Stoiber etc.

Krieg in der Küche

Die CSU spielt Krieg. So wusste die Süddeutsche dieser Tage zu berichten, dass in der Bayernpartei derzeit das „Wort vom politischen Exekutionskommando“ kursiere. Sollte Stoiber sich weiterhin unwillig zeigen, Platz für seine Nachfolge zu machen, „dann wird es brutal“ beziehungsweise „blutig“, zitiert sie ein weiteres anonym bleibendes Präsidiumsmitglied. Auch Günther Beckstein empfahl sich als Führungsfigur, indem er mit erklecklichem Ernst erklärte, dass es nun einer „neuen Schlachtordnung“ bedürfe.

Was ist los bei den Herren in Bayern? Glauben sie tatsächlich, dass rhetorische Atavismen ihnen die Mühsal erleichtern werden, einen Stoiber zu entsorgen? Oder sich die gesunkenen Umfragewerte durch aufgewirbelten Wortstaub wieder in die Höhe treiben lassen?

Die FAZ mahnt die von einer Landrätin aufgeschreckten Parteisoldaten denn auch gleich zur Pazifizierung an. Schließlich: „In dem ungewohnten Schauspiel“ besäßen die „üblichen Vokabeln – Putsch, Königsmord, Revolte“ – doch wenig analytische Kraft. Wohl war. Das aber ist auch nicht ihre Aufgabe. Diese nämlich besteht darin, Handlungen zu ersetzen. Die so blutselige wie feudalistische Rhetorik im Parteistreit markiert nichts anderes als Ersatzhandlungen, die sich als nötig erweisen, wo Aktionen gegen die Führungsspitze nicht opportun oder verfassungsmäßig abgesichert sind. Ihr Vorteil: Sie inszenieren eine Lebendigkeit, eine Beweglichkeit, ein Parteileben sozusagen, wo doch nur trübe Parteiroutine regiert. Die Herren also machen sich keiner Entgleisung schuldig, sondern leisten brav PR-Arbeit. Mit Erfolg, wie Peter Ramsauer (CSU) bei Phoenix zufrieden anmerkte: Alle Medien blickten derzeit auf seine Partei.

Für Überraschungen sorgte bei all den verschossenen Worthülsen dann also doch nur wieder Stoiber selbst: Just der Mann, der damals bei Schröder das Feld räumen musste, weil ihm seine Stoffeligkeit gegenüber der Frauenwelt unüberwindlich schien, hat nun identitäts- und distinktionstechnisch aufgerüstet. Bei seiner Rede im Kaisersaal stellte er klar, dass er keinesfalls damit beschäftigt sei, auf irgendeinem Schlachtfeld seinen Mann zu stehen. Stattdessen zitierte er in bekannter Großmannssucht Harry S. Truman und wähnte sich neben der Kochstelle: „Ich weiß, dass ich im Feuer stehe. Aber wer in der Küche arbeitet, muss auch Hitze vertragen.“ Und fügte in schlagender Deduktionsarbeit hinzu: „Sonst hat er in der Küche nichts zu suchen.“

Im Gegensatz zu seinen sich in rhetorischer Virilität überbietenden männlichen Konkurrenten, setzt Stoiber also auf die Selbstverweiblichung. Während alle anderen sich die Köpfe einschlagen, hält er die Familie über das Stehen im Nahrungszentrum zusammen. Ein trickreiches Alleinstellungsmerkmal, zumal im Feld der Konservativen.

INES KAPPERT