: Munition aus Nienburg in die Türkei
■ Streubomben für den Einsatz gegen Kurden / Bundesregierung soll Export verhindern
Die Rüstungsfirma Eurometaal produziert im niedersächsischen Liebenau (Kreis Nienburg) 18.000 Artilleriegeschosse, die in Kürze der türkischen Armee zum Einsatz gegen die Kurden geliefert werden sollen. Das berichtet das ARD-Magazin „Monitor“ in seiner heutigen Ausgabe. In einer türkischen Militärzeitschrift wirbt Eurometaal, deren Geschäftszentral im niederländischen Zaandam sitzt, für diese Waffe. Sie seien geeignet „für eine noch effektivere Vernichtung von weichen, halbfesten und festen Zielen“.
Bei den Geschossen handelt es sich laut „Monitor“ um 155-mm- Granaten des Typs M 483, die mit zahlreichen Sprengköpfen gefüllt sind und die Wirkung von Streubomben haben. Ein Mitarbeiter des Unternehmens, an dem von deutscher Seite aus die Dynamit Nobel beteiligt ist, bestätigte „Monitor“, daß es sich bei der Waffe um ein „Massenvernichtungsmittel“ handele. Das türkische Militär wolle die Munition in die kurdischen Berge bringen und dort gegen die Kurden einsetzen.
Die Firmenleitung von Eurometaal hat auf „Monitor“-Anfrage bestritten, von dem geplanten Einsatz in Kurdistan gewußt zu haben. Das Unternehmen habe von der Bundesregierung die Herstellungsgenehmigung für den Türkei-Auftrag erhalten und erwarte auch die Genehmigung für den Transport. Ein leitender Mitarbeiter des Liebenauer Zweigwerks verweigerte am Sonntag jede Stellungnahme. Für Auskünfte seien die Auftraggeber oder die Zentrale in Zaandam zuständig, sagte er. Das Unternehmen in Liebenau sei nur ein Fertigungswerk.
Nach Aussagen des „Monitor“- Informanten drängt die türkische Regierung auf eine Lieferung noch vor Weihnachten. Deshalb müßten Überstunden gemacht werden. Zur Zeit würden die Geschosse in Liebenau auf Spezialpaletten der türkischen Armee verladen, die für den Transport auf Lasttieren bestimmt seien.
Lord Avebury, Mitglied des britischen Oberhauses und Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses des Parlaments, fordert laut „Monitor“ die Bundesregierung auf, den geplanten Export zu stoppen. Avebury, der vor kurzem im kurdischen Sirnak war, das durch den Beschuß mit schweren Geschützen zerstört worden ist, sagte: „Sollte diese Munition geliefert werden, dann gibt es nicht mehr nur ein paar dutzend Tote, sondern tausende. Solche Waffenlieferungen führen dazu, daß in Kurdistan ein neues Bosnien entsteht.“ dpa
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