteur des Campus die Debatte um Frauen bei den Streitkräften. Der Tenor: Die Soldatinnen führten zu einem „strukturellen Kampfwertverlust“.

Hinweis: ANDREAS SPEIT arbeitet als freier Journalist und Autor über die rechte Szene nicht nur in Norddeutschland