• 25.09.2008

Schulsystem Finnland

Menschlich auf der Strecke geblieben

Nach dem Amoklauf herrschen in Finnland Trauer und Entsetzen. Gleichzeitig wurde eine alte Debatte wiederbelebt: Wie gut ist das heimische Schulsystem wirklich?von Reinhard Wolff

  • 17.05.2009 19:06 Uhr

    von dieter kederst:

    Bei einem Symposium über "bauphysikalische Probleme im Schulbau" wurden finnische Schulbauten von finnischen Architekten detailiert vorgestellt.
    Da Frontalunterricht in meinem Land noch immer "Liebkind" vieler Lehrer ist (auch ich habe diese Schwäche mit Bedauern bei mir festgestellt), war ich von dem finnischen Bildungssystem begeistert.
    Dass eigene Lernverantwortung der Schüler zu mangelndem Sozialkontakt in der Zeit des Schulbesuchs und dadurch zu Fehlentwicklungen führen kann, ist eine Erkenntnis, die ich gerne verstärkt beachten möchte.
    Weniger Leistungsdruck durch reduzierte Inhalte?
    Sozialformen doch öfters mit "Erwachsenen"?
    "Elitäre Kinder" -"normale Kinder" - "unterprivilegierte Kinder"?
    Erkennen und Fördern von Begabungen?
    Verantwortung der Eltern?
    Auswahl, Ausbildung und Kontrolle der LehrerInnen?
    Finanzielle Prioritäten des Staates für das Schulwesen?
    Reformen gegen überkommende Gewohnheiten im Unterrichtswesen?
    Gesundheitsrisken des Lehrberufes und deren Verminderung?. . . .
    Viele Fragen mit der
    Hoffnung auf zukunftsweisende Antworten.

  • 25.09.2008 13:31 Uhr

    von Bark Wind:

    Bemerkenswert finde ich z. B. folgende Passage: "... Können Sie sich vorstellen, wie es ist, wenn ein Schüler ins Lehrerzimmer kommt, einen umarmt und sagt, dass er sonst niemand hat, den er umarmen könne?" ... Vergleichende Untersuchungen zeigen an finnischen Schulen den höchsten Anteil an Depressionssymptomen in ganz Skandinavien und die größten Mobbingprobleme ..." Das bestätigt doch sehr eine hier geäußerte Vermutung:
    http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/kommentarseite/1/amoklauf-an-finnischer-schule/kommentare/1/1/
    dass "... eine gewisse allgemeine soziale "Kälte", wo Konkurrenzkämpfe und Hierarchien eine größere Rolle spielen, als echtes gegenseitiges Einfühlungsvermögen ..." eine der Hauptursachen solcher Taten als "Spitzen von Eisbergen" sei.

    (und, obwohl es lächerlich klingen mag, auch das Wetter mit insgesamt sehr wenig Sonne macht die Sache nicht gerade besser, als zusätzlicher Faktor - doch Vorsicht: Direkte Vergleiche mit südlichen Ländern hinken, weil dort ja auch andere Faktoren anders sind, z. B. Depression in ehem. Kriegsgebieten, oder Aggressivität aus anderen Gründen, wobei so etwas wie "soziale Kälte" immer! eine Rolle spielt, die "Menschenverachtung" (wie sie die Todesschützen auch explizit geäußert haben) fördert - sei es speziell im kleineren Umfeld (engerer Bekanntenkreis) der besonders aggressiven Leute, oder sei es auch allgemeiner darüber hinaus, z. B. wg. eines allg. Klimas der harten ökonomischen Konkurrenz etc.).

  • 25.09.2008 13:21 Uhr

    von Stefan:

    ich vermute: wenn es einen blinden Fleck in der Gesellschaft gibt, der großen Einfluss ausübt und von niemandem so recht beeinflusst wird, dann ist es der Journalismus. Er ist mittlerweile die einzige Brille geworden, durch die wir den Stoff aufnehmen, aufgrund dessen wir urteilen. Er selber wird von einer relativ blinden Dynamik gesteuert schon seit langer Zeit. Es ist Zeit für eine Geschichte von Medienwirkung. Prominente Beispiele sind die Mithetze der abertausend Käseblättchen am Aufstieg Hitlers und des Antisemitismus VOR der offiziellen Gleichschaltung der Presse. Ein weiteres die mediale Dynamik, die zum Attentat auf Rudi Dutschke führte, ein weiteres die mediale Pogromstimmung gegen Lafontaine u. Gysi. Wie können gesellschaftliche Mißstände beseitigt werden, wenn die Kommunikation dieser Mißstände nicht funktioniert aufgrund eines Journalismus, der keine Selbstkritik mehr übt und dadurch in beliebige unsachliche Richtungen abgleitet?

    Zum Thema: Amokläufe sind per definition Einzelfälle, Fälle extremer, seltener Verzweifelung, die durch eine ebenso seltene Verkettung von vielen Ursachen zustandekommen.

  • 25.09.2008 10:17 Uhr

    von Antonius Reyntjes:

    @ an uns "Uwe":
    Jede "Charakterstörung" entsteht nicht per se, sozusagen genetisch (wie es so billig-deterministisch heute heißt, mit Hilfe von Scannern oder CTs) - sondern primär aus einer (kaputten oder hilflosen...) Familie heraus.

    Dann langen Nachbarschaft, Kirchen, Vereine, das Schulsystem zu - und die wahllos-geile Freizeit-Industrie von maschinellen, prominellen oder medinellen Enthemmungen stellt die Billigmuster und -modelle bereit, nach denen die Verwahrlosungsformen sich ausprägen, ja determinieren.

    Und die elternhäuser?

    Ich habe noch von keinem Fall bei Amok oder 'school-shooting' (auf der ganze industriell sich prostituierenden Welt für Jugendliche oder Gestörte) geshört, dass E l t e r n zur psycholoischen oder gar justiziellen Verantwortung gezogen wurden.

    Man verdammt polizeilich, gerichtlich und journalmäßig die Opfer, die sich im Massen-Mord und Suizid hinrichten, damit "mann" sich in der Herrlichkeit der Meinungs- und Ablenkungsgesellschften keine Vorwürfe und Einschränkungen machen muss.

    Früher wurde sorgfältiger Krieg und organisirter Terror vorbereitet, indem "mann" die unausgebildeten, schulisch vernachlässigten Prekariats-Iditoten in der "Schule der Nation" vorbereitete auf Schlachten oder Geschlachtet-Werden. Mit Drill, Schikanen, kirchlichem Segen, Billig-Suff und Militär-Puff.

    In den Leerräumen der "Erziehung" (zwischen diffuser Familie und langweiliger Zwangsschule und Arbeitslosigkeit) werden Hass-Shooter und Individual-Kämpfer und Wahllos-Krieger und unselbstständig Fragmentierte noch viele gut ausgestattete Gelegenheiten finden, gruppenweise Unbeteiligte oder Gehasste explodieiren zu lassen und sich selbst im letzten Schuss zu erledigen.

    Die Show-Hinrichtung gibt es in der Realität von Un-Kameraden, die die Untoten darstellen müssen, billig; nicht länger nur zum Eintrittspreis im Filmchen.

    Ach - und die beunruhigten Eltern, die Schönheit und Geld und Krempel zu verlieren haben?

    Die verbunkern sich und lassen ihre gehätschelten Kinder von Sicherheitdiensten und auf Internaten psycholoogisch geleiten, mit Kultur, Kunst, Kirche und Kapital.

  • 25.09.2008 08:23 Uhr

    von Kassandra Wahrlich:

    AMOKLÄUFER von Kassandra

    Seele von klein auf kaputtgemacht
    immer wieder ausgelacht
    Gehänselt oder völlig ignoriert
    oder doch: zu stark integriert
    reagieren sie irgendwann „pikiert“

    Die Unauffälligen und deshalb Bequemen von nebenan,
    stets harmlos und zu grüßenden Nachbarn nett,
    machen sich das wieder wett

    Einsam, verzweifelt
    von niemandem so wirklich verstanden
    kommt ihnen das Maß abhanden

    Kein Selbstwertgefühl mehr,
    dass Leben zu leben ist für sie sehr schwer

    Keine andere wirksame Ausdrucksmöglichkeit mehr,
    muss nun eine Waffe her

    Freunde derer keine
    oder ein ganz NORMaler Teil der Gemeinde,
    machen sie sich nun lieber alle zu Feinde

    Ausweglos für sie das leblose Leben
    mögen sie sich nur noch zur sicheren Mutter/ Vater ‚Tod’ hinbewegen

    Laden dazu großzügig ein
    und jagen nun anderen ein die eigene Pein.

  • 24.09.2008 17:52 Uhr

    von uwe:

    solch eine charakterstörung, die durch mediale gewaltfantasien ihren brutalen ausdruck findet mit einem bildungssystem in verbindung zu bringen grenzt schon an perversion und ist öl auf die mühlen derer, die eine verrohung der gesellschaft akzeptieren, um ein law and order prinzip knallhart durchzusetzen.

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