Einen Bahnhof verbuddeln ist ganz leicht: Drehen, vergraben, ein paar Brücken, 33 Kilometer Tunnel und ein paar Gleise. Für knappe sieben Milliarden Euro.

Verbuddeln leicht gemacht: Jean Pütz erklärt uns wie. Bild: screenshot youtube.com
Der Mann klingt auch lustig, wenn er kein Englisch, sondern Deutsch schwätzt: Günther Oettinger, derzeit Englisch stammelnder Youtube-Komiker im Auftrag der EU, früher Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Aus seiner Zeit als Oberhaupt des Wir-können-alles-außer-Hochdeutsch-Bundeslandes ist die politische Entscheidung zum Bau von Stuttgart 21 überliefert.
Die teuerste politische Realsatire, die Deutschland je gesehen hat: Bahnhof in Stuttgart drehen, vergraben, ein paar Brücken, 33 Kilometer Tunnel und über 100 Kilometer Gleise, für knapp sieben Milliarden Euro oder vermutlich ein paar mehr. Derzeit erheben sich die Stuttgarter gegen diese Idee der Obrigkeit, wie es die Stadt seit den Bauernkriegen 1525 nicht mehr gesehen hat.
Davon handelt der Clip in der Satireshow NDR Extra 3, in dem sie den grinsenden Oetti mal wieder heilandsmäßig verseggeln (hochdeutsch: verarschen). Ein neu synchronisierter Jean Pütz darf auf Kölsch erklären, wie man einen Bahnhof verbuddelt: Mit schicker roter Weste, einem Bettlaken und lustigen Helmen für sich (Oetti) und seine Freunde (z.B. Wolfgang Schuster, Stuttgarter Oberbürgermeister). Man sieht die politische Entourage beim symbolischen Baustart Anfang 2010.
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Dazu werden Bilder gezeigt von der Besetzung des Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofes durch Projektgegner. Und alberne Oetti-Zitate, vorgetragen in diesem schwäbischen Maschinengewehr-Stakkato, das jeden Logopäden in den Selbstmord treibt. Auch kurz im Bild: Gangolf Stocker, den Ché Guevara des Schwabenaufstandes gegen Stuttgart 21. Er destilliert das Buddeln auf einen Satz herunter: Sind die wahnsinnig?
Jean Pütz wirkt da übrigens nur konsequent, der Zausel mit dem grauen Schnurrbart hat früher in der Hobbythek im WDR den Deutschen die Wunder von Wissenschaft und Technik erläutert. Ihn in römischer Toga auf das schwäbische Milliardenloch loszulassen soll wohl heißen: Auf LSD leuchtet einem Stuttgart 21 durchaus ein.
Leider hat Extra 3 auch den Gag „Stuttgart 22“ gleich mitgeliefert. Ein handelt sich um einen über 2-minütigen, sehr meditativen Film (http://www3.ndr.de/sendungen/extra_3/media/stuttgart146.html) über einen unterirdischen Flughafen mitten in der Stadt. Unbedingt bis zum Ende anschauen, erst dann kommt der Gag. Wir warten auf Stuttgart 23.
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Leserkommentare
25.08.2010 12:51 | Sophia
Schönes Satirefernsehen! Wieso da über Beitrag beschweren? ...
23.08.2010 22:21 | Philipp Häuser
Das schwäbische Wort verseggeln heisst "ausschimpfen", nicht etwa "verarschen".
23.08.2010 17:03 | BiFi
Anscheinend haben S21- Befürworter keine anderen Sorgen mehr als die deutsche Rechtschreibung oder andere Nebensächlichkeit ...