: Petra Pauls neue Offerte
Petra Paul, Chefin der PDS in Berlin, hat, pünktlich zum 50. Jahrestag der Zwangsverheiratung von SPD und KPD, den hauptstädtischen Kollegen von der SPD das Angebot gemacht, „über diesen Abschnitt der Geschichte und die Lehren daraus“ zu diskutieren. Allerdings dürfe die Nachkriegsentwicklung in beiden deutschen Staaten aus dieser Diskussion nicht ausgeklammert werden.
Paul wiederholte die zentrale These aus dem Papier der Historischen Kommission der PDS vom Dezember 1995, wonach die SED-Gründung „nicht auf den Begriff der Zwangsvereinigung reduziert werden darf“. In der Erklärung der Historischen Kommission hatte es geheißen: „Angesichts der Vielfalt und Widersprüchlichkeit der Vorgänge um den Zusammenschluß von SPD und KPD sind jegliche vereinfachenden, zu parteiisch aufgeladenen Kurzformeln geronnenen Wertungen abzulehnen.“ Mögen sie „Erfüllung der Sehnsucht der Werktätigen“ oder „Zwangsvereinigung“ lauten“.
Die Erklärung der Kommission war unter der Federführung von Günther Benser erstellt worden, einem Autor, der schon zu DDR-Zeiten mit der Materie befaßt gewesen war. Damals hatte er die politische Linie festgeklopft, nach der die Einheit von den Mitgliedermassen der SPD erkämpft und lediglich von den rechten SPD-Führern sabotiert worden war.
Gegen die „Erklärung“ regte sich auch bei der PDS rasch Widerstand. So kritisierte die stellvertretende PDS-Vorsitzende Sylvia- Yvonne Kaufmann Ende Februar die Neigung von Genossen der PDS, „sowohl die Rolle der sowjetischen Besatzungsmacht bei der PDS- Gründung als auch den im Vereinigungsprozeß gegenüber sozialdemokratischen Vereinigungsgegnern ausgeübten Zwang kleinzureden“.
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