unterm strich

Lange, lange, lange ist es her, da unterhielt sich der produzierende Redakteur einmal mit Holm Friebe. Dem großen Holm Friebe, wie Joachim Lottmann sagen würde. Friebe hatte gerade mit (der heute aus Funk, Fernsehen und Literaturbetrieb bekannten) Kathrin Passig die Zentrale Intelligenz Agentur gegründet, und sie hatten auch ein schickes doppelstöckiges Büro. Es war die Zeit der New Economy, kurze Zeit später mussten sie auch schon wieder ausziehen. Um eine lange Geschichte meldungsspaltenkompatibel auf den Punkt zu bringen: Friebe konnte damals nur unter großen Schwierigkeiten erklären, was denn diese Zentrale Intelligenz Agentur eigentlich sei. Auch weil es ja eigentlich unwichtig ist, so lange sie irgendwie funktioniert.

Nun aber, viele Jahre später, gibt Kathrin Passig im Gespräch mit der Berliner Morgenpost endlich Aufklärung: Die Zentrale Intelligenz Agentur sei „eine Möglichkeit, in die Welt der richtigen Arbeit hineinzugucken, in Werbeagenturen, in Redaktionen“. „Ich fand einfach die Kombination aus Quatschprojekt und seriöser Firmenfassade reizvoll.“ Die Zentrale Intelligenz Agentur „spielt natürlich mit dem Bösen des Kapitalismus und der Geheimdienste, aber sie beißt nicht, sie will nur spielen.“ Die Zentrale Intelligenz Agentur bezeichnet sich als „virtueller Zusammenschluss von Journalisten, Kulturwissenschaftlern, Grafikdesignern und Programmierern“.

Außerdem wies Passig den Vorwurf zurück, sie habe als „Trojanisches Pferd“ den Literaturbetrieb rund um den Klagenfurter Wettbewerb „unterwandern“ wollen. „Absolut nicht, ich habe an Klagenfurt – außer ein paar Kleinigkeiten – nichts auszusetzen.“ „Unterwanderung hätten die Jury und die Organisatoren nicht verdient. Ich habe eher das Gefühl, dass einige von denen, die jetzt darüber geschrieben haben, ein Hühnchen mit Klagenfurt oder dem Literaturbetrieb zu rupfen haben.“ Passig räumte ein, ihren preisgekrönten Text auf Klagenfurt hingeschrieben zu haben. Allerdings, fügte sie hinzu: „Ich wusste gar nicht, dass das als unfein gilt.“ Ihre „Mission Literatur“ sei damit nicht erfüllt. „Mit 30.000 Euro in der Tasche zu sagen „Tschüs, Literatur“, das gehört sich nicht.“