KOMMENTAR: DENNIS BÜHLER ÜBER DIE STADIONENTWÜRFE

Mut zur Welle

Das Wichtigste hat der FC St. Pauli bereits richtig gemacht: Früh hat der Tabellenführer der 2. Bundesliga den Weg an die Öffentlichkeit gesucht, um auszuloten, wie die Fußballfans zu den beiden Entwürfen der Gegengerade stehen. Diese Tribüne nämlich ist das Herzstück des Millerntor-Stadions und die Heimat vieler treuer Anhänger. Sie beim Neubau zu enttäuschen, wäre fatal.

Nun sollte das Vereinspräsidium nicht den Fehler begehen, die Planung zu überstürzen. Als kleiner Klub mit überschaubaren finanziellen Möglichkeiten muss der FC St. Pauli genau kalkulieren und seriös haushalten. Vor allem bei dem Entwurf, der eine Tribüne in extravaganter Wellenform vorsieht, liegt noch vieles im Dunkeln. Unklar ist vor allem, wie viel teurer dieser Luxus im Vergleich zur konservativ-biederen Tribünenversion zu stehen käme.

Trotzdem darf und soll der FC St. Pauli mutig sein. Die Reaktionen einiger Fans, die die Welle in Internetforen als PR-Gag bezeichnen und vor der Gefahr einer zweiten Elbphilharmonie warnen, sind übertrieben. Sind die Kosten für die futuristische Tribüne kontrollierbar, spricht nichts gegen den Bau.

Im Gegenteil: Mit der Welle bekäme der FC St. Pauli eine weltweit einzigartige Tribüne. Dies passt zu einem Verein, dessen Spielweise für Spektakel steht und der sich als etwas Besonderes versteht. SEITE 23