Bund und Länder wollen bis zum Sommer einen Gesetzentwurf zur Endlagersuche vorlegen. Gorleben bleibt eine Option und wird weiter erkundet.von Sebastian Fischer

Wird weiter erkundet: Gorleben. Bild: dpa
Bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Müll gibt es einen Neuanfang. In einem ergebnisoffenen Verfahren soll nach neuen Standorten gesucht werden. Gorleben wird allerdings weiter erkundet. Darauf einigten sich Vertreter der 16 Bundesländer, die sich gestern mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in Berlin trafen. Bis zum Sommer wollen sie einen entsprechenden Gesetzentwurf erarbeiten.
Seit über dreißig Jahren wird nur der Salzstock im niedersächsischen Gorleben auf seine Endlagertauglichkeit hin erkundet. Opposition und Umweltverbände zweifeln seit langem an der Eignung des Standortes.
"Wir beginnen mit einer weißen Landkarte, es gibt keine Tabus", sagte Röttgen nach der zweistündigen Beratung mit den Ländervertretern. Man wolle ein transparentes Verfahren entwickeln, bei dem auf Bürgerbeteiligung gesetzt werde und das wissenschaftlich fundiert sei.
Hierzu wird eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich aus Vertretern des Bundes sowie von acht Bundesländern, darunter Bayern und Niedersachsen, zusammensetzt. Die Arbeitsgruppe soll sich im November erstmals treffen. Für Dezember ist eine erneute Plenarrunde ähnlich der gestrigen geplant. Ziel ist, bis zum Sommer ein Endlagersuchgesetz zu erarbeiten, über das Bundestag und Bundesrat abstimmen sollen.
Die Erkundung des Salzstocks Gorleben soll laut Röttgen nicht eingestellt werden. Es müsse aber klar sein, dass über keinen Standort entschieden wird, "bevor nicht ein Vergleich mit anderen Standorten vorgenommen worden ist".
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zeigte sich erfreut über die Ergebnisse des Treffens. Er hatte Gorleben schon im Vorfeld nicht als Option ausgeschlossen. Das widerspricht der Beschlusslage seiner Partei, die in ihrem Aufruf zu den Gorleben-Protesten feststellt: "Der Bau des Endlagers in Gorleben muss sofort beendet werden. Gorleben als Endlagerstandort ist geologisch ungeeignet und politisch verbrannt."
Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) sprach von einem "sehr ambitioniertem Verfahren". Er hatte sich in einem offenen Brief an Röttgen eindeutig für die Rückholbarkeit von Atommüll ausgesprochen. Damit kehrte die niedersächsische Regierung von Gorleben als Standort ab. Der bayerische Umweltminister Marcel Huber (CSU) sprach sich gestern ebenfalls für eine ergebnisoffene Suche aus. Sein Land hatte zuvor vehement auf den Standort Gorleben gepocht.
Der Fraktionsvorsitzende der Linken, Gregor Gysi, kritisierte die Entscheidung für eine Weitererkundung des Salzstocks Gorleben. Wenn man an diesem Standort festhalte, bedeute dies, "die letzte Hoffnung auf Vertrauen endgültig zu zerstören und zig Millionen Steuergelder zu vergeuden."
Erst zu den Aktivisten, dann mit SPD-Chef Gabriel an den Bohrknopf: Bei seinem Besuch in der Asse kündigt Umweltminister Altmaier eine Beschleunigung des Verfahrens an. von Malte Kreutzfeldt

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Der Live-Ticker zum Castortransport 2011 zum Nachlesen auf taz.de.
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Am 30. Mai 2011 hat die schwarz-gelbe Koalition ihren Atomkurs radikal verändert. Bis dahin galt der Ausstieg aus dem rot-grünen Atomausstieg, die deutschen AKW sollten bis nach 2030 laufen - also im Schnitt zwölf Jahre länger als mit dem rot-grünen Atomkonsens.
Nun heißt es: Die acht ältesten deutschen AKW bleiben abgeschaltet, die restlichen laufen zum großen Teil bis 2021 oder 2022 weiter. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima kippte die Stimmung auch unter den Unionswählern gegen die Atomkraft, die wichtige Wahl in Baden-Württemberg ging für Merkel verloren.
Deshalb nun die Umkehr. Im Eiltempo werden nun Atomgesetz und andere Energiegesetze umgeschrieben. Auch das Genehmigungsrecht für Stromleitungen soll vereinfacht werden. Das Eiltempo soll alle überrumpeln: die Energiekonzerne und ihre Abgeordnetenfreunde ebenso wie die Anti-Atom-Bewegung und die Regierungen der Bundesländer.
Wie die Anti-Atom-Bewegung reagiert; wie das Energiesparen bei Elektrogeräten, der Industrie und den Gebäuden berücksichtigt wird, was auf Mieter und Hausbesitzer zukommt; wie der Verbraucher sich für die Energiewende motiviert - die taz berichtet in diesem Schwerpunkt darüber.
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Leserkommentare
12.11.2011 03:47 | vic
Gorleben ist ebenso Option wie jeder andere Ort in Deutschland. Es darf- während der ergebnisoffenen Endlagersuche (so es e ...
11.11.2011 22:42 | berliner
Also eigentlich isses ja ganz einfach. Der Müll wird einfach in den Gärten der Atombeführwrter verbuddelt....dann is man 2 ...
11.11.2011 19:42 | Branko
Es ist bezeichnend für die 'verantwortungsvolle' Atompolitik dieser Partei (naiv, wer glaubt, in diesen Betonköppen hätte s ...