NANA HECK ALLEINLAGE

Was für ein absurder Demeter-Käse!

Wirtschaften Sie so richtig biologisch-dynamisch?“, fragt die Frau. „Biologisch reicht mir, dynamisch sind nur Demeter-Betriebe“, antworte ich. Oft reicht das der Kundschaft, manchmal muss ich jedoch weiter ausholen. Bauern, die dem Anbauverband Demeter angehören, wirtschaften nicht nur biologisch, also ohne chemisch-synthetische Dünge- und Spritzmittel mit artgerechter Tierhaltung, sondern anthroposophisch nach einem gewissen Rudolf Steiner. Das nennen sie biologisch-dynamisch. Herr Steiner proklamierte 1924 die Herstellung und Verwendung verschiedener „Präparate“ aus Kuhscheiße sowie weitere Sonderbarkeiten, die unhinterfragt bis heute auf Demeter-Betriebe angewendet werden.

Wer war dieser Steiner, der neben der Landwirtschaft auch in Waldorfschulen nachwirkt? Meine Recherchen führen mich über seinen absolut unlesbaren „Landwirtschaftlichen Kurs“ zu einer Vortragsmitschrift namens „Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie“. Da erzählt unter anderem er von der „weißen europäischen“ Rasse, der als „Jupiterrasse“ der Höchstrang zukomme. Die Hautfarbe der „schwarzen Rasse“ hingegen sei das Ergebnis eines niederen Inkarnationsstufe.

Schöner Demeter-Käse! Abgesehen vom unerträglichen Rassismus – warum sollte man nach diesem Mann Landbau oder Pädagogik gestalten? Sonderbar, dass ausgerechnet Demeter-Produkte auch noch teurer sind und als Premium-Bio verkauft werden. Dass Esoterik kostet, ist klar, für mich aber in diesem Fall jenseits der Schmerzgrenze. Wir versuchen, unser Land nachhaltig zu bewirtschaften, unsere Tiere artgerecht zu halten, und sind dabei offen für die Kritik unserer Kunden. Nicht aber für die Absurditäten eines Premium-Rassisten. Der Käse mag gut sein, ein fader Beigeschmack aber bleibt.

Die Autorin ist Biobäuerin in Mecklenburg Foto: privat