Blackmetal mit linken Idealen: Keifende Umweltschützer

Satanisches von der Selbstversorgerfarm: Die US-Blackmetal-Band Wolves in the Throne Room verabschiedet sich mit einem naturverbundenen Album.

Auch Baumfreunde können ganz schön böse klingen: Wolves In the Throne Room. Bild: Foto: Alison Scarpulla

Mit Anfeindungen kennen sie sich aus: das US-Quartett Wolves in the Throne Room. "Nazi-Metaller" schimpfte man sie, "Aussteiger-Waldschrate" oder "Öko-Terroristen". Die Blackmetal-Band durchlebte das, was passiert, wenn man Erfolg mit Musik hat, die besser im Untergrund hätte bleiben sollen - zumindest nach Ansicht ihrer Fans.

Vielleicht sagte Gitarrist Nathan Weaver deshalb mal in einem Interview: "Ich halte Metalmusik für die geistige Ejakulation von bekifften Schwachköpfen." Was nicht gerade zur Beliebtheit von Wolves in the Throne Room beitrug.

Dafür erhielten sie Zuspruch von ganz anderer Seite - Indie-Hörern, die völlig berauscht waren von dieser Blackmetal-Band mit linken Idealen. WITR leben und arbeiten schließlich auf einer Selbstversorgerfarm im Nordwesten der USA und setzen sich aktiv für Naturschutz ein.

So wie "Kind of Blue" von Miles Davis einstmals das Jazz-Album in vielen Plattensammlungen war, ist das WITR-Album "Two Hunters" sein Blackmetal-Pendant. Ein atmosphärisches Meisterwerk, mit Doublebass-Attacken und archaischem Gesangsgekeife.

Nun ist ihr viertes Album "Celestial Lineage" erschienen, das den Abschluss der vor vier Jahren mit "Two Hunters" begonnenen Trilogie bildet. Die Band beendet damit die Arbeit an ihrem Soundtrack "für eine verborgene Welt hinter dem Schleier", wie Wolves in the Throne Room ihre Suche nach Spiritualität in den Bergen und Wäldern bezeichnen.

Romantische Mystik und Transzendentalismus sind die beherrschenden Themen der Songtexte. Synthesizerflächen, Feldaufnahmen und die ätherische Stimme von Jessica Kinney, die bereits auf "Two Hunters" sang, stoßen durch die gewaltigen Soundwände der drei Blackmetal-Songs, die auf "Celestial Lineage" zu hören sind.

Maschinengewehrartige Drumsalven

Nicht selten ergeben sich dadurch majestätische Kontraste zum rohen Geschrei von Nathan Weaver und den maschinengewehrartigen Drumsalven seines Bruders Aaron. Wolves in the Throne Room gleichen somit eher einer Klangcollage als einer Metal-Band.

Trotzdem spielt die Band weiterhin Blackmetal, den in seinen besten Momenten etwas Zeremonielles umgibt. Die Gitarrenriffs sind repetitiv und hypnotisch. Doch ihr Sound vermittelt kein Gefühl von Kälte und Kargheit, wie auf skandinavischen Blackmetal-Alben üblich, sondern erinnert an die Weite und Schönheit der Natur. "Celestial Lineage" wirkt wie ein Aufbruch, nicht wie ein Untergang.

Natürlich singen Wolves in the Throne Room auch nicht von Drachen oder Elfen, vielmehr versuchen sie auch in den Texten, die Erhabenheit der wilden Natur einzufangen und in den Kontext der Blackmetal-Klangphilosophie zu stellen. Auf dem neuen Album wirken die in den Blackmetal-Kosmos verwebten Versatzstücke aus Drone, Post-Rock und Folk stellenweise zu unorganisch.

Auch fehlt die alte Entschlossenheit. So gibt es nun zum ersten Mal in der Geschichte von Wolves in the Throne Room kürzere Songs und sogar Zwischenspiele. Doch dadurch nimmt sich das Album manchmal selbst die Ruhe und den Platz, den es bräuchte, um seine volle Kraft zu entfalten.

Trotzdem sollte man sich die Band ansehen, wenn sie im November auf Deutschland-Tour kommt. Denn Wolves in the Throne Room wird es danach nicht mehr geben. Nathan und Aaron Weaver wollen von nun an wieder mehr Zeit auf "Calliope" verbringen, ihrer Farm in der Nähe der Kleinstadt Olympia. Zwar will man weiter Musik machen - dann aber unter anderem Namen. So viel ist sicher: ohne Blackmetal.

Wolves in the Throne Room, "Celestial Lineage" (Southern Lord/Rough Trade). Live: 3. 11. Köln, 4. 11. Hamburg, 13. 11. Berlin, 15. 11. Nürnberg
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