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Proteste gegen StromkonzerneMärchenstunde bei Vattenfall

Umweltschützer protestieren gegen die Werbekampagne des Stromkonzerns. Der hat für die Kritik wenig Verständnis.

"Es war einmal ein großer Energiekonzern. Der galt in Deutschland und Europa als der größte Klimaschädling überhaupt." So klingen Märchen, wenn sie von Umweltschützern des BUND vorgetragen werden. Vor der Kundenzentrale des Stomanbieters Vattenfall in der Nürnberger Straße verteilen sie Flugblätter und diskutieren mit Passanten. Die Botschaft der jungen Leute: Wenn der Energiekonzern so tut, als schütze er das Klima, sei das ein Märchen.

In ganz Deutschland protestierten am Samstag Menschen gegen leere Klima-Versprechen der großen Konzerne. Die Klima-Allianz, ein Zusammenschluss von rund hundert Umweltorganisationen, hatte zu den Aktionen aufgerufen. In Berlin bot es sich an, Vattenfall auf die Pelle zu rücken. Denn der Energiekonzern ist der Hauptsponsor der offiziellen Märchentage in der Stadt - die parodierende Märchenstunde lag da nahe.

Auf dem Bürgersteig der Nürnberger Straße sitzt die Autorin Lea Streisand vor drei Bänken und liest vor: von Hänsel und Gretel im Tagebau und von des Kaisers sauberer Kohle. Nur wenige Menschen lassen sich nieder, die meisten eilen vorbei. Streisand macht trotzdem weiter, sie ist von der Aktion überzeugt. Als der BUND bei ihr anfragte, habe sie sofort zugesagt, "weil Vattenfall gar nicht mehr geht", wie sie sagt.

Streisand erzählt das Märchen von "Vater Fall" und seiner Internetseite, auf der das Volk für das Klima unterschreiben durfte. Eine Geschichte aus dem richtigen Leben: Vattenfall wirbt mit Anzeigen um Unterschriften für den Klimaschutz - eine Aktion, mit der sich das Unternehmen einen grünen Anstrich verleiht.

Bei den Leuten vom BUND kommt das gar nicht gut an. "Das ist himmelschreiend in seiner Verlogenheit", beklagt Franka Nagel. Der Konzern sei mit 890 Gramm CO2 pro Kilowattstunde der "klimaschädlichste Stromanbieter". Und wenn Vattenfall in Lichtenberg ein neues Kohlekraftwerk plane, ist das ihrer Meinung nach das Gegenteil von Klimaschutz.

Der Vattenfall-Sprecher Reinhold Buttgereit sagt, er sei offen für Diskussionen mit den Umwelt-Aktivisten. "Mir ist daran gelegen, dass man von diesem Schwarz-Weiß-Bild wegkommt." Beim Lesen des Flugblatts schüttelt er allerdings den Kopf. "Sehr viel stimmt überhaupt nicht. Es gibt keinen Energiekonzern weltweit, der so aktiv ist im Klimaschutz wie Vattenfall." Ein Märchen mit einem guten Ende? Klingt fast zu schön, um wahr zu sein.

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3 Kommentare

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  • I
    Ingo

    "Die Klima-Allianz, ein Zusammenschluss von rund hundert Umweltorganisationen" - eben nicht! Das besondere an der Klima-Allianz ist, dass dort auch ganz andere Organisationen dabei sind (z.B. Kirchen, Entwicklungshilfeorganisationen, selbst Attak..) ...

  • R
    Robert

    ...schon klar, dass sich Herr Buttgereit vom "Schwarz-Weiß-Bild" verabschieden möchte.

    Da hilft jedoch kein Bla-Bla. Vattenfalls Taten: neue Kohlekraftwerke, bestehende Dreckschleudern wie Jänschwalde ausbauen und neue riesige Tagebaue erschließen.

    Da ist man noch weit weg von Weiß bzw. Grün. Derzeit ist Vattenfall noch nicht mal Dunkelgrau.

  • S
    Sabine

    Der Vattenfall-Sprecher ist offensichtlich geübt im Greenwashing (so nennt man neudeutsch das Vorhaben umweltschädlicher Konzerne, öffentlichkeitswirksam kleinste Projekte des Umweltschutzes durchzuführen). Ausgerechnet ein Konzern, der neue Kohlekraftwerke bauen will, behauptet also, im Klimaschutz aktiv zu sein? Plastikmännchen zu produzieren, wie Vattenfall es im Moment tut, hilft dem Klima nicht weiter. Vattenfall hätte die Möglichkeit, ein wahrhaft grüner Konzern zu werden, wenn er die Zeichen der Zeit endlich erkennen und in erneuerbare Energien investieren würde.

    Keine neuen Kohlekraftwerke, weder in Berlin noch anderswo!