: FAZ-Mag: Städte versenken
(100) Es war der schwärzeste Tag für Dresden seit der Bombardierung. Der Aktivkulturkritiker Karl Friedrich Mews lief durch die Straßen. Er sah aus wie eine Ritter Sport mit Fell. Kopfschüttelnd betrachtete er die golden angepinselten archtitektonischen Verbrechen, auf die Dresden so stolz war. „Du Sseisse!“, rief Mews der Stadt apodiktisch ins Gesicht. „Sseig ich sstinke!“ Genau das tat er, und Dresden versank im hausgebastelten Tohuwabohu. Mews wandte sich ab. Was stand als nächstes auf der Liste? Bayreuth. Da brauchte er Verstärkung. Er lud drei Kollegen ins Auto und kachelte los. Ein Kanon wurde angestimmt: „Aus Bayreuth mach Beirut / das tut Bayreuth sehr gut / wär Bayreuth nicht Beirut / hätt das Bayreuth bereut!“ Angekommen, improvisierten die vier einen weiteren Choral: „Wagna, Wagna, Wagna, Waagnaaa / benannt nach der berühmten Pizzaaa!“ Dann war kein Halten mehr. „Hittlo! Grilltello! Hüllhorst!“, gellte es durch die Straßen. Die Bayreuther Gastronomen machten Friedensangebote: „Parzival-Platte? Seniorenteller Wahnfried?“ Es nützte nichts. Bayreuth verschlang sich selbst. Mews und seine Kollegen aber waren weiter unterwegs, Städte versenken. Das nächste Ziel hieß Mainz. Da gab es am Bahnhof eine Bäckerei namens „Die Brezialisten“. Noch.
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