Tourismus

Gondeln im Flachland

In einem zweiten Anlauf stellen die Initiatoren der Hamburger Seilbahn modifizierte Pläne vor. Kritiker befürchten weiterhin eine Eventisierung von St. Pauli.von Lena Kaiser

Berggefühle im Flachland: Noch hat die geplante Seilbahn nicht alle auf St.Pauli überzeugt.  Bild:  Stage Entertainment

Für die Befürworter ist es der große Sprung, für die Kritiker touristischer Schnickschnack: Das Musical-Unternehmen Stage Entertainment und der Seilbahnbauer Doppelmayr wollen auf zwei Veranstaltungen überarbeitete Pläne für eine Seilbahn über die Elbe vorstellen. Im vergangenen Jahr hatten sich die Bezirksversammlung Mitte und Mieter der Schiffszimmerergenossenschaft in der südlichen Neustadt dagegen ausgesprochen.

Nun hängt die Realisierung maßgeblich davon ab, ob der zweite Anlauf mehr Beifall findet. Die Initiatoren haben sich mit den neuen Plänen von der ursprünglichen Idee verabschiedet, eine Station in den Elbpark am Bismarckdenkmal zu setzen. Aus zeitlichen Gründen wird die Seilbahn nicht mehr an die Internationale Bauausstellung (IBA) und die Gartenschau (IGS) angebunden.

Die Seilbahn soll temporär in zwei Streckenabschnitten vom Heiligengeistfeld über die Elbe in den Hafen und von dort weiter nach Wilhelmsburg führen. Man habe auf Sorgen und Wünsche der Bürger reagiert, so der Stage Entertainment-Geschäftsführer Johannes Mock O'Hara. "So haben wir den nördlichen Startpunkt der Seilbahn an die Glacischaussee gerückt, was verkehrslogistisch und zum Erhalt des alten Elbparks die bessere Lösung ist."

Das Projekt kostet 50 Millionen Euro und soll privat finanziert werden.

Auf 5,5 Kilometern sind drei Stationen geplant: an der Glacischaussee auf St. Pauli, am südlichen Elbufer bei den Musicaltheatern im Hafen und am Wilhelmsburger Reiherstiegknie.

Geplant ist die Seilbahn als temporäres Projekt, zehn Jahre sollen die Gondeln zwischen St. Pauli und dem Hafen verkehren, lediglich fünf Jahre auf der Strecke zwischen Hafen und Wilhelmsburg.

5 bis 15 Euro werden Hin- und Rückfahrt mit der Gondelbahn voraussichtlich kosten, Anwohner und Gewerbetreibende der angrenzenden Viertel sollen Sonderkonditionen bekommen. 

 

Im Event-gebeutelten St. Pauli ist die Reaktion eher zurückhaltend. "Die erste Idee, die Station in den Elbpark zu bauen, war weltfremd", sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bezirk Mitte, Falko Droßmann. "Die weiterführenden Gespräche müssen jetzt zeigen, wie die Menschen vor Ort eingebunden werden sollen und wie das Verkehrskonzept aussieht."

Die Stadtentwicklungsbehörde prüft derzeit die planungsrechtlichen Voraussetzungen. "Sollten die gegeben sein und sollte sich die Seilbahn in das Stadtbild einfügen, gibt es keinen Grund, ein solches Projekt abzulehnen", sagt Behördensprecherin Kerstin Graupner. Mit Planfeststellungsverfahren und Bau wird die Gondelbahn nicht mehr bis 2013 fertig sein.

Weil nun keine Anbindung an IBA und Gartenschau mehr geplant ist, befürchtet Droßmann, dass die Seilbahn nicht mehr bis nach Wilhelmsburg, sondern nur bis zu den Musicaltheatern führen könnte. Eine weitere Eventisierung von St. Pauli sollte, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Mitte, sehr genau abgewogen werden.

Eine deutliche Absage kommt von der Bürgerschaftsfraktion der Linken. Die Planungen seien "futuristisch, aber ausgesprochener Mist", sagt die stadtentwicklungspolitische Sprecherin, Heike Sudmann. "Wer sich fragt, weshalb es so wenige Seilbahnen in Norddeutschland gibt, kommt zu der Erkenntnis, dass die Gegend flach ist und deshalb keine Seilbahnen braucht." Die erforderlichen Höhenunterschiede müssten künstlich geschaffen werden, etwa durch einen 91 Meter hohen Stützpfeiler. Der passe genauso wenig ins Stadtbild wie eine Almhütte auf St. Pauli.

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