• 15.01.2010

Nachruf Katharina Rutschky

Ironisch, intellektuell und lebensfroh

Katharina Rutschky hat 1977 den Begriff "Schwarze Pädagogik" geprägt. Im Alter von 68 Jahren ist die Essayistin gestorben: Nachrufe von Jan Feddersen, Dirk Knipphals und Heide Oestreich.

  • 24.07.2010 06:24 Uhr

    von rüdi:

    unvergessen auch die Todesangst eines Mädchens, dessen »stinkbesoffener Vater die Tochter im Bett mit der Frau verwechselt«, die Rutschky erfrischend ironisch, intellektuell & lebensfroh so kommentierte: »Wenn ein besoffener Vater seine Tochter im Bett der abwesenden Ehefrau für Sekunden mit dieser verwechselt, kann man darauf nicht das Schicksal eines geschändeten Mädchens aufbauen« (Die Zeit 50/90, Sozial extra 12/90).

  • 16.01.2010 10:38 Uhr

    von saalbert:

    Knipphals: "... lautete einer ihrer Bonmots." - Rutschky wird gewusst haben, dass es sich um ein Neutrum handelt.

    Feddersen: "... sie sah grandios aus. Wahnsinnig akkurat rotlackierte Fingernägel, ihre graue Kurzhaarfrisur delikat anzusehen..." Da ist einer, was Grandioses angeht, sehr bescheiden. Vielleicht eher billig. Ach so: "Jan Feddersen ist Redakteur für besondere Aufgaben bei der taz." Na dann.

  • 16.01.2010 00:52 Uhr

    von M. Gerlach:

    "Kinder sind ein guter Hundeersatz"- klasse, dieser mutige Satz wird mir in den Ohren bleiben, liebe Katharina Rutschky.
    Wir trafen uns eigentlich immer nur kurz mit unseren Hunden in der Nachbarschaft, aber nie! nie! war eine solche kurze Begegnung mit ihr ein einfaches, simples Gespräch über Schnuffis aktuellstes Zipperlein, neuerworbene Frechheiten, oder sonstige Banalitäten möglich...
    es war jedesmal eine kleine Prüfung, ob man im neuesten intellektuellen Disput bestehen kann. Wenn ja, uffz, d e r Tag war gerettet; danach war man geistig wach...(was nach einer ansonsten normal-alltäglichen Gassirunde nicht unbedingt der Fall war).
    Zudem war man gut beraten immer mal n "Thema in der Tasche zu haben", von dem man wußte, wenn man sich begegnen würde: "nun wirds wieder lebendig"!
    Jedesmal wieder, wenn ich mal kein Thema "bei mir trug", über die unerwartete Komplexität ihrer Antworten erstaunt, wenn einem in Ermangelung von geistigem Verve, nur ein banaler Satz über die Lippen ging.
    Wie z.B. neulich im Schneegestöber: "mein Hund weigert sich weiterzulaufen, das liegt bestimmt am Salz auf der Straße, das brennt sicher an den Pfoten."
    Das kann man zwar sagen, aber man muß schon genau wissen, zu wem.
    Die unerwartete Antwort klärte mich mit meinen lapidaren 13 Jahren Berlinerfahrungsschatz darüber auf, was- wann- wo- warum- in welcher Menge- gestreut wurde, was sich historisch verändert hat, und wie sich das Streugut in den Bezirken unterscheidet, also auch früher und heute...
    Das muß auch meinen sich verweigernden Hund überzeugt haben, denn danach liefen wir problemlos weiter...mit neuen Wissensaspekten über Berliner Bezirke im Gepäck, die ich nie nicht freiwllig gegoogelt hätte.
    Die Gassirunden werden nie wieder dieselben sein, weil man genauso wieder heimkommt, wie man losgegangen ist: ohne diese "kleinen, wertvollen, intellektuell-poltisch-historischen Geschenke" dieser speziellen Begegnungen, von denen man glaubte, diese "stünden einem mittlerweile zu", wenn man Katharina Rutschky begegnete. Vielen Dank dafür.

  • 15.01.2010 22:30 Uhr

    von eva brinkmann:

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    ein wunderschöner nachruf, herr feddersen.

  • 15.01.2010 19:21 Uhr

    von Adrian:

    Ich habe gerade ihren (viel zu knappen) englischen Wikipedia-Artikel aktualisiert.

    Was für eine wunderbare Ausnahme dieser Mensch war.

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