DIE FIRMEN GEBEN SICH FAMILIENFREUNDLICH, WEIL ES GUT FÜRS IMAGE IST

Väter bleiben auf Teilzeit

Na, so was: Deutschlands Firmen denken um. Sie sehen ein, dass familienfreundliche Arbeitszeiten mehr sind als eine generöse Gabe für das junge Elternpaar. Sie erkennen, dass sich ein wenig Entgegenkommen auch wirtschaftlich rechnet. Dass sie nur so mithalten können im Wettbewerb um junge Spitzenkräfte. Dies ist zumindest der Tenor des „Unternehmensmonitors 2006“, den Familienministerin von der Leyen gestern vorgestellt hat.

Mit der Wirklichkeit haben diese Bekundungen des guten Willens wenig gemein. Die Studie belegt vor allem eins: Firmen betrachten es mittlerweile als gut für ihr Image, wenn sie sich als familienpolitischer Musterbetrieb präsentieren. Dass die Angebote auch tatsächlich umgesetzt werden – dass massenhaft Firmenkitas entstünden und Väter Teilzeit arbeiten –, lässt sich indes nicht feststellen.

Zu gegenwärtig sind jene Daten, die ein anderes Bild zeichnen: Nach wie vor arbeiten Männer eher mehr als weniger, wenn sie Vater werden. Noch immer werden Männer, die nachmittags aus dem Büro gen Kita entschwinden, oft als Drückeberger angefeindet. Zudem verbirgt sich hinter manchem „familienfreundlichen Teilzeitjob“ nichts anderes als der Wunsch der Firma, Personalkosten zu sparen. Und viele Mütter arbeiten vor allem deshalb Teilzeit, weil sie gar keinen Vollzeitjob gefunden haben.

Um Frauen wirklich gleiche Chancen in der Berufswelt zu sichern, braucht es mehr als ein paar unverbindliche Angebote der Firmen zu mehr Familienfreundlichkeit. Vor allem müsste die Gesellschaft umdenken.

Das wahre Problem einer Frau ist ja nicht, dass es nicht möglich wäre, Mutter und berufstätig zu sein. Das Problem ist, dass es zu wenig Möglichkeiten gibt, Mutter und Karrierefrau zu sein. Dass zu wenig Kitas existieren, die den Nachwuchs bis spät in den Abend betreuen. Dass Chefs nur die Nachwuchskraft befördern, die bis abends spät im Büro ausharrt – selbst wenn sie dieselbe Arbeit auch am heimischen Computer erledigen könnte. Und dass zu viele Männer ganz zufrieden mit einem Dasein als Feierabendvater sind. COSIMA SCHMITT