Mit Initiativen wie dem "KDF-Museum" in Wolfsburg und dem "Nationalen"-Zentrum in Faßberg versucht NPD-Vize Rieger zu provozieren, meint der Rechtsextremismusexperte David Janzen.Interview: ANDREAS SPEIT

Selbstbewusstes Auftreten: NPD-Vize Rieger. Bild: dpa
taz: Herr Janzen, in Wolfsburg ein "KDF-Museum", in Faßberg ein Zentrum für "Nationale": Riegers Aktivitäten scheinen Städte und Gemeinden zu überraschen?
David Janzen: Die Idee, in der VW-Stadt ein "KDF-Museum" zu eröffnen, hat die Stadtverwaltung wohl tatsächlich unvorbereitet getroffen. Erst Journalisten machten den Gründungstermin und Ort für das vermeintliche Museum öffentlich. Ob der Staatsschutz oder Verfassungsschutz aus taktischen Überlegungen Informationen zurückhielten, oder die Behörden es einfach auch nicht wussten, ist schwer einzuschätzen. In Niedersachsen fällt auf, dass das Innenministerium die betroffenen Städte und Gemeinden erst dann berät, wenn ein möglicher Kaufabschluss mit Rieger öffentlich wird. In Faßberg hat die Gemeinde das Gerücht, Rieger wolle das Landhaus Gerhus erwerben, allerdings ernst genommen. Sie sicherte sich das Vorkaufsrecht.
Ins "Landhaus" zogen trotzdem Gesinnungsgenossen ein.
Rieger flankiert neuerdings die rechtlichen Auseinandersetzungen um die Immobilien mit provokanten Aktionen. Das erhöht natürlich den Handlungsdruck auf Verwaltungen und Behörden. In Wolfsburg fand bereits die Vereinsgründung für das Museum und ein Konzert in den Räumen des ehemaligen Möbelgeschäfts statt.
Vertraglich und rechtlich ist der Bezug der Räume in beiden Fällen noch nicht entschieden.
Schon jetzt ist zu merken, dass die Besetzung des Hotels die Szene aufputscht. Die "Kameradschaft 73 Celle" ist in Niedersachsen eine "der" Kameradschaften. Nicht weit von Faßberg, in Eschede, richtet sie auf dem Bauerhof eines NPD-Freundes Sonnenwendfeiern aus. Hier kamen schon Jugendliche aus der Region vorbei, die lose Kontakte zu der Szene hatten.
Ein Scheitern der Projekte könnte der Anziehungskraft ein Ende bereiten.
Die räumlichen Möglichkeiten wären weg. Aber die Besetzungsaktion dürfte die Kameradschaft gestärkt haben. Das Gefühl "Wir können", "Wir haben" wird sich nachhaltig auswirken. Die werden noch selbstbewusster agieren. In der Region haben Jugendliche diese Gruppe jetzt auch erleben können als eine, "die was drauf hat", "die sich was traut". Auch das wird der Szene Akzeptanz, wenn nicht Zulauf bringen.
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Leserkommentare
11.02.2011 17:55 | Carola Süssel
Hallo an die TAZ und an dieses Forum, ...
11.02.2011 17:55 | Ulrike Jokiel
Haben gestern im Radio durchgegeben das die Polizei ...
11.02.2011 17:55 | Herr Schmitz aus Köln
Angeblich ist das Räumungsurteil gar nicht rechtskräftig, behaupten die "Hausbesetzer" in Ihren Internetforen. Will man hie ...