: Unterm Strich
Die allwöchentliche, stets deprimierende Kinohitparade: Seit fünf Wochen behauptet sich Steven Spielbergs Leinwandspektakel Hook an der Spitze der Publikumsfavoriten in den deutschen Kinos. In der Zeit vom 23. bis zum 26.April wurden 210.339 Besucher gezählt. Nur knapp dahinter folgt nach Angaben der Fachzeitschrift 'Filmecho/Filmwoche‘ die Hollywood-Komödie Ein Hund namens Beethoven, die im gleichen Zeitraum 208.493 Besucher fand.
Auf Rang drei befindet sich ein weiterer amerikanischer Film: der Psycho-Thriller Eiskalte Leidenschaft, der 146.269 Kinogänger anlocken konnte. Die deutsche Komödie Schtonk hielt sich mit 86.553 Besuchern auf dem vierten Platz. Der bei der letzten Berlinale preisgekrönte amerikanische Problemfilm Grand Canyon (19.066 Zuschauer) ist ebensowenig ein Hit an den deutschen Kinokassen wie Annauds der aufwendiger Softporno Der Liebhaber (17.852 Zuschauer).
Der deutsche Film blüht und gedeiht — könnte man glauben, wenn man sich im neuen 'Filmecho‘ den geballten Dreh- und Projektplan deutscher Produktionen und Koproduktionen ansieht. Wim Wenders hat nach Bis ans Ende der Welt, der in Deutschland eher floppte, jetzt die Fortsetzung des Himmels über Berlin in Angriff genommen. Neben den bewährten Engeln, gefallenen Engeln und erdenschweren Trapezkünstlerinnen Otto Sander, Bruno Ganz, Peter Falk und Solveig Dommartin steht auch Michail Gorbatschow auf dem Besetzungsplan. Seine Szene ist schon abgedreht. Wir stellen sie uns so vor: Der Film spielt 1989. Der Engel Cassiel (Otto Sander) beobachtet Gorbatschow dabei, wie er über die deutsche Wiedervereinigung meditiert. Gorbatschow hält ein ihm gewidmetes Foto Erich Honeckers in seinen zartgegliederten Händen. Cassiel liest seine Gedanken. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, raunt es in Handkescher Bleistift-auf-Bütten-Prosa aus dem Off. Später entschließt sich auch Cassiel, ein Mensch zu werden, wie vor ihm schon Damiel (Bruno Ganz). Er wird Pressesprecher bei Sony im neuen Sony-Hauptquartier, dem ehemaligen Hotel Esplanade, wo ja auch schon die Schlußszene des ersten Teils spielte.
Andere, weniger spektakuläre Projekte des deutschen Kinos: Otto — die Liebesgeschichte mit Otto Waalkes und nach einem Drehbuch der sich für Geld gemein machenden Ex-'Titanic‘-Leute Bernd Eilert und Robert Gernhard ist schon in Dreharbeiten. Auch Hape Kerkeling dreht einen Film: Hape Kerkeling — Kein Pardon. Rosa von Praunheim dreht Ich bin meine Frau, zwei weitere Filme hat Praunheim auf der Projektliste: Intelligenz ist eßbar und Neurosia. Margarethe von Trotta dreht Jahre der Mauer (ohne Gorbatschow). Unter den Koproduktionen sind zu nennen: Marcel CarnésMouche, John SchlesingersThe Innocent mit Isabella Rossellini und Anthony Hopkins, Klaus Maria BrandauersMario, der Zauberer und Sergej BodrowsDie Russen mit André Dussolier. Schon abgedreht ist Daniel SchmidtsZwischensaison mit Geraldine Chaplin, Bulle Ogier, Ingrid Caven und Fernando Rey.
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