Schanzen-Bullerei : Umarmung durch den Fernsehkoch
Restaurants wie das von Tim Mälzer sind nicht ganz unschuldig daran, dass sich das Hamburger Schanzenviertel zur Amüsiermeile entwickelt hat. Um Differenzen zu vermeiden, wäre es klug von dem Fernsehkoch, sich mit den Stadtteil-Aktivisten ins Benehmen zu setzen.
I m Hamburger Schanzenviertel wird derzeit um die Aufwertung des Viertels gerungen. Längst ist der Stadtteil zur Amüsiermeile mit regionaler Anziehungskraft geworden. Auch jene Bewohner, die das Viertel einst "entdeckt" und mit ihren bunten Lebensentwürfen interessant gemacht haben, fürchten sich nun vor Verdrängung - oder wenigstens vor Belästigung durch Tagestouristen aus dem ganzen Norden.
Das Restaurant "Bullerei" ist mehr als ein Mosaikstein in dieser Entwicklung: Trotz moderater Preise und Großraum-Atmosphäre gilt es als Magnet für besonders zahlungskräftige Kundschaft - wegen des prominenten Besitzers, des Fernsehkochs Tim Mälzer. Dass das Restaurant vis à vis dem Schlachthof deswegen zum Anschlagsziel werden könnte, ist nicht abwegig in einer Straße, in der regelmäßig Streetwear-Läden oder der örtliche Apple-Vertragshändler entglast werden.
Mälzer braucht nur nach nebenan zu schauen: Dort sieht er die nagelneue McDonalds-Filiale, rund um die Uhr unter Polizeischutz. Das kann er nicht wollen. Deshalb ist es klug, wenn er sich mit den Stadtteil-Aktivisten ins Benehmen setzt. Es muss ja nicht gleich Liebe werden, Koexistenz genügt.
Wenn er nun noch ab und an in der Volxküche in der autonomen Roten Flora vorbeischaut und den ehrenamtlichen Kollegen am Herd ein paar Tipps gibt, kann sogar mehr draus werden.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert