Neue Arbeitsformen II: "Wie Carsharing für Arbeitsplätze"
Sebastian Sooth betreibt das "Hallenprojekt", in dem sich Freiberufler digital vernetzen. In Friedrichshain werde nun die erste Halle als Bürogemeinschaft gebaut, erzählt er. Aber im Prinzip sei man offen für alle Menschen und Berufe.
taz: Herr Sooth, was ist das Hallenprojekt?
Sebastian Sooth: Momentan ist es eine Kommunikationsplattform für Freiberufler, die sich untereinander vernetzen wollen. Man sieht online, wo jemand sitzt, woran er gerade arbeitet und ob er angesprochen werden möchte. Sitzt man zufällig in der Nähe, kann man sich persönlich verabreden. Sonst schickt man eine E-Mail. Bisher sind 100 Leute an 30 Orten von Berlin bis Saarbrücken angemeldet. Langfristig soll das Hallenprojekt aber ein Netzwerk für "echte" Hallen werden.
Wie soll das konkret aussehen?
Ein Beispiel: Ich bin Webdesigner aus Berlin und bin für ein paar Tage in Stuttgart. Ich bekomme kurzfristig einen Auftrag und brauche schnell einen funktionierenden Arbeitsplatz vor Ort. Auf "hallenprojekt.de" kann ich nachsehen, wo es solche Orte gibt und die Leute kontaktieren.
Also einfach nur ein Wegweiser zum nächsten Internetcafé?
Eben nicht nur. Neben kommerziellen Cafés mit kostenlosem W-LAN-Zugang werden auch Bürogemeinschaften und Agenturen mit freien Plätzen angezeigt. Oder eben spezielle Orte für mobile Freiberufler, die wir "Hallen" nennen und die wie Carsharing für Arbeitsplätze funktionieren sollen. Wer diesem Netzwerk beitritt, soll dort arbeiten können, egal ob Angestellter oder Freiberufler. Es gibt keine Tisch- oder Raummiete, aber in der Regel auch keine Leihrechner: Man braucht seinen eigenen Laptop, kann aber vorhandene Infrastruktur wie Drucker, Scanner oder Kopierer nutzen.
Gibt es eine solche Halle schon?
Bislang noch nicht. Aber wir sind dabei, in Friedrichshain die erste Bürogemeinschaft für Mitglieder einzurichten. Das Arbeiten dort soll umsonst sein. Das ist der erste Schritt. Danach wollen wir einen größeren Gewerbehof anmieten, in dem mehr passieren soll. Diese Hallen sollen sich nicht nur an eine bestimmte Berufs- oder Bevölkerungsgruppe wenden, sondern für alle offen sein.
Also eine Halle als "Raum der Möglichkeiten" für alle, wie sie der "Neue-Arbeit"-Vordenker Frithjof Bergmann vorsieht?
Seit dem Festival-Camp "9to5 - wir nennen es Arbeit" im letzten Jahr haben wir enge Beziehungen zu Frithjof Bergmann. Bei der Hallen-Idee sind wir uns einig, nur die Zielgruppen sind verschieden. Aber warum sollte man nicht auch Handwerk und Gärten in die Halle holen? Selbstbestimmt arbeiten will schließlich jeder. Nur die Kosten sind ein Problem. Und man braucht eine Halle, die groß genug ist, um dort auch einen Fabrikator unterzubringen. Wir fangen jetzt erst mal klein an. Und hoffen, dass sich das Hallennetzwerk vergrößert.
INTERVIEW: NINA APIN
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