Die Geschichte des "Mr.Nice": Der nette Dealer aus Wales

Der Legende nach war er in den 1970ern und 80ern für 10 Prozent des Welthandels an Haschisch und Marihuana verantwortlich. Nun wurde die Geschichte von Howard Marks verfilmt.

Als die taz in den 80ern die Preisentwicklung auf dem Haschischmarkt dokumentierte, dürfte ein beträchtlicher Teil der Ware durch Howard Marks Hände gegangen sein. Bild: Koch Media

Er ist kein Carlos oder Che, kein John Dillinger oder Jacques Mesrine, keiner jener übergroßen Mannsfiguren also, die sich im vergangenen Jahrhundert bewusst gegen Gesellschaft und Gesetz in Stellung gebracht haben und deren Leben das Kino in jüngster Zeit mit aufwendigen Produktionen illustriert hat.

Und doch steht Howard Marks eigentlich ganz gut in dieser Tradition, zumindest was Interesse und Aufwand staatstragender Behörden zur Dingfestmachung des Briten dies- wie jenseits des Atlantik betraf. Kein Wunder: Als die taz in den 80ern die Preisentwicklung auf dem Haschisch-Schwarzmarkt dokumentierte, dürfte ein beträchtlicher Teil der Ware durch Howard Marks Hände gegangen sein.

Die ziemlich unglaubliche Geschichte, wie ein geistig hochbegabter Tölpel mit Herz aus Gold und übermäßig ausgeprägter hedonistischer Ader nach einem erfolgreichen Studium in Oxford über harmlose Dealereien zum international operierenden und gesuchten Drogenlord aufstieg, der den britischen Geheimdienst mit der IRA ausspielte und umgekehrt, hat Marks selbst, nach einer mehrjährigen Haftstrafe in den USA, in seiner Autobiografie "Mr. Nice" erzählt.

Dass diese in der Szene kultisch verehrt wird, liegt wohl auch daran, dass Marks, zumindest eigenem Bekunden nach, im Herzen lieber Kiffer geblieben ist und seine Geschäfte freihielt von Gewalt. Heute tourt er als Entertainer durch alle Länder.

Als Film erzählt Bernard Rose diese Geschichte deshalb auch über mehrfache Rahmungen: Anfangs füllt ein Vorhang das Bild, der erst zögerlich eine Bühne enthüllt, auf der Marks seinen Auftritt hat. Das Setting mündet ins nur allmählich die Leinwand füllende Schwarzweißkino, erst nach einem kräftigen Zug am Joint kommt Farbe ins aschgraue Großbritannien der 60er - und wie zur Erinnerung, dass es sich um einen subjektiven Rückblick handelt, bleibt Marks Voiceover stets präsent.

Nicht, dass Rose seiner Figur nicht doch mit Haut und Haar verfallen würde - doch halten diese Brüche und Rahmungen den Verstand des Zuschauers gut auf Distanz, um nicht alles für bare Münze zu nehmen: eine gute Strategie für das dahingehend stets heikle Biopic-Genre, das in diesem Fall den illusorischen Charakter des Gezeigten - auch aufgrund einer sonderbar irrealen Rückprojektionsästhetik - immer ausstellt. Nach Strich und Faden belügt und betrügt Howard Marks die Gerichtshöfe dieser Welt. Warum also nicht auch uns?

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