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Porträt Michael KorwisiDer siegreiche Grüne

In der CDU-Stadt Bad Homburg hat es jetzt ein Grüner ins Amt des Oberbürgermeisters geschafft. Die Wechselstimmung sei da gewesen, sagt Wahlkampfgewinner Michael Korwisi.

In einer der reichsten Städte Deutschlands, in der die CDU seit mehr als 60 Jahren die stärkste politische Kraft ist und immer den Oberbürgermeister stellte, schaffte es am Sonntag ausgerechnet ein Grüner, das kommunalpolitische Monopol der Union zu knacken. Bad Homburg wird ab September der ausgebildete Pädagoge und Philologe Michael Korwisi vorstehen. Mit 59,5 Prozent der Stimmen hängte der ehemalige Landesgeschäftsführer der Grünen Hessen und hauptamtliche Stadtrat in einer Stichwahl die Amtsinhaberin Ursula Jungherr von der CDU deutlich ab. "Das hat ordentlich gesessen", kommentierte der Vorsitzende der Union Bad Homburg, Thorsten Bartsch, enttäuscht den Sieg von Korwisi. Warum aber hat ein Grüner geschafft, was der ewigen Oppositionspartei SPD nie gelungen ist? Weil "die Wechselstimmung da war", sagt Korwisi. Und weil er - unterstützt von 700 Helfern auch aus Bürgerinitiativen und Wählergruppen - einen "Wahlkampf aus einem Guss geführt" habe. Gewonnen hat der 57-Jährige wohl auch, weil er das grüne Label nicht vorzeigte, sondern als "unabhängiger Kandidat" auftrat. Und Korwisi ist Vereinsmeier: Ehrenmitglied der Feuerwehr und Vorsitzender des Fußballvereins Bad Homburg 05, aktiv bei Naturfreunden und ADAC - durchaus kompatibel mit den gut situierten, bislang meist CDU oder FDP wählenden Bürgern der Kurstadt. Dazu kam, dass die Bad Homburger nach sechs Dekaden CDU wohl "die Schnauze gestrichen voll hatten von der in Arroganz erstarrten Union", wie es bei den Grünen auf einer spontanen Siegesfeier im Rathaus hieß. Korwisi dagegen propagierte den "dialogfähigen Umgang" und demonstrierte ökonomische Kompetenz. "So geht`s!", war sein Wahlkampfslogan. Korwisi hat jetzt seinen Traumjob - und im Stadtparlament eine CDU/FDP-Mehrheit gegen sich.

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