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Archiv-Artikel

Wenig Empörung in Wagen 257

EC 370 WIEN–AARHUS taz ■ Siegfried C. tobt. „Die sind doch so dumm“, sagt der Grauhaarige in empörtestem Sächsisch, „quer durch den Zug hat der Schaffner mich geschickt“, und zitiert ebendiesen Schaffner: „Wagen 257, da können Sie rauchen!“ Seit die Bahn in den Erste-Klasse-Abteilen der Eurocitys keine Raucher mehr duldet, müssen die in eins der wenigen Raucherabteile am anderen Zugende ausweichen. „Durch den ganzen Zug bin ich geschlichen!“, empört sich C., der zwischen Dresden und Berlin drei Zigaretten geraucht hat.

Womöglich waren es seine letzten, zumindest im Zug. Das Kabinett will ein generelles Rauchverbot in Zügen. So richtig schlimm finden das an diesem Mittwochnachmittag aber nur wenige in den gerade vier Raucherabteilen von Wagen 257. Eine einzige Zigarette hat Peggy Giel in ihrer vierstündigen Fahrt geraucht, „aber nur, weil ich hier sitze“. Ins Raucherabteil zog sie, weil im Nichtraucherbereich alles voll war. „Das ist die größere Frechheit“, findet Giel.

Wegen der freien Plätze hat sich auch Nichtraucher Vincent Schmuck zu den Rauchern gesetzt. Keine Angst vor Passivrauch? „Ich fahre ja nicht jedes Mal im Raucherabteil“, sagt der junge Mann. Die Mitfahrer lachen, zünden sich noch eine an.

Am Berliner Hauptbahnhof leert sich das Raucherabteil. Bald geht hier die letzte Kippe aus. Nur ein schweigsamer Anzugträger bleibt sitzen. Er wünscht, dass die Abteiltür offen bleibt. „Ist gesünder“, lacht er und nimmt einen letzten Zug aus seiner Marlboro. JAN GEORG PLAVEC

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