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johann friedrich struensee, arzt aus altonaLeicht versponnen

JOHANN FRIEDRICH STRUENSSEE, gestorben mit 35, teilte sich die Frau mit König Christian VII. ABB: BOMANN MUSEUM CELLE

Wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe: Kopf und Hand abgeschlagen, der übrige Körper zerstückelt und aufs Rad gebunden. So endete Johann Friedrich Struensee, Arzt, Reformer und Staatsmann im Jahre 1772 in der Nähe von Kopenhagen. Sein vehementer Kampf um Reformen im Sinne der Aufklärung und eine Liebesgeschichte mit der dänischen Königin Caroline Mathilde führten zu solch unschönem Tod.

Geboren wurde Struensee 1737 als Sohn eines Pastors in Halle. Früh kam er in Berührung mit aufklärerischen Idealen. Nach seinem Medizinstudium zog er 20-jährig ins damals dänische Altona, wo er die Ausbreitung von Seuchen mit hygienischen Maßnahmen bekämpfte. 1768 begleitete Struensee den dänischen König Christian VII. als Leibarzt auf einer Europareise und gewann sein Vertrauen: Er wurde „Geheimer Kabinettsminister“ am Kopenhagener Hof. Der König, das war kein Geheimnis, war zunehmend geistesgestört: Zum Regieren war der in innere Welten versponnene Monarch immer weniger fähig.

So hatte Struensee als Vertrauter freie Hand für seine Projekte. Er führte die Pressefreiheit ein, schaffte die Folter ab und bemühte sich um eine Reform des Schulwesens. Außerdem bemühte er sich um Königin Caroline Mathilde: 1771 entspross diesen Bemühungen eine Tochter, die der versponnene, aber gutmütige König später legitimierte.

Dem tatsächlichen Vater ging’s nämlich nun an den Kragen: der emporgekommene Höfling Ove Hoegh-Guldberg mochte als strenger Konservativer weder Struensees Reformen, noch dessen Liaison mit der Königin: Er spann eine Intrige, die zu Struensees Hinrichtung führte, und nahm seinen Platz ein. Er schickte die Königin heim nach England und schaffte Struensees Reformen wieder ab.

Trotzdem spukte Struensee noch immer durchs Königshaus: Eine Enkelin aus seiner Verbindung mit der Königin heiratete den Enkel von Christian VII., der einem Herzanfall erlag, als er harmlose Schiffe für eine feindliche Flotte hielt. Auch Hamburg gedenkt des Struensees: mit einer heute beginnenden Ausstellung im Altonaer Museum. LEU

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