Kommentar: Stolz allein hilft nicht weiter
Dass die ersten Worte der Annäherung an Gauck aus dem Berliner Landesverband kommen, ist kaum überraschend. Wo, wenn nicht hier, sollte dazu der nötige Pragmatismus vorhanden sein?
Die Linkspartei scheint auf den vorletzten Drücker noch mitbekommen zu haben, welche Chance sie dabei war zu verpassen. Aus verletztem Stolz oder alten Animositäten den rot-grünen Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck bis zuletzt nicht zu unterstützen - besser hätte sie nicht zeigen können, warum die anderen Parteien auf Bundesebene bislang nichts mit ihr zu tun haben wollen. Wer dort irgendwann mal mitregieren will, der muss auch Kompromisse machen können.
Dass die ersten Worte der Annäherung dazu aus dem Berliner Landesverband kommen, ist kaum überraschend. Wo, wenn nicht hier, sollte dazu der nötige Pragmatismus vorhanden sein? In der rot-roten Koalition hat die Linkspartei in den vergangenen achteinhalb Jahren mehrfach Kröten geschluckt, ohne deshalb das Bündnis aufzukündigen oder einen Riesenstreit vom Zaun zu brechen.
Als etwa die SPD Ende 2008 im Bundesrat gegen eine klare Koalitionsabsprache der Erbschaftssteuerreform zustimmte, konnte Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi tags darauf bei einem Parteitag noch so sehr wüten und zetern - seine Berliner Genossen brachte das nicht dazu, der SPD offen mit dem Ende der Koalition zu drohen.
Solches Verhalten kann man handzahm nennen oder mit dem Bild von Koch und Kellner belegen. Man kann da von fehlendem Rückgrat sprechen. Doch für die Linkspartei hat es sich seither mehrfach gezeigt, dass es sich lohnt, in Verantwortung zu bleiben. Miet- und Wohnungspolitik, Vorstöße zur Rekommunalisierung, all das hätte die Partei ansonsten wirkungslos aus der Opposition vorbringen müssen. So schön ein gerader Rücken auch ist - Politik ist letztlich kein Kieser-Training
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