Kommentar Elbvertiefung: Ein Deal auf unsere Kosten

Dass die Vertiefung der Unterweser für die Allgemeinheit - und nicht bloß für eine halbe Handvoll Unternehmen - ein lohnendes Geschäft ist, darf man bezweifeln.

Die "Veredelungswirtschaft" genannte industrielle Tiermast hängt seit jeher am Import von Futtermitteln. Einst waren das russische Gerste und Dorschmehl aus Norwegen. Heute stellen stärke- und proteinhaltige Pflanzen von jenseits des Atlantiks unseren Hunger nach großen Mengen billigen Fleischs sicher: Ohne günstig herangeschafftes Soja aus Südamerika und Getreide aus den USA keine Turbomast im Oldenburger Münsterland.

Zu den gewaltigen ökologischen Schäden und zu den immensen Folgekosten, welche eine weiter ausgebaute Sturmflutrinne der Weser der Allgemeinheit aufbürden wird - Stichworte Deichsicherheit, Hochwasserschutz, Entwässerungsgebühren, Trinkwasserversalzung und Verschlickung -, kommen all die unappetitlichen Folgen der Massentierhaltung noch hinzu.

Dass also die Vertiefung der Unterweser für die Allgemeinheit - und nicht bloß für eine halbe Handvoll Unternehmen - tatsächlich ein so lohnendes Geschäft ist, darf man bezweifeln.

Bremen legt Wert auf eine möglichst tiefe Zufahrt zu den Containerterminals in Bremerhaven - dafür muss die Außenweser dran glauben. Niedersachsen besteht im Gegenzug auf einer deutlich vertieften Rinne in der Unterweser bis nach Brake. Das ist der politische Deal hinter den Bagger-Plänen. Die Weser ist sein Opfer. Den Schaden tragen - wir.

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