piwik no script img

Offener Brief an Kanzler Kohl

Bundeskanzler Kohl will am Dienstag eine Kaserne des chinesischen Militärs besuchen. Wir fordern ihn auf, diese Verbeugung vor der Pekinger Führung und ihrer Generalität zu unterlassen. Das Massaker 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens ist nicht vergessen und nicht vergeben. Li Peng ist nach wie vor Premierminister; er trägt die volle Verantwortung für die Bluttat und alle Menschenrechtsverletzungen bis zum heutigen Tag.

Es gibt keinen „kritischen Dialog“ mit Tyrannen, der die Demokratie befördern könnte; nicht in Peking, nicht in Teheran und nicht Pale. Dabei bejahen wir harte Verhandlungen und nützliche Verträge, wenn sie ermöglichen, die Isolation der Bevölkerung in den Diktaturstaaten zu verringern. (...) Einmischung erwünscht und erforderlich – so kommentierte Heinrich Böll die stets wiederkehrende Floskel der „Nichteinmischung in innere Angelegenheiten“.

(...) Wir möchten an das Gedächtnis der politischen Häftlinge in einem stacheldrahtumzäunten Lager nahe der Hafenstadt Tianjin erinnern. Sie werden nicht vergessen, wer am kommenden Dienstag wem die Hand gab in ihrer unmittelbaren Nähe. Bärbel Bohley, Jürgen Fuchs

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen