Nicholas Christakis und James Fowler untersuchen den Einfluss von virtuellen und realen Netzwerken auf Meinungen und Verhalten. Das Ergebnis: Auch indirekte Freunde gleichen sich.von Daniel Goldstein
"Wir sollten nicht die Übereinstimmung von Profilen validieren, sondern die persönlichen Gemeinsamkeiten von Menschen, die in realem Kontakt zueinander stehen. Ich bin überrascht, dass es bis heute noch kein soziales Netzwerk geschafft hat, die Relevanz der Beziehungen zu visualisieren"
Ok, ist eine Flirt-Plattform, aber schon mal was von OKCupid gehört? Das macht genau das, auf durchaus interessante Weise.
"Die "Schlampigkeit" ist in der angeführten Populärversion der Sechs-Schritte-Regel eingebaut: Es geht um die Behauptung, für j e d e beliebige Paarung zweier Erdenbürger lasse sich eine Verbindung in sechs Schritten finden. "
Obiges ist eine induktive wissenschaftliche Hypothese, weil sie sich nicht mit realistischem Aufwand strikt beweisen läßt (ähnlich wie die Hypothese, dass JEDEN Tag die Sonne aufgeht). Die Hypothese ist jedoch, etwas vorsichtiger Formuliert, durch Milgrams Untersuchungen, der eine durchschnittliche Pfadlänge von drei in den USA folgerte, zwar nicht bewiesen, doch recht solide gestützt. Fakt ist zudem, dass je mehr Menschen zur vierten, fünften, sechsten Stufe der Beziehungen gehören, desto wichtiger die statistischen Eigenschaften des Netzwerks und umgekehrt unwichtiger die Eigenheiten des Netzwerks der jeweiligen Person werden. Extremes Beispiel: Wenn ich als Einsiedler mein Leben auf einer Säule verbringe und nur zu einer "normalen" Person Kontakt habe, die mir monatlich das Essen in einen heruntergelassenen Korb legt, so ist meine Pfadlänger genau um eins größer als die jener Person mit dem Essen - und damit eins größer als der Durchschnitt.
06.06.2010 18:30 Uhr
von Daniel Goldstein:
Die "Schlampigkeit" ist in der angeführten Populärversion der Sechs-Schritte-Regel eingebaut: Es geht um die Behauptung, für j e d e beliebige Paarung zweier Erdenbürger lasse sich eine Verbindung in sechs Schritten finden. M. W. hat noch gar niemand ernsthaft versucht, das zu beweisen; in den Netzwerktheorien ist stets von der d u r c h s c h n i t t l i c h e n Anzahl Schritte die Rede, so auch im E-Mail-Beispiel am Schluss des Artikels.
05.06.2010 22:31 Uhr
von Johannes F. Woll:
Stan Milgram war's, der 1967 mit dem sozialpsychologischen Begriff small world phenomen den Umstand beschrieb, jeder kenne jeden um sechs Ecken. Ich stoße mich an dem Begriff des Kennens. Kennte ich den Pabst, kennte ich die Welt? Klar gibt es da Übereinstimmungen, die mögen lose oder zufällig sein. Gerade in den sozialen Netzen reduzieren wir uns auf ein paar Formeln »mag Schokolade, lebt in Berlin, arbeitet im Marketing« und schon sind Gemeinsamkeiten gefunden. Zum Kennen gehört jedoch ein persönlicher und / oder beruflicher Bezug. Ein Beziehung, die von beiden Personen nachhaltig geführt wird. Wir sollten nicht die Übereinstimmung von Profilen validieren, sondern die persönlichen Gemeinsamkeiten von Menschen, die in realem Kontakt zueinander stehen. Ich bin überrascht, dass es bis heute noch kein soziales Netzwerk geschafft hat, die Relevanz der Beziehungen zu visualisieren. Sei es einfach wie in einer Tagwolke, die wir selber anreichern, oder komplexer, generiert aus gemeinsamen Kontakten, Events, persönlichen wie beruflichen Übereinstimmungen. So fänden wir vielleicht relevante Profile, mit denen wir gerne in Kontakt träten. Ein Kontakt, der dann auch von Dauer ist. Dann wären wir reif für einen neuen Tribunalismus!
04.06.2010 20:33 Uhr
von Zafolo:
Der Einleitungssatz des Artikels behauptet:
"Es ist nicht bekannt, wie die Sechs-Schritte-Regel herzuleiten und zu beweisen wäre"
solche Behauptungen kommen aber nur zustande, wenn schlamping recherchierende taz-AutoInnen sich in ihren Quellen auf schaurig recherchierte Bücher beschränken.
Siehe mal zu Milgrams Experimenten in der Wikipedia unter "Six Degrees of Separation" und "Small World Experiment".
Die topologischen Strukturen sozialer Netzwerke sind ein interessantes Forschungsthema und können einen ganz erheblichen Einfluss haben. Zum Beispiel gibt es Studien zu Intimnetzwerken und sexuellen Beziehungen, und das Resultat ist durchgängig dass die Verflechtungen vielfältiger und dichter sind und die Verbindungen zwischen den meisten Personen kürzer, als diesen bewusst ist. Wo es um Weitergabe von irgendwelchen Dingen geht, seien es Briefe, Informationen oder eben auch Viren, ist die durchschnittliche Vernetzung vom Netzwerkmitgliedern übrigens gar nicht so wichtig, sondern die Personen mit hoher Vernetzung bestimmen wesentliche Eigenschaften des Netzes, Aber diesen sehr wichtigen Umstand scheint der Autor überhaupt nicht begriffen zuhaben.
Leserkommentare
08.06.2010 06:20 Uhr
von Zafolo:
"Wir sollten nicht die Übereinstimmung von Profilen validieren, sondern die persönlichen Gemeinsamkeiten von Menschen, die in realem Kontakt zueinander stehen.
Ich bin überrascht, dass es bis heute noch kein soziales Netzwerk geschafft hat, die Relevanz der Beziehungen zu visualisieren"
Ok, ist eine Flirt-Plattform, aber schon mal was von OKCupid gehört? Das macht genau das, auf durchaus interessante Weise.
"Die "Schlampigkeit" ist in der angeführten Populärversion der Sechs-Schritte-Regel eingebaut: Es geht um die Behauptung, für j e d e beliebige Paarung zweier Erdenbürger lasse sich eine Verbindung in sechs Schritten finden. "
Obiges ist eine induktive wissenschaftliche Hypothese, weil sie sich nicht mit realistischem Aufwand strikt beweisen läßt (ähnlich wie die Hypothese, dass JEDEN Tag die Sonne aufgeht). Die Hypothese ist jedoch, etwas vorsichtiger Formuliert, durch Milgrams Untersuchungen, der eine durchschnittliche Pfadlänge von drei in den USA folgerte, zwar nicht bewiesen, doch recht solide gestützt. Fakt ist zudem, dass je mehr Menschen zur vierten, fünften, sechsten Stufe der Beziehungen gehören, desto wichtiger die statistischen Eigenschaften des Netzwerks und umgekehrt unwichtiger die Eigenheiten des Netzwerks der jeweiligen Person werden. Extremes Beispiel: Wenn ich als Einsiedler mein Leben auf einer Säule verbringe und nur zu einer "normalen" Person Kontakt habe, die mir monatlich das Essen in einen heruntergelassenen Korb legt, so ist meine Pfadlänger genau um eins größer als die jener Person mit dem Essen - und damit eins größer als der Durchschnitt.
06.06.2010 18:30 Uhr
von Daniel Goldstein:
Die "Schlampigkeit" ist in der angeführten Populärversion der Sechs-Schritte-Regel eingebaut: Es geht um die Behauptung, für j e d e beliebige Paarung zweier Erdenbürger lasse sich eine Verbindung in sechs Schritten finden. M. W. hat noch gar niemand ernsthaft versucht, das zu beweisen; in den Netzwerktheorien ist stets von der d u r c h s c h n i t t l i c h e n Anzahl Schritte die Rede, so auch im E-Mail-Beispiel am Schluss des Artikels.
05.06.2010 22:31 Uhr
von Johannes F. Woll:
Stan Milgram war's, der 1967 mit dem sozialpsychologischen Begriff small world phenomen den Umstand beschrieb, jeder kenne jeden um sechs Ecken. Ich stoße mich an dem Begriff des Kennens. Kennte ich den Pabst, kennte ich die Welt? Klar gibt es da Übereinstimmungen, die mögen lose oder zufällig sein. Gerade in den sozialen Netzen reduzieren wir uns auf ein paar Formeln »mag Schokolade, lebt in Berlin, arbeitet im Marketing« und schon sind Gemeinsamkeiten gefunden. Zum Kennen gehört jedoch ein persönlicher und / oder beruflicher Bezug. Ein Beziehung, die von beiden Personen nachhaltig geführt wird. Wir sollten nicht die Übereinstimmung von Profilen validieren, sondern die persönlichen Gemeinsamkeiten von Menschen, die in realem Kontakt zueinander stehen.
Ich bin überrascht, dass es bis heute noch kein soziales Netzwerk geschafft hat, die Relevanz der Beziehungen zu visualisieren. Sei es einfach wie in einer Tagwolke, die wir selber anreichern, oder komplexer, generiert aus gemeinsamen Kontakten, Events, persönlichen wie beruflichen Übereinstimmungen.
So fänden wir vielleicht relevante Profile, mit denen wir gerne in Kontakt träten. Ein Kontakt, der dann auch von Dauer ist. Dann wären wir reif für einen neuen Tribunalismus!
04.06.2010 20:33 Uhr
von Zafolo:
Der Einleitungssatz des Artikels behauptet:
"Es ist nicht bekannt, wie die Sechs-Schritte-Regel herzuleiten und zu beweisen wäre"
solche Behauptungen kommen aber nur zustande,
wenn schlamping recherchierende taz-AutoInnen sich
in ihren Quellen auf schaurig recherchierte
Bücher beschränken.
Siehe mal zu Milgrams Experimenten in der
Wikipedia unter "Six Degrees of Separation"
und "Small World Experiment".
http://en.wikipedia.org/wiki/Six_degrees_of_separation
Die topologischen Strukturen sozialer Netzwerke sind ein interessantes Forschungsthema und können einen ganz erheblichen Einfluss haben. Zum Beispiel gibt es Studien zu
Intimnetzwerken und sexuellen Beziehungen, und das Resultat ist durchgängig dass die Verflechtungen vielfältiger und dichter sind und die Verbindungen zwischen den meisten Personen kürzer, als diesen bewusst ist. Wo es um Weitergabe von irgendwelchen Dingen geht, seien es Briefe, Informationen oder eben auch Viren, ist die durchschnittliche Vernetzung vom Netzwerkmitgliedern übrigens gar nicht so wichtig, sondern die Personen mit hoher Vernetzung bestimmen wesentliche Eigenschaften des Netzes, Aber diesen sehr wichtigen Umstand scheint der Autor überhaupt nicht begriffen zuhaben.