• 23.08.2011

Nachruf Loriot

"Bitte sagen Sie jetzt nichts!"

In Loriot floss alles zusammen, was jemals komisch war in Deutschland. Deshalb konnte er so auf die Deutschen abstrahlen und kanonisch werden.von ARNO FRANK

  • 24.08.2011 19:22 Uhr

    von Werner:

    Besser als das was ich heute auf Twitter fand kann man es nicht sagen.

    "Selten war die Fallhöhe von der Brillianz des gewürdigten Werks zur Präpotenz der Nachrufenden so eklatant wie bei Loriot."

  • 24.08.2011 15:50 Uhr

    von Hofmann:

    Es wäre ja schön, wenn die Art des Humors á la Loriot mal eine Renaissance erfahren könnte.

    Allerdings, Herr Feiler: Die konfessionelle Begründung für das Humorniveau ist ja selber schon geradezu ein satirischer Geniestreich, falls er (wie ich inbrünstig hoffe) nicht ernst gemeint war. Ansonsten wäre nach diesem lutheranisch-megalomanischen Theoriepamphlet Mario Barth ja ein feinsinnigerer Kabarettist als Gerhard Polt...

  • 24.08.2011 14:22 Uhr

    von bushmills:

    "Schlüpfrig" ist wahrscheinlich definitionssache - aber: "es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann" u.ä. geht schon in die Richtung, oder? Das Geniale war, dass solche Sätze ganz nebenbei fielen...

  • 24.08.2011 13:50 Uhr

    von gattinasteffi:

    @ stephan-ebers
    "... der Mehrheit nur als der "Nudel-Loriot" im Gedächtnis geblieben..."
    Genauso ist es. Wer kennt denn schon seine geniale Aufführung von "Wagner's Ring an einem Abend"? Ich hatte das große Glück Loriot mit diesem Programm live zu erleben. Mario Barth & Co können von mir aus den Zuschauer-Rekord der Rolling Stones in Rio übertreffen, die Qualität eines Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow werden sie aber nie erreichen.
    Was bleibt sind Erinnerungen an einen großartigen Menschen und der Auftrag Loriot den nachfolgenden Generationen näher zu bringen.

  • 24.08.2011 12:20 Uhr

    von R2D2:

    Sie irren sich; Der Sketch "a
    Auf der Rennbahn (Wo laufen sie denn)" ist von Wilhjelm Bendow und wurde von Loriot gezeichnet, was seiner Genialität keinen Abbruch tut.

  • 24.08.2011 11:41 Uhr

    von Wolfgang König:

    An sich ein schöner nachruf. Über eine Formulierung aber hätte sich Lorito als großer Liebhaber der deutschen Sprache garantiert geärgert: "Ganz sicher aber ist Loriot einer der wenigen Künstler seines Fachs gewesen, der begriffen hat, dass Tragik und Komik ... sondern zwei Seiten einer Sache sind." Es gab also nur wenige Künstler, der das begriffen hat. So ein Deutsch hätte Loriot Magenkrämpfe verursacht.

  • 24.08.2011 11:28 Uhr

    von tonikal:

    Der m. W. erste Komiker, der beim Geraderücken eines schief hängenden Bildes allerlei Unheil angerichtet hat, war Jacques Tati in "Die Ferien des Monsieur Hulot".

    @Benjamin: Ich stimme dir zu, Arno Frank hat in der Einleitung in der Tat einige abgedroschene Klischees bemüht. Ich darf noch Christian Morgenstern und Joachim Ringelnatz als begnadete deutsche Satiriker und Humoristen ergänzen. Und viele von Heinz Ehrhardts Gedichten sind - ganz ähnlich wie die von Ringelnatz - ziemlich abgründig und schwarzhumorig, wenn man nur mal richtig hinhört.

  • 24.08.2011 10:07 Uhr

    von Toby:

    Nein, die Figuren verlieren keinesfalls ihre Würde. Sie scheitern und werden in ihrer Einfachheit bloßgestellt. Sie werden zu dem, was sie immer schon sind – wenn man sich die Krawatten wegdenkt. Menschlich beschränkt. Es ist zwar der Effekt des Kaisers ohne Kleider, in jedem Fall werden aber nicht die Figuren lächerlich gemacht. Nur ihr Anspruch wird es. Die Hülle aus Konventionen macht vernehmlich „plöpp“ wenn die Figuren scheitern. Nicht die Menschen dahinter.
    Oft scheitern sie ja auch gar nicht spektakulär. Der Kunstpfeifer, der keinen Augenblick einsieht, daß er selbst eine Pfeife ist, die Dame, die allen Ernstes beharrt, mit ihrem Jodeldiplom hätte sie „was eigenes“. Das sind Gestalten, die nicht vernichtet werden. Sie dürfen ihre Irrtümer behalten. Sie sind halt so. Niemand reißt ihnen brutal die Kleider runter um sie in Unterhosen zu zeigen. Nein, Loriot läßt sie einfach machen. Er gibt ihnen Raum und obwohl sie lächerlich gefunden werden dürfen, schaut er ihnen einfach nur zu. Fast liebevoll. Wie einem Kind, das jetzt verkündet, es sei fortan der Boss, der Kapitän, der Papa, etc. In dem Beharren auf den Irrtum von der eigenen Größe liegt die Komik.
    Und so wirkte auch Loriots Lächeln, wenn er diese Figuren präsentierte – wissend. Ihnen eine Nase zu drehen war in aller Regel völlig überflüssig. Und er wäre damit auch gescheitert, denn die Figuren, die er zeigte, waren auch sein Publikum!

  • 24.08.2011 07:58 Uhr

    von reblek:

    "In der Zeit wies Loriot einmal darauf hin, es werde 'in keinem meiner Filme irgendwo gelacht, nirgendwo'." Nicht ganz, auch wenn es sich bei der Rennerei von Loriot hinter seiner Geliebten her - wohl in "Ödipussy" - eher um Gekicher handelt, aber ausdauerndes. Bis Loriot auf dem Hintern landet.

  • 24.08.2011 07:21 Uhr

    von Chrissi:

    Schöner Nachruf - aber wenn ich nicht ganz farbenblind bin, dann ist das Sofa doch grün, oder?

  • 23.08.2011 21:47 Uhr

    von Peter Maas:

    "Für das, was er zusammen mit seiner kongenialen Partnerin Evelyn Hamann ab 1976 in "Loriot" veranstaltete, gibt es heute völlig zurecht nur noch den kümmerlichen Importbegriff "Comedian"."

    Kann mir jemand bitte mal diesen Absatz in klardeutsch übersetzen? Was ist kümmerlich? Das was Loriot und Hamann veranstalteten? Das, was die heutigen Comedians veranstalten? Der Begriff "Comedian" als solcher? Der Begriff "Comedian", weil er importiert wurde? Wenn es der Begriff ist, welche alternativen Begriffe fände der Autor besser?

  • 23.08.2011 21:16 Uhr

    von Das Moni:

    Ja, schade um diesen Großen seines Faches. Beim Lesen des Artikels zaubert sich ein Lächeln in die Mundwinkel bei der bloßen Erwähnung der bekannten Sketche.
    Geniale Beobachtungsgabe und Umsetzung, ohne Brachialhumor mit dem Holzhammer.....
    Einen guten und ruhigen letzten Weg scheint er gehabt zu haben, so hoch in den Achzigern......Machen Sie es gut Herr von Bülow!

  • 23.08.2011 21:03 Uhr

    von Gregor Spieß:

    Wollte nur mal schnell schlaumeiern dass das Zitat
    "Ja, wo laufen sie denn ?" nicht von Loriot, sondern von Wilhelm Bendow stammt.Loriot hat lediglich den Zeichentrickfilm dazu gemacht.

  • 23.08.2011 20:45 Uhr

    von Jochen:

    Ein wirklich ganz Großer ist gegangen!

    Ohne sein Werk schmälern zu wollen: "Auf der Rennbahn" (Ja, wo laufen sie denn?)ist nicht von Loriot, sondern von Wilhelm Bendow und Franz-Otto Krüger.

  • 23.08.2011 19:50 Uhr

    von Chris:

    So harmlos war Heinz Erhardt nicht. Nur, man muss sich mit ihm beschäftigen, um das zu wissen...

  • 23.08.2011 19:37 Uhr

    von stephan-ebers:

    Nun ist er dahingeschieden.

    "Verließ das Haus - er litt so sehr, soviele Jahre Mensch mit Zwischendingen, trotz Teilerfolg im Geistesringen, war Keiner von olympischem Gewähr." (Gottfried Benn)

    Ja, gelitten hat er - an dieser urdeutschen geistigen Beschränktheit, dieses pfauenhafte sich Schmücken mit Bildungsgewäsch. Der typische FAZ- oder " Welt"-Leser, diese Leugner eigener Verstrickung in das dritte Reich, diese blähenden, übersättigten Luxusspießer mit ihrem Gelsenkirchener Barock, ihre geschraubte Konversation, die einer Ausführungsbestimmung des Hauptamtes für die Vereinheitlichung der Verwaltungsstrukturen entsprungen ist. Das war sein Feindbild. Ich erinnere mich noch daran, was es für einen Aufschrei der Empörung in der Bevölkerung gab, als zum ersten Male das Weihnachtsgedicht über den Äther ging.

    Natürlich war das Ganze absolut lächerlich. Vicco von Bülow gab alles der Lächerlichkeit preis. Doch loteten nur Wenige seine Bosheiten in aller Tiefe aus. Die "Frau von Bredenbeck", die Oberkulturschnepfe aus "pappa ante portas" ist beißende Ironie. Dieses dumpfe Deisterdorf im Landkreis Hannover, genauer gesagt Calenberger Land, kennt den Begriff Kultur nur im Zusammenhang mit dem Beutel zur Aufbewahrung von Seife und Zahnbürste. Auch anderen ähnlichen Käftern in der Provinz hat er solche Ehrungen angedeihen lassen. Er konnte nur von Glück sagen, dass die Lokalpolitker seine Sendungen nicht richtig zur Kenntnis nahmen.

    Die berufsbedingte Intendantenfeigheit sorgte dann leider dafür, dass Vicco von Bülow den "Wum" und "Wendelin" als Maskottchen für die Sendung "Der große Preis" erschuf. Damit war er dann bei der urdeutschen Instanz für kulturelle Seichtheit, der "Hör Zu" angekommen. Kein Ruhmesblatt. Seit dieser Zeit ist er der Mehrheit nur als der "Nudel-Loriot" im Gedächtnis geblieben. Aber "c'est la vie", das Fernsehen zermantscht eben alles. Deshalb ist für Vicco von Bülow das Attribut "Komiker", oder - horribile dictu et auditu - (das klingt einfach schöner als "schauerlich zu sagen und zu hören") "Comedian" eine Herabsetzung. Er war einfach ein großer Satiriker mit Schreibmaschine und Zeichenstift, in Wort und Bild. In Deutschland haben wir stets einen eklatanten Mangel an diesem Menschentyp.

  • 23.08.2011 18:50 Uhr

    von Benjamin:

    Bei allem gebührenden Respekt für Loriot, aber mir schmeckt schon die Einleitung dieses Nachrufes nicht; die Karikatur des hässlichen und humorlosen Deutschen.

    Was ist mit Til Eulenspiegel, Wilhelm Busch, Heinrich Heine, Karl Valentin und wie sie alle heißen...
    Der Kommentator denkt nur bis zu den 50er Jahren zurück und alles was davor war, war wohl dunkles Germanien oder was?
    Klar ist der angelsächsische Humor der geilste, aber woanders ging man auch - größtenteils - zum Lachen in den Keller.

    Es wäre mal schön wenn dieses Genörgel gegen das eigene ach-so-spießige Volk aufhören würde, denn damit macht man sich zum Oberpiefke. Tjaha.

  • 23.08.2011 18:32 Uhr

    von Pascal Feiler:

    Der Loriot kam aus Brandenburg, der Ehrhardt nicht, der Didi kommt aus Preußen, die Anke Engelke nicht, danke! Anke. Was die evangelischen den katholischen Bundesländern voraushaben, ist das Niveau im Humor. Die Katholiken haben immer so einen gekünstelten Humor, weil, sie müssen Rücksicht nehmen auf Benno, den Obersten aller Päpste. Nun ist ja der Glauben eine Theorie, die ihr für und wider hat, so wie jede These. Der Fehler der Katholiken besteht darin, dass sie Häuptling Papst als Gralshüter ihrer Theorie erkoren haben, ich meine, das gibt#s doch sonst nirgendwo, einen Papst der Chemie, oder einen Papst der Demokratie, einfäch lachhaft. Nein, erst die Lutheraner in schwarzer Robe schubsten mit viel Humor den Papst zurück zum Allgemeinen, denn ein jeder ist ein Priester im Lutherischen, drum rufe ich aus: Ob die Roten, ob die Frommen, alle sind bei Gott willkommen, ist der Himmel auch mal Schwarz, ewig grüßt die Morgenröte

  • 23.08.2011 18:32 Uhr

    von Botot:

    Rotes Sofa? Bitte werfen Sie einen Blick auf das Bild links. Danke

  • 23.08.2011 18:29 Uhr

    von Dirk:

    "Ja wo laufen sie denn" ist nicht von Loriot. Es ist eine Hommage Loriots an Wilhelm Bendow. Loriot hat diesen Sketch lediglich visualisiert.

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