Nun wird der Streit zwischen dem Energieversorger EWE und der Agentur Prevent schmutzig - zuvor waren Verhandlungen über einen Vergleich gescheitert.von Felix Zimmermann

Zu spät für EWE-Chef Brinker, um die Wogen zu glätten. Bild: dpa
HAMBURG taz | Sie waren Partner, wenn auch wohl nur geschäftlich, sie hielten zusammen, sie machten gemeinsame Sache: Der Oldenburger Energiekonzern EWE AG und die Agentur Prevent GmbH. Aber jetzt wird es schmutzig.
EWE überwies seit dem Jahr 2000 jährlich Millionen, die Agentur richtete davon an Schulen Präventionskurse aus, aber die Agenturchefin behielt offenbar eine Menge des EWE-Geldes für sich. Ob mit oder ohne Wissen der EWE, ist unklar, gestört aber hat es all die Jahre niemanden. Jetzt schießen Pressemitteilungen wie Giftpfeile hin und her, aus Partnern wurden Gegner, jetzt auch vor Gericht.
Wie berichtet, hat EWE Zivilklage vor dem Landgericht Oldenburg erhoben, der Konzern fordert 1,6 Millionen Euro zurück, die er - wie immer in der bisherigen Zusammenarbeit - im Voraus für das "Sign"-Programm überwiesen hatte. Außerdem hat EWE Strafanzeige gegen Agentur-Chefin Claudia del Valle gestellt. Weil es Hinweise für Betrug gebe. Die Staatsanwaltschaft ermittelt aber ohnehin schon - allerdings auch gegen den EWE-Chef Werner Brinker.
In Verhandlungen, die es in den vergangenen Wochen zwischen EWE und der Agentur mehrfach gab - man traf sich stilecht im EWE-Kundencenter in einem Einkaufszentrum -, ging es um einen Vergleich, den EWE-Sprecher Daniel Waschow aber nicht so nennen möchte. EWE habe die bereits gezahlten 1,6 Millionen zurückgefordert, del Valle habe wesentlich weniger zahlen wollen. Deren Medienberater Stephan Holzinger wiederum schreibt, es sei EWE nur darum gegangen, den Disput schnellstmöglich zu beenden, um EWE-Chef Brinker aus der Schusslinie zu nehmen.
Bevor es zu diesem wohl unkittbaren Riss kam, scheint eine Einigung allerdings greifbar gewesen zu sein. Sogar der EWE-Aufsichtsrat hatte sein Einverständnis für Eckpunkte einer Einigung gegeben.
In letzter Minute, so stellt es Holzinger dar, sei dann "ein in allen wesentlichen Punkten ausverhandelter Vergleich" von der EWE in Frage gestellt worden. Statt der Einigung folgte die Eskalation mit der Klage der EWE gegen die Agentur und die Anzeige gegen del Valle - nur wenige Tage nach jenem 11. November, der entscheidend in mancherlei Hinsicht gewesen sein dürfte: Bei EWE brütete der Vorstand über dem Vergleich, während die Staatsanwaltschaft Oldenburg bekannt gab, gegen EWE-Chef Brinker wegen des Verdachts der Untreue zu ermitteln.
Holzinger wertet den Gang vors Gericht durch EWE als "persönliche Niederlage" Brinkers, der den Vergleich nun nicht mehr habe durchsetzen können. EWE-Sprecher Waschow beteuert, der vierköpfige Vorstand habe "mit vier zu null" beschlossen, vor Gericht zu ziehen.
Nun fordert die Agentur Prevent von der EWE Millionen, schließlich hatte der Energiekonzern - wohl EWE-Chef Brinker allein - das "Sign"-Programm bis 2017 verlängert. Die zwischenzeitlich erfolgte Kündigung des Vertrages seitens der EWE wertet Prevent als nichtig - jetzt will man Geld sehen.
EWE hat die Webseite des "Sign"-Programms am Mittwoch abgeschaltet. Das Programm existiert also nicht mal mehr virtuell. Jetzt geht es nur noch um die Kohle.
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Deutschlands fünftgrößter Energiekonzern, die Oldenburger EWE AG, finanzierte über zehn Jahre lang das Präventionsprojekt "Sign" mit bis zu 3,3 Millionen Euro jährlich. Ein Vorzeigeprojekt, auf das die Unternehmensleitung besonders stolz war. Doch was genau mit dem Geld geschah, ist unbekannt. Die taz fand Hinweise auf dubiose Zahlungen und andere Merkwürdigkeiten rund um das EWE-Sozialprojekt und die ausführende Agentur Prevent. Sie hat das Projekt umgesetzt und sollte Schüler in Seminaren über die Gefahren von Sucht und Gewalt aufklären.
Inzwischen hat die EWE die Zusammenarbeit mit der Agentur beendet, doch die wehrt sich gegen die außerordentliche Vertragskündigung. Viele Fragen sind weiter ungeklärt.
Alle taz-Texte zum EWE-Präventionsprojekt "Sign" finden Sie hier in der Übersicht.
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