Die Antikapitalisten protestieren auch im amerikanischen Elitetempel. Eine ihrer Forderungen: Jeder Mensch soll das Recht auf eine höhere Bildung haben.von Margret Karsch
Also, ich befinde mich jetzt im 3. Jahr der Promotion an einer renomierten angelsächsischen Universität und kann ihre Sicht der Dinge nicht teilen. Das Niveau an amerikanischen und britischen Universitäten steht in den Naturwissenschaften deutlich hinter dem Niveua des kontinentalen Systems zurück. Die angelsächsischen Institute schneiden in internationalen Rankings zwar besser ab, das liegt allerdings hauptsächlich daran, dass die Forschungsmittel einfacher zugänglich sind und die Arbeit zum Großteil von ausländischen Wissenschaftlern gemacht wird. In anderen Worten: Das deutsche Physik-Diplom ist deutlich höher einzuschätzen als ein Abschluss in Oxford oder Cambridge. Die Briten und Amerikaner überholen uns am Ende allerdings durch geschickte Rekrutierung von Wissenschaftlern, ein System das unter dem Stichwort "meritocracy" steht. D.h. man läßt die Leute einfach forschen, wenn sie gut sind und legt ihnen nicht unnötig Steine in den Weg. Von diesem understatement können wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden, die deutsche Ausbildung ist hingegen weiterhin genauso gefragt wie vor 50 Jahren.
15.04.2012 16:27 Uhr
von Heike Lindenborn:
Ich habe zwar auch Hochschulbildung, bin mir aber der Tatsache sehr bewußt, daß diejenigen, die ganz konkrete Arbeiten leisten (Pflegekräfte, Straßenarbeiter ...) unseren Staat, mich selbst eingeschlossen, am Leben erhalten.
30.12.2011 07:35 Uhr
von Management Consultant:
@geschlosse ne
Sehe ich genau so! Ein BWL-er hat weder das Auto, das Telefon oder den Computer erfunden. Man braucht sie dann später irgendwann, aber für die initiale Wertschöpfung sind sie erstmal nutzlos.
Daher: Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland. Warum haben WIR kein MIT? Max Planck, Fraunhofer und KIT (Karlsruhe) sind ja ein Anfang. Aber da dehlt noch der Pep - vielleicht Plattner's Venture-Firma dazu?
Und: Greencards für 1er-Naturwissenschaftler, Stipendien für 1er-Abiturienten aus aller Herren Länder.
Naja, und die EBSler, die sollen ruhig zahlen für ihr Studium, und wer an einer öffentlichen Uni Marketing, "Kulturwissenschaften" oder ähnliche Latte-Macchiato-Fächer "studieren" mag, auch.
29.12.2011 13:38 Uhr
von geschlosse ne:
Die Zeiten wo man rumgesessen und den Stromberg gespielt hat, sind auch für Studierte vorbei. Dr.-Taxifahrer dürfte normal sein. Hungerlöhne in der studierten Medienbranche ebenso. Eine Gesellschaft mit 1 Million Juristen und 5 Millionen BWLern ist vermutlich keine gute Gesellschaft sondern ein Parteistaat wo man nur verwaltet während die 99% die wahre Arbeit machen aber nur 1% des Lohnes kriegen (leicht übertrieben ausgedrückt). Auch stellt sich die Frage wieso die anderen Universitäten nicht einfach besser sind ? Dank Youtube, MIT-Learn u.ä. Systeme kann man Bildung preisneutral gerecht für alle per Internet anbieten und kollaborativ übersetzen und verbessern. "High-Speed-Evolution of the Schoolbook." Natürlich nicht in technikfeindlichen Ländern die sich Galileo von den Chinesen vom Brot nehmen lassen und der Durchdummung nur durch Hinterherregieren und noch mehr Pöstchen wie beim Adel "reagieren", während die Chinesen (und Russen) eine deutsche Firma nach der anderen kaufen.
Ein Recht auf höhere Bildung ist ein Recht auf einen Vollzeit-Sesselpupser-Job ? Man braucht nicht 1000000 Diplom-Bundeskanzler oder Diplom-Wetter-Vorhersager(Metereologen) oder Diplom-Boni-Banker(BWLer) und besonders der Zweck von Volkswirten ist doch nur Statistiken zu verfassen und den Politikern als angeblichen Vorwand für noch mehr Parteibeamte und noch mehr Ministerien und noch mehr Steuern vorzulegen.
Die vermeintlich hohen Gehälter von Uni-Absolventen auf die Lebenszeit heraufgerechnet also Studienzeit abgezogen sind oft vermutlich deutlich schlechter als eine Gesellen-Ausbildung und dauerhafte Arbeit. Die Uni-Absolventen sind auf vielen Stellen völlig überqualifiziert und nehmen den Realschülern oder Abiturienten in den Verwaltungen die Stellen weg. Gleichzeitig weiss keiner was wirklich gefragt ist, was dann zur Absage von Aufträgen u.ä. führt. Wer keine Handwerker braucht, weil er in Vollkasko-Mentalität immer nur den Vermieter anruft, kriegt das Elend am Handwerker-Markt gar nicht mit: Qualität und Leistung und Verfügbarkeit stimmen nicht. Da brauch ich nicht noch 100000000 Diplom-Germanisten, Diplom-Juristen und Diplom-BWLer.
29.12.2011 12:51 Uhr
von Management Consultant bei Strategieberatung:
Ich habe mal ein einjähriges, berufsbegleitendes Programm an der Harvard Busines School absolviert.
Also, bitte, wenn das für "alle" sein soll, frei zugänglich, nur zu - es war sauinteressant, und eine Riesenknechterei. Dagegen war das Studium in D (ich habe Wi-Ing in Aachen studiert) fast harmlos.
Mal von den Berufssöhnen der Ostküste abgesehen - in Harvard findet man viele Hochleistungsstudenten aus allen Ländern (v.a. Asien, middle East), die richtig was auf dem Kasten haben. Wir Deutschen sind da eher Mittelmaß, auch was die Einstellung betrifft. Den Hochbegabten wird dort auf jeden Fall nochmal ganz schön in den Hintern getreten. Und den Luxusstudenten, die man in D z.B. an der EBS findet, den macht man dort Feuer, den die stören das System der akademischen Hochleistung und werden ja eher NICHT Nobelpreistäger.
Ich bezweifle aber, dass die Occupier sich so einem Stress aussetzen wollen.
29.12.2011 12:24 Uhr
von Karl:
Zumindest für die Forschungsbereich völlig ok!
Dort haben Unberechtigte eh nichts zu suchen.
Glück auf!
Karl
29.12.2011 12:05 Uhr
von Sauerbraten80:
Wie "gerecht" das elitäre amerikanische Hochschulwesen ist, zeigt sich doch schon daran, dass jemand wie George W. Bush in Yale und Harvard studieren durfte. Wegen seiner intellektuellen Begabung wird er wohl kaum aufgenommen worden sein.
29.12.2011 12:04 Uhr
von Kerstin Mahr:
Danke für diesen gut recherchierten und fundierten Bericht.
29.12.2011 11:06 Uhr
von me_myself_and_I:
Eine höhere "Bildug" à la Harvard habe ich zwar nicht genossen, aber den Typo bemerke ich trotzdem! ;-)
29.12.2011 10:27 Uhr
von heidi:
Prima. Es ist ein Anfang. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder entwickelt die Jugend Solidarität oder sie wird von Anfang an alle ethischen Werte verraten und auf die Allgemeinheit spucken. Ich setzte auf die positive Kraft Jugend: sie hat immer etwas bewegt.
29.12.2011 10:15 Uhr
von Merle:
Tja, bei uns in Deutschland ist das ja auch so. Aber PISA will das ja ändern, denn die wollen eine Liberalisierung des Bildungssektors (sprich Privatisierung). Wenn mal einer die Fußnoten dieser verdammten studie lesen würde, wüssten das auch alle!!!
Leserkommentare
30.05.2012 01:24 Uhr
von Karl-Heinz:
@ Management-Consultant ...
Also, ich befinde mich jetzt im 3. Jahr der Promotion an einer renomierten angelsächsischen Universität und kann ihre Sicht der Dinge nicht teilen. Das Niveau an amerikanischen und britischen Universitäten steht in den Naturwissenschaften deutlich hinter dem Niveua des kontinentalen Systems zurück. Die angelsächsischen Institute schneiden in internationalen Rankings zwar besser ab, das liegt allerdings hauptsächlich daran, dass die Forschungsmittel einfacher zugänglich sind und die Arbeit zum Großteil von ausländischen Wissenschaftlern gemacht wird. In anderen Worten: Das deutsche Physik-Diplom ist deutlich höher einzuschätzen als ein Abschluss in Oxford oder Cambridge. Die Briten und Amerikaner überholen uns am Ende allerdings durch geschickte Rekrutierung von Wissenschaftlern, ein System das unter dem Stichwort "meritocracy" steht. D.h. man läßt die Leute einfach forschen, wenn sie gut sind und legt ihnen nicht unnötig Steine in den Weg. Von diesem understatement können wir uns in Deutschland eine Scheibe abschneiden, die deutsche Ausbildung ist hingegen weiterhin genauso gefragt wie vor 50 Jahren.
15.04.2012 16:27 Uhr
von Heike Lindenborn:
Ich habe zwar auch Hochschulbildung, bin mir aber der Tatsache sehr bewußt, daß diejenigen, die ganz konkrete Arbeiten leisten (Pflegekräfte, Straßenarbeiter ...) unseren Staat, mich selbst eingeschlossen, am Leben erhalten.
30.12.2011 07:35 Uhr
von Management Consultant:
@geschlosse ne
Sehe ich genau so! Ein BWL-er hat weder das Auto, das Telefon oder den Computer erfunden. Man braucht sie dann später irgendwann, aber für die initiale Wertschöpfung sind sie erstmal nutzlos.
Daher: Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland. Warum haben WIR kein MIT? Max Planck, Fraunhofer und KIT (Karlsruhe) sind ja ein Anfang. Aber da dehlt noch der Pep - vielleicht Plattner's Venture-Firma dazu?
Und: Greencards für 1er-Naturwissenschaftler, Stipendien für 1er-Abiturienten aus aller Herren Länder.
Naja, und die EBSler, die sollen ruhig zahlen für ihr Studium, und wer an einer öffentlichen Uni Marketing, "Kulturwissenschaften" oder ähnliche Latte-Macchiato-Fächer "studieren" mag, auch.
29.12.2011 13:38 Uhr
von geschlosse ne:
Die Zeiten wo man rumgesessen und den Stromberg gespielt hat, sind auch für Studierte vorbei. Dr.-Taxifahrer dürfte normal sein. Hungerlöhne in der studierten Medienbranche ebenso.
Eine Gesellschaft mit 1 Million Juristen und 5 Millionen BWLern ist vermutlich keine gute Gesellschaft sondern ein Parteistaat wo man nur verwaltet während die 99% die wahre Arbeit machen aber nur 1% des Lohnes kriegen (leicht übertrieben ausgedrückt).
Auch stellt sich die Frage wieso die anderen Universitäten nicht einfach besser sind ? Dank Youtube, MIT-Learn u.ä. Systeme kann man Bildung preisneutral gerecht für alle per Internet anbieten und kollaborativ übersetzen und verbessern. "High-Speed-Evolution of the Schoolbook."
Natürlich nicht in technikfeindlichen Ländern die sich Galileo von den Chinesen vom Brot nehmen lassen und der Durchdummung nur durch Hinterherregieren und noch mehr Pöstchen wie beim Adel "reagieren", während die Chinesen (und Russen) eine deutsche Firma nach der anderen kaufen.
Ein Recht auf höhere Bildung ist ein Recht auf einen Vollzeit-Sesselpupser-Job ? Man braucht nicht 1000000 Diplom-Bundeskanzler oder Diplom-Wetter-Vorhersager(Metereologen) oder Diplom-Boni-Banker(BWLer) und besonders der Zweck von Volkswirten ist doch nur Statistiken zu verfassen und den Politikern als angeblichen Vorwand für noch mehr Parteibeamte und noch mehr Ministerien und noch mehr Steuern vorzulegen.
Die vermeintlich hohen Gehälter von Uni-Absolventen auf die Lebenszeit heraufgerechnet also Studienzeit abgezogen sind oft vermutlich deutlich schlechter als eine Gesellen-Ausbildung und dauerhafte Arbeit. Die Uni-Absolventen sind auf vielen Stellen völlig überqualifiziert und nehmen den Realschülern oder Abiturienten in den Verwaltungen die Stellen weg. Gleichzeitig weiss keiner was wirklich gefragt ist, was dann zur Absage von Aufträgen u.ä. führt.
Wer keine Handwerker braucht, weil er in Vollkasko-Mentalität immer nur den Vermieter anruft, kriegt das Elend am Handwerker-Markt gar nicht mit: Qualität und Leistung und Verfügbarkeit stimmen nicht. Da brauch ich nicht noch 100000000 Diplom-Germanisten, Diplom-Juristen und Diplom-BWLer.
29.12.2011 12:51 Uhr
von Management Consultant bei Strategieberatung:
Ich habe mal ein einjähriges, berufsbegleitendes Programm an der Harvard Busines School absolviert.
Also, bitte, wenn das für "alle" sein soll, frei zugänglich, nur zu - es war sauinteressant, und eine Riesenknechterei. Dagegen war das Studium in D (ich habe Wi-Ing in Aachen studiert) fast harmlos.
Mal von den Berufssöhnen der Ostküste abgesehen - in Harvard findet man viele Hochleistungsstudenten aus allen Ländern (v.a. Asien, middle East), die richtig was auf dem Kasten haben. Wir Deutschen sind da eher Mittelmaß, auch was die Einstellung betrifft. Den Hochbegabten wird dort auf jeden Fall nochmal ganz schön in den Hintern getreten. Und den Luxusstudenten, die man in D z.B. an der EBS findet, den macht man dort Feuer, den die stören das System der akademischen Hochleistung und werden ja eher NICHT Nobelpreistäger.
Ich bezweifle aber, dass die Occupier sich so einem Stress aussetzen wollen.
29.12.2011 12:24 Uhr
von Karl:
Zumindest für die Forschungsbereich völlig ok!
Dort haben Unberechtigte eh nichts zu suchen.
Glück auf!
Karl
29.12.2011 12:05 Uhr
von Sauerbraten80:
Wie "gerecht" das elitäre amerikanische Hochschulwesen ist, zeigt sich doch schon daran, dass jemand wie George W. Bush in Yale und Harvard studieren durfte. Wegen seiner intellektuellen Begabung wird er wohl kaum aufgenommen worden sein.
29.12.2011 12:04 Uhr
von Kerstin Mahr:
Danke für diesen gut recherchierten und fundierten Bericht.
29.12.2011 11:06 Uhr
von me_myself_and_I:
Eine höhere "Bildug" à la Harvard habe ich zwar nicht genossen, aber den Typo bemerke ich trotzdem! ;-)
29.12.2011 10:27 Uhr
von heidi:
Prima. Es ist ein Anfang. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: entweder entwickelt die Jugend Solidarität oder sie wird von Anfang an alle ethischen Werte verraten und auf die Allgemeinheit spucken. Ich setzte auf die positive Kraft Jugend: sie hat immer etwas bewegt.
29.12.2011 10:15 Uhr
von Merle:
Tja, bei uns in Deutschland ist das ja auch so. Aber PISA will das ja ändern, denn die wollen eine Liberalisierung des Bildungssektors (sprich Privatisierung). Wenn mal einer die Fußnoten dieser verdammten studie lesen würde, wüssten das auch alle!!!